Bankkonto Konto wechseln ist jetzt leicht - aber keiner macht's

Eine Frau mit Rennrad zieht sich an einem Münchner Automaten Geld.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Dank eines neuen Gesetzes können Verbraucher seit einem Jahr deutlich leichter ihre Bank wechseln als zuvor.
  • Jetzt zeigt eine Umfrage: Trotz der Vereinfachungen bleiben die meisten ihrer Stammbank treu - und das, obwohl sie dort häufig mehr zahlen.
  • Einer der Gründe: Sie vertrauen ihrer eigenen Bank mehr als der Branche an sich.
Von Felicitas Wilke

Viele Bankkunden in Deutschland zahlen für ihr Girokonto heute mehr als noch vor wenigen Jahren, doch die meisten bleiben ihrem Anbieter treu - trotz eines Gesetzes, das es leichter macht, von einer zur anderen Bank umzuziehen. Eine repräsentative Umfrage des "Marktwächters Finanzen" der Verbraucherzentrale zeigt, dass im vergangenen Jahr nur zwei Prozent der Befragten ihr Konto gewechselt haben. Das dürfte auch daran liegen, dass viele von der neuen Regelung gar nichts wissen.

Vor einem Jahr trat das Zahlungskontengesetz in Kraft, das unter anderem eine Kontenwechselhilfe umfasst. Für Verbraucher ist es seitdem einfacher, die Bank zu wechseln, weil sie ihren Arbeitgeber, Energieversorger oder andere regelmäßige Zahlungspartner nicht mehr selbst über die neue Bankverbindung zu informieren brauchen. Das müssen jetzt die bisherige und die neue Bank erledigen, sofern der Kunde sie dazu ermächtigt. Zieht sich der Vorgang über mehr als zwölf Tage hin, haften die Institute. Zwar hatten einige Banken auch schon vorher einen freiwilligen Wechselservice für Neukunden angeboten, doch auf der sicheren Seite sind Verbraucher erst seit einem Jahr.

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Indem der Gesetzgeber den Umzug erleichtert hat, wollte er auch den Wettbewerb zwischen den Banken ankurbeln. Im Zuge der Niedrigzinspolitik haben viele Geldhäuser ihre Gebühren fürs Girokonto angehoben; einige verlangen heute gut 60 Euro pro Jahr - beleghafte Überweisungen, die Kreditkarte oder andere Zusatzleistungen kommen oft noch obendrauf. Würden die Verbraucher vermehrt ihre Bank wechseln, sobald der Preis steigt, könnten sie Druck auf die Institute ausüben. Aber: "Dieser Anspruch geht an der Wirklichkeit vorbei", sagt Kerstin Schultz, die Teamleiterin der "Marktwächter Finanzen" bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Fast niemand wechselt - warum?

72 Prozent der Befragten in der Studie geben an, trotz Preiserhöhungen mit ihrer Bank zufrieden zu sein und ihr deshalb die Treue zu halten. Auch Befragungen des Bankenverbands haben immer wieder gezeigt, dass viele Menschen ihrer eigenen Bank sehr viel mehr vertrauen als der Branche an sich. Der Zufriedenheitswert ist zuletzt gesunken - doch noch hoch genug, um zu erklären, wieso die Menschen nicht in Scharen wechseln. Ein weiterer Grund: "Knapp drei Viertel aller Befragten legen Wert auf ein großes Filial- und Automatennetz und persönliche Betreuung", sagt Schultz. Das bieten vor allem Sparkassen, Genossenschafts- oder Privatbanken an, deren Kontomodelle meist teurer als die der Direktbanken sind.

Die Deutsche Kreditwirtschaft gibt als Sprachrohr der Banken und Sparkassen an, die Vorgaben zur gesetzlichen Kontenwechselhilfe "selbstverständlich" zu beachten. Auch die "Marktwächter"-Umfrage zeigt, dass nur in einzelnen Fällen Probleme beim Wechsel des Girokontos auftraten. Dass man vergleichsweise schnell und reibungslos den Anbieter wechseln kann, ist vielen Verbrauchern nicht klar: Nur 22 Prozent der Befragten wissen, was die gesetzliche Kontenwechselhilfe für sie bedeutet. Die Mehrheit von 61 Prozent hat noch nie davon gehört, die anderen kennen zwar den Begriff, wissen aber nicht, was sich genau dahinter verbirgt.

"Es dauert oft, bis ein solches Gesetz zu den Menschen durchdringt", sagt Verbraucherschützerin Schultz. Doch die Studie legt nahe, dass die weniger zufriedenen, wechselbereiten Kunden auch dann vor Problemen stünden, wenn sie es nutzen würden: In der Befragung geben nur 34 Prozent an, die Preismodelle der Anbieter für gut vergleichbar zu halten. "Das liegt sicher auch daran, dass viele Banken auf ihrer Website kein Preis- und Leistungsverzeichnis mehr veröffentlichen", sagt Schultz. Bevor sie lange vergleichen, behalten die meisten Kunden ihr Konto. Gerade die Banken mit teuren Preismodellen können sich darüber freuen.

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