Ein Kommentar von Sibylle Haas

Bahnchef Hartmut Mehdorn lässt nichts unversucht, um die kämpferischen Lokführer einzuschüchtern.

Nun will er ihrer Gewerkschaft auch noch gerichtlich verbieten lassen, über den Arbeitskampf abzustimmen. Das ist unerhört, denn Urabstimmungen gehören zur Demokratie. Überdies ist ein solches Verbot auch völlig überflüssig, weil die Gerichte bereits prüfen, ob der Streik als solcher rechtmäßig ist. Ist er dies nicht, spielt das Ergebnis der Urabstimmung ohnehin keine Rolle.

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Mehdorns Drohgebärden haben eine klare Richtung. Der Bahnchef will die Gewerkschaft der Lokführer als selbstbewussten Tarifpartner nicht im Unternehmen haben.

Das ist aus seiner Sicht sogar verständlich, denn diese Berufsgruppe sitzt an zentralen Stellen und könnte mit einem Arbeitskampf den ganzen Betrieb lahmlegen. Eine unabhängige gewerkschaftliche Vertretung würde die Position der Lokführer in Tarifgesprächen erheblich stärken. Die Lufthansa hat vor Jahren beim Streik der Piloten genau diese Erfahrung gemacht.

Doch die Forderungen nach einem eigenen Tarifvertrag sind keineswegs unanständig. Auch für die Lokführer, zumal sie mehrheitlich bei der Berufsgewerkschaft GDL organisiert sind, sollte das Koalitionsgrundrecht gelten. Ein geschütztes Monopol der Großgewerkschaften gibt es nicht.

Und die Tarifeinheit bröckelt schon seit längerem an vielen Fronten. Gewerkschaften von Piloten, Flugbegleitern, Fluglotsen und Ärzten machen den großen Arbeitnehmerorganisationen Konkurrenz. Auch bei der Bahn wird sich das Tarifkartell nicht halten lassen. Mehdorn ist deutlich mehr Diplomatie zu wünschen, damit der Tarifstreit nicht weiter eskaliert.

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(SZ vom 28.7.2007)