Banken Lieber wieder jeder für sich

Gemeinsam wollten Deutsche Bank und Commerzbank sowie zwei Landesbanken eine Plattform für die sensiblen Daten ihrer Firmenkunden aufbauen. Doch dieses Projekt scheint gescheitert zu sein. Die Gründe dafür bleiben unklar.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

In Fachkreisen galt es als eines der interessantesten Geheimprojekte deutscher Großbanken - noch dazu war es eines, für das ausnahmsweise sowohl Privatbanken als auch staatliche Kreditinstitute ihre Kräfte gebündelt hätten. Gemeinsam wollten Deutsche Bank und Commerzbank sowie die Landesbanken von Hessen-Thüringen und Baden-Württemberg (Helaba und LBBW) eine Plattform für die sensiblen Daten ihrer Firmenkunden auf die Beine stellen.

Doch inzwischen scheint das Vorhaben gestorben zu sein. Finanzkreisen zufolge haben sich Deutsche Bank und LBBW bereits nach wenigen Monaten aus dem Projekt zurückgezogen. Die einen waren offenbar unzufrieden mit dem Projektmanagement, die anderen hatten, wie es hieß, "andere Prioritäten". Auch Helaba und Commerzbank verfolgen das Projekt, das anfangs alle Geldhäuser für eine "spannende Sache" hielten, "nur noch vom Rand aus". Offiziell wollte sich keiner der Beteiligten dazu äußern.

Was genau die Gründe für das wahrscheinliche Scheitern sind, bleibt unklar. Fest jedoch steht: Es wäre nicht das erste Gemeinschaftsprojekt dieser Art, das in schweres Fahrwasser gerät. Es wirft aber auch die Frage auf, warum sich deutsche Unternehmen oft so schwer tun mit Kooperationen. Und das, obwohl Gemeinschaftsunternehmen als ein durchaus cleverer Weg gelten, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können - viel eher noch als mithilfe von komplizierten Fusionen und Übernahmen.

Ein weiteres Beispiel ist Verimi: Die Datenallianz mehrerer Dax-Konzerne verlor vor Kurzem ihre Geschäftsführerin. Verimi soll ein universeller Log-in für alle wichtigen Webseiten sein und Facebook oder Google Konkurrenz machen. Kaum aber ging es in die entscheidende Phase, hoben mehrere beteiligte Unternehmen die Hand und wollten stärker mitreden, pochten auf Gleichberechtigung. Ein ähnlicher Fall ist Paydirekt, das Online-Bezahlsystem der deutschen Banken. Weil sich die Geldhäuser lange nicht einig waren, startete das Projekt viel zu spät und hat nun große Probleme, Marktanteile zu erkämpfen.

Eine Plattform für Kundendaten, wie jene der vier Großbanken, hätte wiederum geholfen, Kosten zu sparen - mit dem für Mittelständer angenehmen Nebeneffekt, dass diese ihre Daten nur noch einmal abgeben müssten. Akribisch müssen Banken erfassen, wer ihr Kreditnehmer ist. "Know your Customer" nennt man dies, auf Deutsch "Kenne deinen Kunden". Die Anforderungen an diese Prüfungen sind gestiegen, schließlich geht es darum, Geldwäsche zu verhindern. Ganz gestorben ist die Sache aber womöglich noch nicht. Aus Bankenkreisen hieß es, man erwäge nun, Swift, die Organisation für Geldtransfer, dafür zu gewinnen. Der Vorteil: Swift sammelt ohnehin alle Daten und gehört bereits den Banken.