Vor dem Milchgipfel hoffen die Bauern erneut auf eine Lösung - denn nach dem Lieferstopp im Juni zahlen die Molkereien höchstens einen Cent mehr pro Liter Milch.
Beim Milchgipfel in Berlin wollen die Milchbauern auf rasche Lösungen dringen. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Milchbauernverbandes BDM forderte "eine überwältigende Mehrheit" der Landwirte Sofortmaßnahmen von der Politik, wie der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber sagte.
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Große Worte - doch alles bleibt beim Alten: Die Molkereien zahlen kaum mehr für Milch als vor dem großen Streik. (© Foto: dpa)
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Tausende Bauern demonstrierten zugleich vor den Agrarministerien vieler Bundesländer für ihre Forderungen.
Seehofer hofft auf "konstruktive Gespräche"
Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) erwarte beim Milchgipfel am Dienstag "konstruktive Gespräche", sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Teilnehmer sind neben den Bauernverbänden auch Vertreter von Handel und Molkereien.
Der zehntägige Lieferstreik der Milchbauern im Juni zeigte bislang nicht die erhoffte Wirkung. Die von den Molkereien an die Bauern ausgezahlten Milchpreise stiegen seitdem nur minimal - um höchstens einen Cent. Deshalb fordert der BDM nun von der Politik "Sofortmaßnahmen". Von Seehofer erwarte der BDM "nach wie vor", dass er diese Forderungen beim Milchgipfel auch unterstütze, sagte Schaber.
Tausende Bauern demonstrieren
Der BDM verlangt die Abschaffung der Regelung, nach der Milcherzeuger bei Molkereien mehr Milch anliefern dürfen als ihnen per Quote erlaubt ist. Dadurch würde das Überangebot an Milch abgebaut, und die Preise könnten steigen. Außerdem soll der sogenannte Umrechnungsfaktor für Milch von 1,02 auf 1,03 angehoben werden.
Damit würden die Milchbauern mehr Geld für die gleiche Menge Milch bekommen. Der Faktor wird bei der Umrechnung von Milchlieferungen von Liter in Kilogramm angewendet. Schließlich setzt sich der BDM für eine Mengensteuerung auf dem Milchmarkt ein - auch nach Auslaufen der EU-weiten Milchquote 2015.
Diese Forderungen unterstützten in der BDM-Umfrage 90 Prozent der Mitglieder und 80 Prozent der Nicht-Mitglieder. Teilgenommen haben laut BDM in den vergangenen fünf Tagen 20.000 Landwirte - drei Viertel von ihnen sind BDM-Mitglieder. Die Umfrage laufe aber noch weiter.
Bekenntnis zum Standort Deutschland
Die entsprechenden Verordnungen muss der Bundesrat beschließen. Deshalb versammelten sich am Montag trotz der Erntezeit nach BDM-Angaben deutschlandweit tausende Milchbauern vor den Agrarministerien vieler Bundesländer, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Aktionen waren laut Schaber in allen Bundesländern außer Sachsen, Brandenburg und den Stadtstaaten geplant.
Seehofers Parteikollege, der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller, erklärte, er setze sich für eine stärkere Lieferdisziplin bei Milch ein. "Ohne konsequente Mengenbegrenzung wird es schwer sein, die Einkommenssituation unserer Milchviehhalter entscheidend zu verbessern." Demnach brachte Bayern bereits im Juni eine entsprechende Verordnung in den Bundesrat ein. Wegen fehlender Mehrheit sei die Entscheidung jedoch vertagt worden.
Die großen Handelsketten sind laut Wirtschaftswoche bereit, beim Milchgipfel ihren Verzicht auf aggressive Werbekampagnen für billige Milch und Butter zu erklären. Zudem will Seehofer die Beteiligten auf ein gemeinsames Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland einschwören. Sein Ministerium wollte sich am Montag zu Einzelheiten des Milchgipfels nicht äußern.
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(sueddeutsche.de/AFP/jkr/tob)
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