Die Londoner Regierung will die Bonuszahlungen für Banker begrenzen. Doch die verzichten nur ungern auf ihre dicken Gehälter - und wandern deshalb nach Asien ab.
Großbritanniens Premierminister Gordon Brown hat mit seinem ehrgeizigen Plan zur Rettung der Banken europaweit für Aufsehen gesorgt. Das 500 Milliarden Pfund (630 Milliarden Euro) schwere Paket sieht eine Teilverstaatlichung von strauchelnden Geldhäusern vor.
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Ein Mekka für Banker: Die Vereinigten Arabischen Emirate (© Foto: ddp)
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Doch die Forderung des Labour-Politikers, die exorbitant hohen Managergehälter zu kappen, stößt im Londoner Finanzviertel auf Widerstand. Offenbar hat der Premier ein voreiliges Versprechen gegeben, das er so nicht halten kann. Auch in der Bundesregierung gibt es Überlegungen, Gehälter von Bankmanagern künftig stärker zu kontrollieren.
Der Chef der britischen Finanzaufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA), Hector Sants, hat jetzt in einem Brief an Bankenvertreter gefordert, dass Bonuszahlungen künftig mit einem lückenlosen Risikomanagement in Einklang stehen müssten. Nur: Bislang hat die FSA kein ausgearbeitetes Konzept. Man arbeite seit September an verschiedenen Ideen, heißt es. Es sei schwierig, die Banken zu bestimmten Höchstbeträgen bei Gehältern und Boni zu zwingen.
Dabei stellt sich auch das Problem, dass hochqualifizierte Banker nach Asien abwandern, wo ohnehin höhere Prämien gezahlt werden. Als neue Goldgrube für Banker gelten auch die Finanzzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die wegen ihrer Öleinnahmen geradezu in Geld schwimmen. "Die Leute ziehen einfach nach Dubai, Shanghai oder Mumbai um, wenn es da mehr Geld gibt", sagt ein Mitarbeiter einer britischen Großbank. Europas größter Finanzplatz London werde wertvolles Know-how verlieren, wenn es keine Anreize mehr gebe, warnen Experten.
60 Prozent weniger Bonuszahlungen
Für die Labour-Regierung aber ist die Eindämmung der "Bonus-Orgien" ein zentrales Element ihres Banken-Rettungsplans. Erstens ist es dem britischen Steuerzahler kaum verständlich zu machen, dass Banken weiterhin Prämien in Millionenhöhe an ihre Mitarbeiter auszahlen, wenn die Institute zugleich staatliche Hilfen beziehen. Zweitens geht es für Labour um die Eindämmung der Bonus-Kultur, die mittlerweile sogar als eines der treibenden Momente der Finanzkrise gilt. So verleiten hohe Bonuszahlungen Banker und Broker geradezu zu hochriskanten Spekulationsgeschäften.
Nach Schätzung des Londoner Wirtschaftsforschungsinstituts Centre for Economics and Business Research (CEBR) wird sich die Summe der Bonuszahlungen im Londoner Finanzviertel in diesem Jahr auf etwa 3,6 Milliarden Pfund belaufen. Das sind 60 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Allerdings haben viele britische Großbanken im Laufe des Jahres sogar 90 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. So erscheint die Summe von 3,6 Milliarden Pfund aus Sicht von Kritikern noch immer zu hoch.
Gewöhnlich beläuft sich das Grundgehalt im mittleren Londoner Bankenmanagement "nur" auf etwa 100.000 Pfund pro Jahr. Dies stockt der Arbeitgeber aber erheblich auf durch die heißbegehrten Bonuszahlungen im Dezember eines jeden Jahres. Für 2007 erhielten etwa 4000 Bankbeschäftigte eine Prämie von jeweils mehr als eine Million Pfund. Kein Zufall, dass in dieser Jahreszeit bei Porsche- und Ferrari-Händlern Weihnachtsstimmung herrschte.
Zu den wahren Großverdienern gehörten aber die Bankvorstände. So erhielt der für Barclays' Investmentsparte zuständige Topmanager Bob Diamond eine Prämie von 21 Millionen Pfund einschließlich Aktienoptionen. Sein Grundgehalt war mit 250000 Pfund pro Jahr relativ bescheiden.
Das Risiko trug die Bank
Das Problem aus Sicht der Kritiker ist, dass sich Prämienzahlungen meistens an kurzfristigen Zielen orientieren, etwa am Umsatz im Wertpapierhandel. Verluste werden dagegen kaum negativ sanktioniert, wenn man von der möglichen Entlassung eines Bankers wegen Unfähigkeit absieht. Das wirtschaftliche Risiko trägt letztlich der Arbeitgeber. Dieses asymmetrische System extrem hoher Belohnungen bei zugleich geringem eigenen Einsatz führt zu einer Zockermentalität in den Wertpapierabteilungen.
Die FSA arbeitet nun an einer Vergütungsreform, die die Auszahlung von Prämien an den längerfristigen Erfolg eines Managers koppelt. Dabei muss er seine "Performance" nicht nur über ein Jahr, sondern über zwei oder gar drei Jahre beweisen. Hierfür soll ein Kreditinstitut Rücklagen in der Bilanz bilden, die von der FSA überwacht werden. Die Reform muss auch in ein System zur besseren Überwachung von Risiken eingebettet werden.
Dabei geht es ans Eingemachte: Die Banken müssen viel detaillierter ihre Geschäftsprinzipien offenlegen, die bisher als streng geheim galten. Hinzu kommt: Solange es keine international gültigen Kriterien für Bonuszahlungen gibt, könnte eine nationale Reform zum Papiertiger werden. Zumindest muss sich die EU auf verbindliche Standards einigen, heißt es in der Londoner City.
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(SZ vom 17.10.2008/ld/hgn)
Demonstrationen in Hamburg
Zocker können wir hier auch gerne verzichten. Und wirkliche Experten, die diesen ganzen Zirkus tatsächlich durchschauen, sind ja wohl eine kleine Minderheit. Was also tun. Die Kette fängt, wie immer, ganz unten bei uns selbst an. Wer also sein Erspartes zur Bank trägt, um es dort anzulegen, sollte sich genau beschreiben lassen, in welchen Feldern die Bank mit diesem Geld zu arbeiten gedenkt. Dazu sind allerdings Rahmenbedingungen festzulegen, die verständlich und überschaubar sind. Es ist ja jedem unbenommen, sich am Casino der Finanzmärkte zu beteiligen, wenn er es denn will. Es muss halt nur vorher eindeutig gesagt werden, welche Risiken er dabei eingeht, inklusive Totalverlust etc. Dann habe ich die freie Entscheidung, ob ich mich auf der sichern Seite bei 4,5 % Zins zufrieden gebe, oder lieber 7 % oder mehr haben möchte, allerdings mit der Aussicht auf schlechten Schlaf. Für diese Anlagen darf es aber keine staatliche Rückversicherung geben, mögen die Betroffenen auch noch so laut jammern, wenn die Bank in Konkurs geht.
Ob die Banker in den Emiraten glücklich werden, ziehe ich allerdings heftig in Zweifel. Ohne Alkohol und Drogen ist dieser Beruf doch gar nicht auszuhalten.
Zitat von Sovereign80:
"Ich dachte immer, daß die Zivilisation mit der Sesshaftigkeit im Zusammenhang steht...."
Quod erat demonstrandum *gg
Wenn die Jun_ks gehen, dann hat die Zivilisation vielleicht noch eine Chance.
Zitat: "Als neue Goldgrube für Banker gelten auch die Finanzzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die wegen ihrer Öleinnahmen geradezu in Geld schwimmen."
Ich habe lange Jahre in dieser Region gearbeitet. Bei Erfolglosigkeit haben diese Herrschaften ihre eigenen Methoden. Würde mich nicht wundern, wenn der eine oder andere, der dann auch noch tief in die Tasche seiner Geldgeber greift, am nächsten Tag im Fluß treib, Gesicht nach unten.
Ich dachte immer, daß die Zivilisation mit der Sesshaftigkeit im Zusammenhang steht...muss mich da wohl geirrt haben.
die Hunde bellen.
Das Gejaule derer ist groß, die ihre eigene Ohnmacht und Unfähigkeit erkennen. Bei den einen als auch bei den anderen.
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