BASF stellt Amflora-Anbau ein Das Ende der Gen-Kartoffel in Europa

Keine Chance für grüne Gentechnik in Europa: Der Chemiekonzern BASF gibt auf und verlagert diese Sparte komplett in die USA. Die Menschen auf dem Kontinent haben einfach keine Lust auf die Gen-Kartoffel Amflora.

Von Daniela Kuhr

Der weltweit größte Chemiekonzern BASF gibt die Hoffnung auf, dass sich die Europäer in absehbarer Zeit doch noch für die grüne Gentechnik begeistern könnten. Die Unternehmenszentrale der Biotechnologie-Sparte werde von Limburgerhof in Deutschland nach Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina verlegt, teilte BASF jetzt offiziell in Ludwigshafen mit. Damit wird es vorerst überhaupt keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland mehr geben.

BASF war im vergangenen Jahr das einzige Unternehmen, das mit seiner Stärke-Kartoffel Amflora die Erlaubnis für einen solchen kommerziellen Anbau besaß. Lediglich auf einigen Versuchsfeldern werden auch weiterhin Gen-Pflanzen angebaut, die noch nicht für den kommerziellen Anbau zugelassen sind.

Stefan Marcinowski, im Vorstand zuständig für die Biotechnologie-Sparte, begründet den Schritt mit fehlender Akzeptanz der Technik in Europa. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen insgesamt 1,2 Milliarden Euro in den Bereich Plant Science investiert, doch in der ganzen Zeit kein Produkt entwickelt, mit dem es Geld verdiente. Ganze 13 Jahre lang hatte der Konzern kämpfen müssen, um endlich die europäische Zulassung für den Anbau der Amflora-Kartoffel zu erhalten - eine Kartoffel, die nicht für den Verzehr gedacht ist, sondern deren Stärke allein in der Papierproduktion eingesetzt werden sollte.

Als die EU-Kommission die Zulassung im Frühjahr 2010 erteilte, keimte bei BASF Hoffnung auf, dass sich die vielen Jahre der Forschung und die Investitionen endlich auszahlen würden. Doch im Gegenteil: Die Rahmenbedingungen für die grüne Gentechnik hätten sich in Europa sogar noch verschlechtert, sagt Marcinowski. Nicht nur die Verbraucher lehnten sie mehrheitlich ab, auch Landwirte und Politik seien dagegen. Im vergangenen Jahr hatten Protestierer erstmals nicht nur Pflanzen auf Feldern zerstört, sondern auch Gewalt gegen das Bewachungs-Personal angewandt. Obwohl die Amflora also endlich über die begehrte Zulassung verfügte, wurde sie 2011 auf gerade mal zwei Hektar angebaut. Weder bei Landwirten noch in der Industrie gab es Bedarf nach ihr. Das Bundesverfassungsgericht hatte die grüne Gentechnik 2010 sogar als Hochrisikotechnologie eingestuft.

Bei BASF glaubt man allerdings nach wie vor an die Zukunft der grünen Gentechnik. Man sei weiterhin überzeugt, dass sie "eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist", erklärt Marcinowski. "Wir werden uns deshalb auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren." Dort allerdings setzt der Konzern dann nicht mehr auf Stärkekartoffeln, sondern auf die Projekte, "die sich mit Ertragssteigerung und Stresstoleranz beschäftigen", also beispielsweise auf Mais, der auch bei Dürre gedeiht. Die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet waren, werde gestoppt.

Es mache keinen Sinn, die Genkartoffel-Projekte in Nord- und Südamerika oder in Asien neu zu starten, denn nur in Europa sei es verbreitet, Stärke auf Basis von Kartoffeln zu gewinnen. In anderen Märkten werde Stärke beispielsweise eher auf Basis von Mais gewonnen. Für die Entwicklung der Stärke-Kartoffeln hatte BASF einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" ausgegeben. Lediglich die bereits laufenden Zulassungsprozesse will BASF in Europa weiterführen - für den Fall, dass sich die Rahmenbedingungen in einigen Jahren bessern sollten. Greenpeace begrüßte den Abzug aus Deutschland.

"Der Schritt ist nur konsequent", erklärt Gentechnik-Experte Dirk Zimmermann. Anders als BASF glaubt er allerdings auch nicht an die Zukunft dieser Technologie in anderen Teilen der Welt. "Die biologischen Grundlagen von Pflanzen sind viel zu komplex, als dass die Gentechnik der modernen Züchtung auf Dauer überlegen wäre", sagt er und weist vor allem auf die Gefahr der Bildung von Resistenzen hin. "Nachhaltige Landwirtschaft ist mit Gentechnik nicht möglich."