Angesichts einer neuen Eskalation im Bahn-Tarifkonflikt fordern Bundesverkehrsminister Tiefensee und Wirtschaftsminister Glos weitere Verhandlungen von Konzernvorstand und Lokführergewerkschaft. Die Streiks seien "Gift für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung".

Der Bund könne zwar weder Schiedsrichter sein noch sich aktiv in den Konflikt einmischen, doch wolle er auf eine "sachliche Form der Auseinandersetzung" dringen, sagte der SPD-Politiker Wolfgang Tiefensee der Leipziger Volkszeitung (Montagausgabe). "Im Moment ist man dabei, einen gigantischen volkswirtschaftlichen Verlust und schweren Imageschaden der DB AG auch im Wettbewerb mit der Straße zu produzieren. Das darf sich ein Unternehmen von dieser Bedeutung eigentlich nicht leisten", sagte Tiefensee dem Blatt.

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Im politischen Ringen innerhalb der Koalition über das praktikable Modell zur vereinbarten Teilprivatisierung der Bahn beruhigte Tiefensee seine eigene Partei. Angesichts der Debatten um Teilprivatisierungen stellte der Verkehrsminister mit Blick auf die Beschlusslage der SPD klar: "Tricksereien gibt es nicht. Am Montag in der Koalitionsrunde werden Alternativen diskutiert, und ich bin zuversichtlich: Wir werden Lösungen finden."

Der SPD-Parteitag hatte das Modell einer stimmrechtslosen Volksaktie für die Bahn-Teilprivatisierung beschlossen. Andere Modelle müssten von einem Sonderparteitag neu entschieden werden. Innerhalb der Regierung wird erwogen, unterhalb der Konzernebene, etwa durch einen Teilverkauf von Logistik-Töchtern, Investitionskapital für eine Netzmodernisierung zu erwirtschaften. Entschieden werden soll darüber am Montagabend im Koalitionsausschuss.

Tiefensse sagte: "Es wird mehr Eigenkapital für die Bahn geben, die Arbeitsplätze bei der Schiene werden gesichert, europäischer Wettbewerb ermöglicht. Und, ganz wichtig: Dem Haushalt werden keine Extra-Schulden aufgebürdet." Definitiv verhindert sei bereits, dass der Bahnkonzern insgesamt zerschlagen werde. "Bei halbwegs gutem Willen auf allen beteiligten Seiten werden wir bald die Lösung für die nächste Stufe der Bahnreform erreichen", meinte er.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) rief die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und die Deutsche Bahn zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Wir brauchen jetzt endlich eine schnelle Einigung", sagte Glos der Zeitung Bild am Sonntag laut einem Vorabbericht.

Der CSU-Politiker warnte vor den Auswirkungen weiterer Arbeitsniederlegungen. Der robuste wirtschaftliche Aufschwung sei momentan bereits durch einen hohen Ölpreis und einen starken Euro belastet. "In dieser Situation ist ein Streik, der den Güterverkehr stark behindert, Gift für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung", sagte Glos. "Ich muss daher beide Tarifparteien daran erinnern, dass sie auch gegenüber den Verbrauchern und der deutschen Wirtschaft eine hohe Verantwortung tragen."

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(AP/Reuters/lala/gdo)