Banken Gut und schlecht

UBS-Chef Sergio Ermotti präsentierte am Dienstag die besten Zahlen der vergangenen fünf Jahre: einen Gewinn von 5,57 Milliarden Euro.

(Foto: Ennio Leanza/dpa)

Die UBS macht Rekordgewinne, die Deutsche Bank Rekordverluste - wie kann das sein? In der Schweiz leitete Verwaltungsratchef Axel Weber eine radikale Wende ein. Unter den Niedrigzinsen leiden beide Institute.

Von Meike Schreiber, Charlotte Theile und Andrea Rexer, Zürich, Frankfurt

Immerhin eines haben die beiden europäischen Großbanken - die UBS in Zürich und die Deutsche Bank in Frankfurt - in diesen Tagen noch gemeinsam: Beide legten sie für 2016 eine Art Rekordergebnis vor: Während UBS-Chef Sergio Ermotti am Dienstag mit einem Gewinn von 5,57 Milliarden Euro die besten Zahlen der vergangenen fünf Jahre präsentierte, war es bei der Deutschen Bank indes ein Rekordverlust, nicht nur mit Blick auf die vergangenen Jahre, sondern in der gesamten 145-jährigen Geschichte des Geldhauses. Auf fast 6,8 Milliarden Euro summierte sich das Minus, das der neue Vorstandschef John Cryan in der vergangenen Woche vorlegen musste.

Wie konnte es soweit kommen? Sicher, auch der Deutsche-Bank-Konkurrent UBS kämpft mit den Niedrigzinsen und der Regulierung, außerdem profitierte die Bank nicht unerheblich von Sondereffekten. Und doch denken bei der Frage nicht wenige in Frankfurt an jene Tage im Juli 2011: Damals kehrte der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber Frankfurt den Rücken und gab bekannt, als Verwaltungsratspräsident zur Schweizer Großbank UBS zu gehen. Vor allem bei der Deutschen Bank sorgte das für Aufsehen, galt Weber doch als Favorit für die Nachfolge des damaligen Vorstandschefs Josef Ackermann.

Doch in der Zwischenzeit hatte sich abgezeichnet, dass die Vorstandskollegen der Deutschen Bank Weber bekämpfen würden. Erst nach Wochen öffentlicher Grabenkämpfe fiel die Wahl auf Anshu Jain, den Leiter des Investmentbankings, flankiert von Co-Chef Jürgen Fitschen. Im Mai 2012 begann die Amtszeit der Doppelspitze. Wie sie endete, ist bekannt: Jain musste sein Amt aufgeben, nur drei Jahre später, nach vielen Milliarden an Strafen für dubiose Geschäfte im Investmentbanking und ausbleibenden Gewinnen. Auch Fitschen wird im Mai in den Ruhestand gehen. Beide dachten lange, sie könnten so weitermachen wie bisher, hielten am umfangreichen Investmentbanking fest, hofften, dass die Vorkrisenzeit zurückkehrt.

Bei der Aufarbeitung der Handelsskandale ging die UBS radikaler und geschickter vor

Dass die UBS heute so viel besser dasteht, liegt wohl auch daran, dass Weber eine strategischen Wende einleitete, als er 2012 kam. Er ist dort als Verwaltungsratspräsident zwar oberster Kontrolleur, hat als solcher aber mehr zu sagen als ein deutscher Aufsichtsratsvorsitzender. Die UBS zog sich damals aus großen Teilen des Investmentbankings zurück, etwa dem Anleihenhandel und baute ihre Derivatepositionen ab. Dafür stützte er sich stärker auf das zweite große Standbein der UBS, die Vermögensverwaltung. Und genau das versuchten die Chefs der Deutschen Bank zumindest ein wenig zu imitieren - sie schufen eine neue Sparte Vermögensverwaltung, die seither zwar große Erfolge zeigt. Doch die historisch gewachsene Stärke der UBS in diesem Bereich können sie freilich kaum aufholen. Anders als die UBS ist die Deutsche Bank aus ihrer Historie heraus eine Firmenkundenbank. Doch den entscheidenden Unterschied machte der Umgang mit den Altlasten aus der Finanzkrise und deren Folgen - die Regulierung. Hier hatte Weber einen großen Vorteil. Als Ex-Chef der Bundesbank wusste er, wie die Regulierer ticken und hatte sich früh darauf eingestellt. Auch bei der Aufarbeitung der Handelsskandale ging die UBS radikaler und geschickter vor, obwohl sie selbst nicht weniger im Zentrum der Manipulationen stand als die Kollegen in Frankfurt.

Ausruhen können sich Ermotti und Weber nun freilich trotzdem nicht auf ihren Erfolgen. Denn bei genauerem Hinsehen zeigen die Ergebnisse der Großbank ihre Schwächen. Deswegen stürzte die Aktie auch nach der Bekanntgabe der Zahlen ab. Im Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, kämpft die Bank mit Mittelabflüssen. Und auch im Investmentbanking gingen die Erträge zurück. Außerdem kam das gute Jahres-Ergebnis vor allem durch Sondereffekte zustande. Hohe Steuergutschriften, ein höheres Ergebnis aus dem Corporate Center, also der Verwaltung der Bank, verzerrten die Zahlen. Das Kernproblem der Bank ist eine Größe auf die sie keinen Einfluss hat: die Negativzinsen, mit denen die Schweizerische Nationalbank auf den starken Franken reagiert hat.

Für 2016 sieht die Lage nicht viel besser aus: Der starke Franken, die Negativzinsen und die hohen Schwankungen an den Kapitalmärkten werden die Großbank auch im laufenden Jahr begleiten. Dennoch wolle man an der bisherigen Strategie festhalten und sich auf die Vermögensverwaltung konzentrieren, heißt es in Zürich.

Unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen ist klar, wer der Liebling der Finanzmärkte ist: Die UBS ist deutlich höher bewertet, während die Deutsche Bank mit großem Abschlag gehandelt wird. Und die Schweizer tun auch alles, damit das so bleibt: Während die Aktionäre der Deutschen Bank auf die Dividende verzichten müssen, legen die Schweizer sogar eins drauf und zahlen dieses Jahr 0,85 Franken pro Aktie.