Von Michael Kuntz

Die Autohersteller finanzieren zwei Drittel aller Neuwagen über ihre Banken. In der Kreditkrise schielen sie nun auf das Rettungspaket des Staates. Bekennen tun sie sich dazu aber noch nicht.

Eigentlich war der staatliche Rettungsschirm für die Kreditwirtschaft und nicht für die Autoindustrie gedacht. Doch fast alle Autokonzerne besitzen Banken und sind damit auch Privatbankiers.

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Beim Gebrauchtwagenhändler: Die Absatzzuwächse der vergangenen Jahre wären ohne die Finanzierungen der Autobanken nicht denkbar gewesen. (© Foto: AP)

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Sie prüfen nun, wie weit sie von den Segnungen des Staates profitieren können. Am weitesten wagte sich bisher BMW aus der Deckung: Man dürfe Vorteile von Wettbewerbern durch Hilfspakete nicht einfach hinnehmen und müsse, falls die Konkurrenten es tun, ebenfalls unter den Schirm schlüpfen. Das sei man schon seinen Aktionären schuldig, teilte das Unternehmen mit.

Bei BMW legt man großen Wert darauf, dass es nicht um eine Stützung der konzerneigenen BMW Bank gehen würde. Deren haftendes Eigenkapital sei ausreichend. "Unsere BMW Bank hat ja überhaupt kein Problem", sagt ein Sprecher des Konzerns.

Es geht um hohe Beträge

Von Interesse für BMW könnte es allerdings sein, wenn der Staat für Anleihen des Unternehmens als Gewährsträger auftreten würde. Staatsgarantien würden sich auf BMW-Anleihen genauso auswirken wie ein besseres Konzernrating: Die Refinanzierung würde billiger. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für die USA. Dort prüft BMW ebenfalls, wie weit das staatliche Konjunkturprogramm genutzt werden kann. "Wir wollen Wettbewerbsnachteile vermeiden", sagte BMW-Vorstand Friedrich Eichiner während einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.

Dabei geht es um hohe Beträge. BMW hatte Ende September Finanzschulden von 53,1 Milliarden Euro. Ein nicht unwesentlicher Teil davon ist kurzfristiger Natur.

Die Darlehen müssen also innerhalb von zwölf Monaten getilgt oder aber verlängert werden - etwa durch Anleihen an den Kapitalmärkten. Die höheren Kosten der Refinanzierung schlugen bei BMW bereits zu Buche. Im Geschäft mit Finanzdienstleistungen machte der Konzern im dritten Quartal vor Steuern 17Millionen Euro Verlust - vor einem Jahr waren es noch 191 Millionen Euro Gewinn.

Ohne Autos gibt es keine Autobanken

Der Bereich Finanzdienstleistungen musste sich allein in diesem Quartal mit 232 Millionen Euro an der Risikovorsorge des Konzerns für Kreditausfälle und Restwertrisiken beteiligen. Der Konzern verbuchte dafür insgesamt 342Millionen Euro; für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres waren es damit etwas mehr als eine Milliarde Euro.

Diese Aufteilung der Risikovorsorge innerhalb von BMW ist allerdings eher feinsinniger Art. Denn tatsächlich sind das Industriegeschäft mit den Autos und die Finanzdienstleistungen nicht voneinander zu trennen.

Ohne Autos gibt es keine Autobanken, und ohne Autobanken würden viel weniger Autos verkauft werden. Bei BMW brachte der Finanzbereich 2007 zudem ein Fünftel des Konzerngewinns. Nach Schätzungen des unabhängigen Anbieters Leasetrend werden zwei Drittel aller neuen Autos finanziert, die Hälfte davon über Leasingverträge.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum die bislang so lukrativen Finanzdienstleistungen den Autokonzernen nun hohe Verluste bescheren könnten.

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