"Nicht-Angebot", "Provokation", "Scherz" - die Gewerkschaften sind wütend über das Tarifangebot des Konzerns. Noch im Januar könnte es erste Warnstreiks geben.
Miserable Stimmung zum Auftakt der Tarifrunde. Das Klima zwischen der Bahn und den Gewerkschaften ist schon vergiftet, bevor die erste Sitzung begonnen hat. Schuld daran ist ein Tarifangebot der Bahn. Danach ist das Unternehmen lediglich bereit, für die Jahre 2009 und 2010 einen Inflationsausgleich zu zahlen. Für 2009 geht die Bahn dabei von einem Prozent aus. Innerhalb der vorgeschlagenen Vertragslaufzeit von zwei Jahren sollen halbjährlich Beträge von je 200 Euro hinzukommen. Sie sollen aber nur dann ausgezahlt werden, wenn die Bahn im Jahr 2009 das Ergebnis von 2008 erreicht. Zusammen mit dem von der Bahn vorgeschlagenen Inflationsausgleich würden die Arbeitnehmer dann etwa 2,5 Prozent mehr verdienen als 2008.
Die Bahn bietet für die Jahre 2009 und 2010 einen Inflationsausgleich - und die Gewerkschaften sind wütend. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Gewerkschaften sind empört. Die Offerte sei "völlig unzureichend", sagte der Chef der größten Bahner-Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner. "Eine Nullrunde ist genauso wenig akzeptabel wie ein Prozent Lohnerhöhung für die Beschäftigten." Der Chef der Eisenbahnergewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, sprach von einem "Nicht-Angebot" und von einer "Provokation". Und der Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sagte: "Das Angebot ist ein Scherz." Die Bahn wollte sich zunächst nicht äußern.
Keine Zusammenarbeit
Transnet-Chef Kirchner sagte, Bahnchef Hartmut Mehdorn habe bereits verkündet, dass die Bahn im Jahr 2008 den höchsten Gewinn ihrer Geschichte erzielt habe. Im August 2008 hatte Mehdorn davon gesprochen, ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau zu erwarten. Kirchner kritisierte, es könne nicht sein, dass die Beschäftigten am Ergebnis nicht teilhaben sollten.
Zunächst sprach die Bahn mit Transnet und GDBA. Ein Treffen mit der GDL sollte folgen. Bislang haben sich die drei Arbeitnehmervertretungen nicht auf eine Zusammenarbeit verständigt. GDL-Chef Weselsky sagte: "Ich sehe die Notwendigkeit einer Abstimmung mit anderen Gewerkschaften momentan nicht." Die GDL ist in der Tarifrunde für rund 20.000 Lokführer zuständig, die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA für die übrigen 130.000 Mitarbeiter.
Transnet fordert zehn Prozent
In dem Tarifangebot, das den drei Bahngewerkschaften am Dienstag übermittelt wurde, erklärt sich der Konzern auch bereit, über die geforderten Änderungen der Schichtpläne für die Eisenbahner zu verhandeln. Neue Regeln bei der Arbeitszeit wollen die drei Gewerkschaften zu einem Schwerpunkt der Tarifrunde machen.
Transnet und GDBA verlangen als Tarifgemeinschaft zehn Prozent mehr Lohn und Gehalt für 130.000 Beschäftigte, die GDL strebt Einkommenserhöhungen um 6,5 Prozent für rund 12.000 von ihnen vertretene Mitarbeiter an.
Vor Beginn der Gespräche hatte Transnet-Chef Kirchner Warnstreiks und Protestaktionen noch im Januar als möglich bezeichnet. Kirchner wies in der Süddeutschen Zeitung darauf hin, dass der Tarifvertrag für die Arbeitszeitregelungen bereits Ende Dezember ausgelaufen sei. Insofern gelte für diesen Tarifbereich keine Friedenspflicht mehr. Der Entgelt-Tarifvertrag läuft noch bis Ende Januar.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Transnet: Tarifrunde bei der Bahn "Bis hierhin und nicht weiter" 13.01.2009
- Deutsche Bahn Geringe Achslast 09.12.2008
- Schwerer Rückschlag für die Bahn Privatisierung frühestens 2010 04.12.2008
- Bahn: Die Tarifrunde Weitsicht statt Kleingeist 01.12.2008
- Tarifrunde bei der Bahn Transnet pocht auf zehn Prozent 01.12.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
(sueddeutsche.de/dpa/AFP/tob/mel)
Machtkampf in der Linken
Wer gute Arbeit macht soll auch mehr Gehalt bekommen, wer keine gute Arbeit macht muß sich mehr Gehalt mit Gewalt erstreiken - so sieht man es wohl bei Bahnmitarbeitern.
Die Gewinne stehen nicht den Bahnmitarbeitern zu, die es nicht einmal fertig bringen ihre Kunden vernünftig von A nach B zu bringen, geschweige sie über Fehler der Bahn (Verspätungen) zu informieren. Die Gewinne sind einbehaltne Regresszahlungen der Bahnkunden, die durch die Unfähigkeit der Bahnmitarbeiter entstanden sind.
Leider gibt Mehdorn diese einbehaltne Regresszahlungen lieber an fremde Aktionäre als an seine Kunden.
Ich kenne kein Unternehmen, wo die Mitarbeiter so schlecht mit Ihren Kunden umgehen, weil sie immer noch den Joker Monopol und Staatsgeschützt ziehen können.
Wenn also jemanden Streiks zustehen, dann den Kunden, damit sie ihre einbehaltne Regresszahlungen endlich bekommen.
Deswegen muss der Unsinn mit der Privatisierung endlich aufhören. Der Staat muss dafür sorgen, dass der öffentliche Verkehr kostendeckend betrieben und auch auf dem Land ausgebaut wird.
Renditewahnsinn ist im öffentlichen Verkehr fehl am Platz.
Es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, dass die Bahn etwas von ihrem Gewinn abgibt. Die Lohnerhöhung wird doch nur wieder von den Bahnkunden getragen. Also erst Streik mit Verspätungen, Ausfällen usw - und das auch noch im Winter. Dann triffts noch mehr Menschen noch härter. Ergebnis sind dann Preiserhöhungen da die Lohnkosten ja gestiegen sind. Und im nächsten Jahr gibt's dann wieder Rekordgewinne.
Mal nebenbei bemerkt - die höheren Preise (ergo die Lohnerhöhungen) finanziert der Bahnkunde. Dem fehlt das Geld dann. D.h. was die einen mehr in der Tasche haben, fehlt dann den anderen.
Wann streiken denn eigentlich mal die Bahnkunden???
...haben wir ja gerade gelernt, dass die Binnen Nachfrage unbedingt gestärkt werden muss! Da ist doch ein ordentlicher Schluck aus der Lohnpulle genau das Richtige :o))
Hoffentlich lassen sich die Gewerkschaften nicht auseinander dividieren...
Gruß Balldieb
Schon bald werden sich die Gewerkschaften wieder gegenseitig ausbooten und immer wird dann einer streiken wenn die anderen beiden Gewerkschaften gerade Ruhe geben. So ist die Deutsche Bahn auf dem besten Weg zur deutschen Alitalia auf Schienen zu werden...
Paging