Baukonzern im Wandel Bilfinger tritt auf der Stelle

Noch offen: Wird der Bilfinger-Konzern sich von seinem Bereich Dienstleistungen für die Industrie verabschieden.

(Foto: obs/Bilfinger)

Vorstandschef Utnegaard vertagt die Entscheidung über den Bereich Immobilien.

Von Karl-Heinz Büschemann, Mannheim

Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger hat noch kein Konzept für die Zukunft gefunden. Das zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz des Krisenunternehmens. Der seit gut einem halben Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Per Utnegaard sagte am Mittwoch in Mannheim, eine umfassende Überarbeitung der Strategie werde er erst später liefern. Den Zeitpunkt ließ er offen.

Ein wichtiger Teil dieser Strategie hängt von der Entscheidung ab, ob der Konzernteil Building and Facility, der Dienstleistungen für Immobilien anbietet, verkauft wird oder im Unternehmen bleibt. Offenbar sind beide Optionen möglich. Building and Facility machte im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro Umsatz, das sind etwa 40 Prozent der Gesamtleistung von 6,4 Milliarden Euro. Für die folgenreiche Entscheidung, ob der Immobilien-Bereich verkauft werden soll, brauche er noch "ein paar Wochen", sagte Utnegaard.

Der Vorstand wolle die verschiedenen Angebote sorgfältig prüfen. Wie die Entscheidung ausfalle, das sei noch offen, räumte der Unternehmenschef ein. Das bedeutet auch, dass dieses Geschäft möglicherweise bei Bilfinger bleibt. Hintergrund dieser Unsicherheit ist, dass es starke Kräfte gibt, die den Verkauf ablehnen. Das gilt vor allem für die Arbeitnehmer, die im Aufsichtsrat gemeinsam mit einigen Kritikern auf der Kapitalseite dem Vernehmen nach sogar eine Mehrheit gegen den Verkauf hätten.

Der Vorstand wurde offenbar überrascht davon, welche Wirkung es in der Öffentlichkeit erzeugte, dass das Management im Januar selbst mitgeteilt hat, es gebe ein Kaufangebot für den Bereich Immobilien. Seitdem muss Utnegaad erklären, warum der Verkauf sich so lange hinziehe. Zur Diskussion trägt bei, dass Building and Facility ein "sehr erfolgreiches Geschäft" (Utnegaard) ist, das im vergangenen Jahr ein gutes Ergebnis erzielte. Der andere große Bereich, Industrial, der sich mit der Wartung von Industrieanlagen befasst, leidet dagegen unter dem schwachen Ölpreis und schlechten Aussichten. Seit dem Ausscheiden des früheren Unternehmenschefs Roland Koch im August 2014 kommt Bilfinger nicht zur Ruhe und sucht sein Heil in einer neuen Strategie, die bisher nur im Verkaufen von Unternehmensteilen besteht.

Der frühere Baukonzern, der im vergangenen Jahr wegen hoher Verluste im Kraftwerksgeschäft ein Minus von 489 Millionen Euro verbuchte, wird seinen Aktionären für 2015 keine Dividende zahlen. Dem Verzicht habe der Großaktionär, die schwedische Investmentfirma Cevian, zugestimmt. Die Mittel sollen für Investitionen zur Verfügung stehen, sagte Utnegaard. Im vergangenen Jahr wurden 98 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet.

Utnegaard sagte zur Prognose für dieses Jahr, er erwarte "einen deutlichen Rückgang" des Geschäfts, jedoch einen leichten Anstieg des Betriebsergebnisses (Ebita). Von dem Umsatzrückgang ist aber offenbar im Segment Building and Facility, über dessen Verkauf verhandelt wird, nichts zu spüren. Das Geschäft werde 2016 "leicht wachsen", sagte der Unternehmenschef.