Baubeginn des ersten Desertec-Kraftwerks Grüner Strom aus der Sahara

Es soll das bislang größte Solarkraftwerk der Welt werden: In Marokko erfolgt am Freitag der erste Spatenstich für eine insgesamt 700 Millionen Euro teure Pilotanlage des Desertec-Projekts. Später könnte der Solarstrom aus der Sahara sogar nach Europa exportiert werden.

Von Markus Balser

Nach mehreren Rückschlägen nimmt die Realisierung der Wüstenstrom-Vision Desertec Formen an. Am Freitag soll im Süden Marokkos der offizielle Spatenstich für das bislang größte Solarkraftwerk der Welt in der Kleinstadt Ouarzazate am Rande der Sahara erfolgen. Nach Angaben der KfW-Bankengruppe, die das Projekt im Auftrag des Bundes mitfinanziert, entsteht in Marokko ein solarthermisches Kraftwerk mit einer Leistung von 160 Megawatt. Der insgesamt 700 Millionen Euro teure Bau soll Energie für mehr als eine halbe Million Menschen liefern und bereits Ende 2015 in Betrieb gehen.

Bislang war Desertec vor allem eins: eine kühne Idee. Mit dem Baubeginn in dieser Woche können die Planer in ein neues Stadium eintreten - von der Phase großer Entwürfe in die eines handfesten Projektes. Das Ouarzazate-Vorhaben am Rande der Sahara diene als Referenzprojekt, um einer kohlenstoffarmen und somit klimafreundlichen Zukunftstechnologie in Nordafrika zum Durchbruch zu verhelfen, erklärte die KfW am Dienstag. Sie finanziert das Projekt im Auftrag der Bundesregierung mit rund 115 Millionen Euro mit.

Die internationale Desertec-Planungsgesellschaft Dii mit Sitz in München ist an dem Projekt dagegen nicht beteiligt. Sie macht sich Hoffnungen auf den Zuschlag für weitere Projekte des marokkanischen Solarplans. Bis 2020 plant Marokko die Errichtung von fünf solarthermischen Kraftwerken mit insgesamt 2000 Megawatt Leistung. Der Anteil erneuerbarer Energien im Land soll dann bei 42 Prozent liegen. Zwar sahen bisherige Pläne den Export von Teilen der Stromproduktion vor, um Einnahmen zu schaffen. Der Strom des Pilotprojektes solle zunächst in Marokko genutzt werden, teilte nun die KfW mit. Weitere Ausbaustufen des Projekts in Ouarzazate könnten möglicherweise aber auch Pilotprojekte für die Idee sein, eines Tages Solarstrom aus der Wüste nach Europa zu exportieren, heißt es weiter.

In Europa ist mit der Desertec-Vision die langfristige Hoffnung verbunden, bis zum Jahr 2050 rund ein Fünftel des eigenen Strombedarfs aus den grünen Solarkraftwerke in Nordafrika und dem Nahen Osten decken zu können. Vor vier Jahren war mit dieser Vision auch die Planungsgesellschaft Dii mit Sitz in München gegründet worden. In ihr haben sich bislang mehr als 50 Großkonzerne wie Eon, RWE, die Deutsche Bank zusammengeschlossen. Die Initiative musste allerdings zuletzt mit dem Ausstieg der Vorzeigekonzerne Bosch und Siemens herbe Rückschläge verkraften. Beide Unternehmen hatten angekündigt, sich weitgehend aus dem Solargeschäft zurückzuziehen. Damit musste der Geschäftsführer der Desertec Industrie Initiative (Dii), Paul van Son gleich zwei prominente Namen aus dem Kreis der Unterstützer streichen.