Von Andreas Oldag

Die Londoner Regierung will die Bonuszahlungen für Banker begrenzen. Doch die verzichten nur ungern auf ihre dicken Gehälter - und wandern deshalb nach Asien ab.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown hat mit seinem ehrgeizigen Plan zur Rettung der Banken europaweit für Aufsehen gesorgt. Das 500 Milliarden Pfund (630 Milliarden Euro) schwere Paket sieht eine Teilverstaatlichung von strauchelnden Geldhäusern vor.

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Ein Mekka für Banker: Die Vereinigten Arabischen Emirate (© Foto: ddp)

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Doch die Forderung des Labour-Politikers, die exorbitant hohen Managergehälter zu kappen, stößt im Londoner Finanzviertel auf Widerstand. Offenbar hat der Premier ein voreiliges Versprechen gegeben, das er so nicht halten kann. Auch in der Bundesregierung gibt es Überlegungen, Gehälter von Bankmanagern künftig stärker zu kontrollieren.

Der Chef der britischen Finanzaufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA), Hector Sants, hat jetzt in einem Brief an Bankenvertreter gefordert, dass Bonuszahlungen künftig mit einem lückenlosen Risikomanagement in Einklang stehen müssten. Nur: Bislang hat die FSA kein ausgearbeitetes Konzept. Man arbeite seit September an verschiedenen Ideen, heißt es. Es sei schwierig, die Banken zu bestimmten Höchstbeträgen bei Gehältern und Boni zu zwingen.

Dabei stellt sich auch das Problem, dass hochqualifizierte Banker nach Asien abwandern, wo ohnehin höhere Prämien gezahlt werden. Als neue Goldgrube für Banker gelten auch die Finanzzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die wegen ihrer Öleinnahmen geradezu in Geld schwimmen. "Die Leute ziehen einfach nach Dubai, Shanghai oder Mumbai um, wenn es da mehr Geld gibt", sagt ein Mitarbeiter einer britischen Großbank. Europas größter Finanzplatz London werde wertvolles Know-how verlieren, wenn es keine Anreize mehr gebe, warnen Experten.

60 Prozent weniger Bonuszahlungen

Für die Labour-Regierung aber ist die Eindämmung der "Bonus-Orgien" ein zentrales Element ihres Banken-Rettungsplans. Erstens ist es dem britischen Steuerzahler kaum verständlich zu machen, dass Banken weiterhin Prämien in Millionenhöhe an ihre Mitarbeiter auszahlen, wenn die Institute zugleich staatliche Hilfen beziehen. Zweitens geht es für Labour um die Eindämmung der Bonus-Kultur, die mittlerweile sogar als eines der treibenden Momente der Finanzkrise gilt. So verleiten hohe Bonuszahlungen Banker und Broker geradezu zu hochriskanten Spekulationsgeschäften.

Nach Schätzung des Londoner Wirtschaftsforschungsinstituts Centre for Economics and Business Research (CEBR) wird sich die Summe der Bonuszahlungen im Londoner Finanzviertel in diesem Jahr auf etwa 3,6 Milliarden Pfund belaufen. Das sind 60 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Allerdings haben viele britische Großbanken im Laufe des Jahres sogar 90 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. So erscheint die Summe von 3,6 Milliarden Pfund aus Sicht von Kritikern noch immer zu hoch.

Gewöhnlich beläuft sich das Grundgehalt im mittleren Londoner Bankenmanagement "nur" auf etwa 100.000 Pfund pro Jahr. Dies stockt der Arbeitgeber aber erheblich auf durch die heißbegehrten Bonuszahlungen im Dezember eines jeden Jahres. Für 2007 erhielten etwa 4000 Bankbeschäftigte eine Prämie von jeweils mehr als eine Million Pfund. Kein Zufall, dass in dieser Jahreszeit bei Porsche- und Ferrari-Händlern Weihnachtsstimmung herrschte.

Zu den wahren Großverdienern gehörten aber die Bankvorstände. So erhielt der für Barclays' Investmentsparte zuständige Topmanager Bob Diamond eine Prämie von 21 Millionen Pfund einschließlich Aktienoptionen. Sein Grundgehalt war mit 250000 Pfund pro Jahr relativ bescheiden.

Das Risiko trug die Bank

Das Problem aus Sicht der Kritiker ist, dass sich Prämienzahlungen meistens an kurzfristigen Zielen orientieren, etwa am Umsatz im Wertpapierhandel. Verluste werden dagegen kaum negativ sanktioniert, wenn man von der möglichen Entlassung eines Bankers wegen Unfähigkeit absieht. Das wirtschaftliche Risiko trägt letztlich der Arbeitgeber. Dieses asymmetrische System extrem hoher Belohnungen bei zugleich geringem eigenen Einsatz führt zu einer Zockermentalität in den Wertpapierabteilungen.

Die FSA arbeitet nun an einer Vergütungsreform, die die Auszahlung von Prämien an den längerfristigen Erfolg eines Managers koppelt. Dabei muss er seine "Performance" nicht nur über ein Jahr, sondern über zwei oder gar drei Jahre beweisen. Hierfür soll ein Kreditinstitut Rücklagen in der Bilanz bilden, die von der FSA überwacht werden. Die Reform muss auch in ein System zur besseren Überwachung von Risiken eingebettet werden.

Dabei geht es ans Eingemachte: Die Banken müssen viel detaillierter ihre Geschäftsprinzipien offenlegen, die bisher als streng geheim galten. Hinzu kommt: Solange es keine international gültigen Kriterien für Bonuszahlungen gibt, könnte eine nationale Reform zum Papiertiger werden. Zumindest muss sich die EU auf verbindliche Standards einigen, heißt es in der Londoner City.

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(SZ vom 17.10.2008/ld/hgn)