Bayer Diese Frau will von Bayer Schmerzensgeld wegen der Antibabypille Yasminelle

Kompressionsstrümpfe und blutverdünnende Medikamente sind nun ihr Alltag: Felicitas Rohrer will von Bayer Schadenersatz.

(Foto: Frederick Florin/AFP)
  • Bei Felicitas Rohrer bilden sich in der Lunge Blutgerinnsel. Sie bricht zusammen - ist klinisch tot.
  • Sie sagt: Schuld daran ist eine Anti-Baby-Pille der Firma Bayer. Sie sieht ihren Fall als Präzedenzfall - und will Schadenersatz.
Von Helga Einecke

Das Landgericht Waldshut-Tiengen liegt tief im Süden Baden-Württembergs, an der Grenze zur Schweiz. Am Donnerstag wird es Schauplatz einer ungewöhnlichen gerichtlichen Auseinandersetzung sein. Eine junge Frau verklagt den Pharmakonzern Bayer. Sie verlangt Schadenersatz und Schmerzensgeld von 200 000 Euro. Es geht ihr dabei nicht nur um das Geld, sondern vor allem um den Präzedenzfall. "Mein Prozess muss geführt werden", sagt Felicitas Rohrer, 31.

Vor sechs Jahren, da hatte sie gerade ihre Ausbildung zur Tierärztin abgeschlossen, bildeten sich in ihrer Lunge Blutgerinnsel. Sie brach zusammen, ihr Herz stand still, sie war klinisch tot. Sie überlebte dank schneller ärztlicher Hilfe, aber so gesund wie vorher wird sie nie wieder. Kompressionsstrümpfe, Lymphdrainagen, blutverdünnende Medikamente gehören zu ihrem Alltag. Als Tierärztin kann sie nicht arbeiten, und sie braucht Hilfe vom Psychotherapeuten. "Ich bin fast gestorben, weil ich eine Pille genommen habe, die im Verdacht steht, ein höheres Thromboserisiko als andere zu besitzen", sagt Felicitas Rohrer.

Bei der "Pille" handelte sich um die Antibabypille Yasminelle von Bayer, die den Wirkstoff Drospirenon enthält.

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Viele Verfahren in den USA

Rohrer ist nicht die einzige Klägerin. Ihr Anwalt Martin Jensch vertritt acht weitere Frauen, die sich durch Bayer geschädigt sehen. Es ist das erste Verfahren in Deutschland. Im Ausland laufen bereits seit vielen Jahren Klagen, die Bayer mit viel Geld aus dem Weg zu räumen versucht. In den USA kamen nach letzten Angaben bislang mehr als 9000 Vergleiche zustande - 1,9 Milliarden Dollar musste Bayer dafür aufbringen.

Der Vorteil dieser außergerichtlichen Einigungen ist, dass der Konzern keine Schuld einräumen und die Pille nicht vom Markt nehmen muss. Es geht um ein sehr lukratives Geschäft: 2014 setzte das Pharmaunternehmen mit seinen Verhütungspillen noch immer 770 Millionen Euro um, in früheren Jahren erreichten diese Milliardenumsätze. Bayer sieht angesichts der bereits bearbeiteten Klageflut dem Prozess in Deutschland gelassen entgegen. "Wir gehen von einem positiven Risiko-Nutzen-Profil aus", heißt es dort, es ist mittlerweile die Standardantwort auf Fragen zur Gefährlichkeit von Antibabypillen.

Rohrer versucht seit Jahren, öffentlichen Druck auf Bayer auszuüben. Sie tritt auf den Hauptversammlungen auf und spricht dort die Manager persönlich an, vor den Aktionären. Meist wechselt sie sich mit Kathrin Weigele ab, einer Leidensgenossin. Schon vor einiger Zeit haben sich Betroffene in Deutschland zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen.