sueddeutsche.de: Wie kann man dafür sorgen, dass die Menschen in den kommenden Jahren überall auf der Welt genügend zu essen haben?

(© Foto: DBV)

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Sonnleitner: Wir werden keine dramatischen Hungerkrisen haben, wenn wir unsere Flächen auch effizient nutzen und bewirtschaften können. Das heißt: Wir brauchen mehr Wissenschaft und mehr Forschung. Landwirtschaft ist nicht Old Economy, sondern eine Zukunftsbranche. Wir müssen sehr stark daran arbeiten, die Effizienz und Professionalität der Landnutzung insgesamt zu verbessern, ohne die Nachhaltigkeit zu beschädigen.

sueddeutsche.de: Heißt "mehr Forschung und mehr Wissenschaft" auch mehr Gentechnik?

Sonnleitner: Nein, das ist eine andere Baustelle. Wenn wir Versorgungsengpässe vermeiden wollen, müssen wir insgesamt die Spekulation mit Hedgefonds besser in den Griff bekommen. Diese virtuelle Welt der Spekulation schädigt die reale Welt. Das sehen wir derzeit in den Entwicklungsländern. Und wir müssen bei diesen Ländern mehr auf Good Governance setzten - das heißt, wir dürfen nur jene Länder unterstützen, die auch den Landwirten ihre Rechte geben, die sich um den ländlichen Raum kümmern.

sueddeutsche.de: Unionsfraktionschef Volker Kauder rief dazu auf, die Gentechnik zu nutzen, um die Nahrungsmittelkrise in den Griff zu bekommen.

Sonnleitner: Nein, Gentechnik löst unsere heutigen Probleme nicht.

sueddeutsche.de: Und kann auch künftige Krisen nicht verhindern?

Sonnleitner: Weltweit liegen sehr viele Millionen Hektar Land brach. Die gilt es in die Produktion zurückzuholen. Die EU hat ja bereits beschlossen, Brachflächen wieder zu bewirtschaften. Das ist der richtige Weg.

sueddeutsche.de: Befürworten Sie grundsätzlich den Einsatz von Gentechnik, um die Produktionsmenge zu steigern?

Sonnleitner: Ich sehe Gentechnik skeptisch, weil sie der Verbraucher nicht wünscht. Wenn wir immer betonen: "Der Kunde ist König", dann müssen wir auf die Kundenwünsche eingehen.

Gerd Sonnleitner, geboren 1948 in Passau, ist vermutlich Deutschlands mächtigster Landwirt. Seit 1997 ist er Präsident des Deutschen Bauernverbandes, seit 1991 steht er an der Spitze des Bayerischen Bauernverbandes und von April 2001 bis April 2003 war er Präsident des Europäischen Bauernverbandes Copa. Sonnleitner bewirtschaftet in Ruhstorf im Landkreis Passau einen 100-Hektar-Veredlungsbetrieb, der seit dem 13. Jahrhundert im Familienbesitz ist.

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(sueddeutsche.de/woja/jja)