Banker kassieren wieder hohe Boni Die Gier kehrt zurück

Risiko-Banker werden wieder fürstlich entlohnt, als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Die Rückkehr der Gier zeigt, dass sich Politiker endlich daran wagen sollten, Obergrenzen für Gehälter festzulegen. Die besondere Gefährdung des Steuerzahlers rechtfertigt das. Und es gibt durchaus Ideen, wie das gehen kann.

Ein Kommentar von Alexander Hagelüken

So würden andere Menschen auch gerne Steuern sparen: Die britische Großbank Barclays überweist für ihren Chef Bob Diamond sieben Millionen Euro ans Finanzamt, weil sein Gehalt von 20 Millionen Euro offenbar zu karg ist, um seine Steuerschulden selbst zu begleichen. Dahinter verbirgt sich ein Trend: Banker kassieren wieder - weltweit.

Nachdem die Steuerzahler in der Finanzkrise viele Geldhäuser auffingen, hielten sich die Manager eine Weile zurück. Politiker verlangten, dass Boni erst mit Verzögerung fließen. Nun soll "die Zeit der Entschuldigungen vorbei sein", wie Mister Diamond erklärt.

Welche Zeit jetzt anbricht, sagt er nicht. Für viele Bürger wirkt es wie: die Rückkehr der Gier.

Jener Gier, die den Bankern traumhafte Gewinne schenkte und der Welt die größte Wirtschaftskrise seit 1945. Nun wird wieder diskutiert, ob Topmanager verdienen, was sie kassieren. Selbst Aktionäre begehren auf: Bei der US-Bank Citigroup kritisieren sie das riesige Chefgehalt, weil die Aktie dümpelt und keine Dividende fließt. Der Citigroup-Boss wollte eine zahlen, doch das verbot die Aufsicht, da das Geldhaus sonst zu wenig Eigenkapital hätte - eine Vorsichtsmaßnahme. 2009 musste die Bank mit 45 Milliarden Dollar vom Staat gestützt werden.

Liberale irren, wenn sie den Aktionärsprotest als Beispiel dafür werten, dass der Markt das Problem übertriebener Gehälter selbst regeln würde. Die Aktionäre schimpfen nur, stoppen können sie den Megalohn nicht. Falsch ist auch das liberale Dogma, was der Chef kassiert, gehe nur die Firma etwas an. Weltweit haben Steuerzahler Banken gerettet.

Allein in Europa stellten sie seit der Krise dafür über 1,6 Billionen Euro bereit - weit mehr, als für die Rettung von Griechenland und Co. vorgesehen ist. Die Gesellschaft hat ein Recht, bei den Gehältern mitzureden, denn Verdienst und Pleiteanfälligkeit hängen zusammen.

Banker bekommen umso mehr, je mehr Erfolg sie kurzfristig produzieren. Dies gilt noch immer. Um den Erfolg und ihr Gehalt zu maximieren, gehen Banker Risiken ein, doch wenn sie scheitern, haften andere. Der Staat bewahrt die Kreditinstitute vor der Pleite, weil große Banken sonst das ganze Finanzsystem sprengen würden. Diese Gefahr nimmt eher zu: Die fünf Top-US-Banken sind im Verhältnis zur gesamten Volkswirtschaft größer als vor der Krise - too fat to fail. Das ist Grund genug, die Risiken und damit die Gehälter zu begrenzen.

Klassischer Einwand gegen Gehältergrenzen stimmt nur zum Teil

Die Rückkehr der Gier zeigt, dass die Regierungen noch stärker eingreifen sollten. Banker dürfen die Prämien für ihren Erfolg erst bekommen, wenn sie bewiesen haben, dass die Risiken ihrer Geschäfte beherrschbar waren. Die Politiker sollten sich auch daran wagen, Obergrenzen für Gehälter festzulegen. In einer Marktwirtschaft provoziert so etwas einen Aufschrei, und es ist kompliziert. Das fängt mit der Frage an, wer die Höhe bestimmen soll. Die besondere Gefährdung des Steuerzahlers, die von Banken ausgeht, rechtfertigt aber eine solche Übung.

Es gibt durchaus Ideen: EU-Kommissar Michel Barnier überlegt, ein festes Verhältnis zwischen dem höchsten und niedrigsten Gehalt einer Bank festzuschreiben. Der oberste Boss müsste sich auf einmal dafür interessieren, was die Dame verdient, die sein überdimensioniertes Büro wischt. Was wer verdient, entscheidet auch über den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Hier läuft vieles schief: 1965 verdiente ein US-Vorstandschef das 24-fache eines Durchschnittsarbeiters, heute ist es das 325-fache.

Viele Normalverdiener haben das Gefühl, dass es ungerecht zugeht. Und der klassische Einwand gegen Gehältergrenzen, Banken bekämen dann kein gutes Personal? Das stimmt nur zum Teil. Martin Blessing saniert seit der staatlichen Rettung die Commerzbank - für eine halbe Million im Jahr, ein Bruchteil dessen, was die Testosteron-Banker einstecken.