Wenn die Bahn Probleme hat, sind die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks zur Stelle. Pikant ist, dass die Bahn nur wenig dafür bezahlt - das THW ist öffentlich gefördert.
Anfällige ICE-Züge, Stuttgart 21 oder die Bespitzelung von Bahnmitarbeitern - selten kommt die Deutsche Bahn aus den Negativschlagzeilen. Fast vergessen schon ist das Krisenmanagement der Bahn im Sommer, als rund 50 ICE-Züge mit defekten Klimaanlagen zu kämpfen hatten.
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Bei Katastrophen hilft das Technische Hilfswerk oft. Aber auch die Deutsche Bahn nimmt die Dienste des THW in Anspruch. (© STR)
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Im Juli fielen in mehreren ICE-Zügen die Klimaanlagen aus. Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) rückten an, um Bahnkunden mit Wasser zu versorgen. Die Hilfsaktion war jedoch kein Einzelfall.
Bereits seit 1994 gibt es eine entsprechende Rahmenvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn und der Bundesrepublik, "vertreten durch den Bundesminister des Innern, dieser vertreten durch den Präsidenten der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk" geschlossen. Selbst langjährige Experten haben von der Vereinbarung, die sueddeutsche.de vorliegt, nichts mitbekommen.
Ein paar Hundert Euro reichen
Allein in diesem Jahr rief die Deutsche Bahn das THW bereits 150 Mal zur Hilfe. Im gesamten Jahr 2009 gab es hingegen nur 94 Einsätze des THW. Insgesamt kostete die Deutsche Bahn die Beauftragung des THW von März 2009 bis Dezember 2009 genau 75.805,14 Euro. Von Januar bis Ende September 2010 waren es 307.885,89 Euro.
Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius, Obfrau ihrer Fraktion im Verkehrsausschuss, sowie Anton Hofreiter und Winfried Hermann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, hervor.
Die Abgeordneten wollten mit ihrer Anfrage klären, wie die Kooperation zwischen der Bahn und dem THW ausgestaltet ist. Zudem interessierte die Parlamentarier, in welchen konkreten Situationen das THW - das jährlich rund 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt erhält - für die Bahn zum Einsatz kam.
Der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), zufolge, führte das THW für die Bahn nicht nur Bergungsarbeiten und Gleisaufräumarbeiten durch. Auf Anforderung der Bahn übernahm das THW auch neunzehn "Transportfahrten", leistete 28 Mal "allgemeine sonstige Unterstützung" und kümmerte sich drei Mal um "Trinkwasserversorgung- und verteilung".
Ob der vermehrte Einsatz des THW im Jahr 2010 mit Fällen von defekten ICE-Klimaanlagen zusammenhängt, bleibt im Dunkeln. "Eine gesicherte Aussage des THW kann hierzu nicht gegeben werden, da die genaue Auswertung der Einsatzzahlen von 2010 noch nicht vorliegt", schreibt das Verkehrsministerium in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage - ohne darauf einzugehen, welche Informationen hierzu möglicherweise bei der Deutschen Bahn vorliegen. "Zur Zeit hat die THW-Leitung Kenntnis von einer Hilfeleistung im Bahnhof Hannover Hbf. Über den Zugtyp oder die Baureihe liegen dem THW keine Informationen vor", so das Ministerium weiter. Die ICE-Panne in Hannover vom 12. Juli 2010 erwähnt das Ministerium nicht.
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag und Bahn-Aufsichtsrat Patrick Döring kritisierte im Zusammenhang mit dem Vorfall die Bahn: "Wenn die Klimaanlage ausfällt, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass für Bahnreisende ausreichend gekühlte Getränke an Bord sind oder eisgekühlte Handtücher verteilt werden", so Döring. Indes ist fraglich, warum die Bahn nicht selbst Getränke an die Fahrgäste verteilen konnte, sondern hierfür die Hilfe des staatlichen THW benötigte. Auf Anfrage wollte die Deutsche Bahn hierzu keine Stellung nehmen. Man gebe "keine Informationen zu sicherheitsrelevanten Vorgängen", sagte ein Bahnsprecher.
Obwohl das THW in diesem Jahr bereits 150 Mal für die Deutsche Bahn ausrückte, wurden vom THW bis Ende September nur in sechs Fällen Leistungen auch in Rechnung gestellt. Dabei schreibt die vom Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn persönlich unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn AG und dem THW ausdrücklich vor: "Für technische Hilfe und sonstige technische Hilfeleistungen des THW erstattet die DB AG die Kosten gemäß der jeweils gültigen THW-Abrechnungsrichtlinie."
Doch selbst in den Fällen, in denen die Bahn für die Dienste des staatlichen THW zahlen müsste, dürfte sie sich über die preiswerte Hilfe gefreut haben: Der Einsatz des THW im Hannoveraner Hauptbahnhof am 12. Juli kostete die Bahn nach Angaben des Verkehrsministeriums gerade einmal 857,51 Euro. Dies, obwohl nach Angaben der Bahn 1000, dem NDR zufolge sogar 4000 bis 5000 Fahrgäste betreut wurden und das THW, so sein Ortsverband Hannover-Langenhagen, "mehr als 2500 Liter Mineralwasser an die Fahrgäste" verteilte.
Für einen weiteren THW-Einsatz im Hauptbahnhof Hannover am 10. Juli musste die Bahn lediglich 593,04 Euro bezahlen. Bei diesem Einsatz fuhren die Helfer in Blau vorher noch beim Getränkehändler vorbei, um für die Bahn Mineralwasser abzuholen. Bei beiden Einsätzen war das THW nach eigenen Angaben "mit voller Stärke, also acht Helfer und einem Unterführer im Einsatz" und rückte mit einem LKW und einem Mannschaftslastwagen an.
In beiden Fällen wurden der Bahn die Einsätze erst mehr als zwei Monate später, am 21. September, in Rechnung gestellt - genau vier Tage nachdem die Abgeordneten gefragt hatten, ob die Bahn für die vom THW übernommenen Tätigkeiten finanziellen Ersatz geleistet hat.
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(sueddeutsche.de/mel/jja)
Deutsche Goldreserven
Es heisst auch nicht,tausent hilflose Wichtel,nun wir sollten froh sein das es diese Organisation gibt. Das andere ist,auch die Bahn hat die Kosten zu erstatten die anfallen und schon ist das ganze Gewirr geloest. Auch stimmt es,wie ein Leser schreibt,wir haben nicht nur neue Fahrzeuge in der Garage,auch uralte Rundhauber gehoeren noch zu Bestannt. Da sollte man sich auch fragen,wer von den jungen Leuten kann noch einen Uraltdiesel mit Unsincronisierten Getriebe fahren ? Viele Kommentare die hier stehen haben mit dem Thema nichts zu tun,die sind schlicht auf die falsche Seite gerueckt.
...dass das THW billige Wehrdienstverweigerer beschäftigt.
Das THW erstattet nämlich dem Arbeitgeber die Lohnkosten für einen Mitarbeiter,oder den Verdienstausfall eines Selbständigen, der im Dienste des THW einen Einsatz während der Arbeitszeit hat.
Da wird der berufstätige Arzt oder Rechtsanwalt aber mal ganz schnell deutlich teurer, auch wenn er Wehrdienstverweigerer ist.
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Und wie einige Schrieber hier schon anmerkten: Das THW freut sich immer über einen echten Einsatz, das ist die beste Übung für den Katastrophenfall.
Bei uns werden noch Hauber aus dem vorvorletzten Jahrzehnt gefahren und der Mannschaftswagen von Fiat rostet in einer trockenen Halle...
Von den Hightech-Handschuhen, die nach drei Mal Schraube anziehen reißen, ganz zu schweigen.
Grüße
Victor
viele Gesellschaften haben vom Zwang "Wehrpflicht" in irgendeiner Weise profitiert.
Warum nicht auch die Bahn???
dass damit die Deutsche Bahn indirekt staatlich subentioniert wird. Und wenn man dann international Konkurrenz bieten will (wie etwa in Frankreich oder England), stösst solches sauer auf.
Sonst spart's Geld. Was dem Fahrgast zugute kommt und dem THW auch, die bleiben fleissig dran und für Notfälle bestens geübt.
Man kann auch überall was finden, wenn man will.
Paging