Die Pläne des Bahn-Chefs für einen Börsengang treffen auf immer härteren Widerstand. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet und Verkehrsexperten des Bundestages machen Front gegen Mehdorns Vorgehen.

Die Pläne für einen Börsengang der Bahn stehen weiter in der Kritik.

Fährt sie nun an die Börse, oder fährt sie nicht? Die Wirtschaft sieht zu einer Privatisierung der Bahn keine Alternative. Foto: ddp (© )

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Mehr Wettbewerb auf der Schiene und damit auch bessere Bedingungen für die Bahnkunden ließen sich nur erreichen, wenn die Bahn ohne ihr Schienennetz an die Börse gehe, sagte ein Sprecher vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und die Bundesregierung streben dagegen eine Privatisierung des Gesamtkonzerns an. BDI und DIHK untermauerten ihre gemeinsame Forderung mit einer neuen Studie.

Die Gewerkschaft Transnet forderte einen kompletten Kurswechsel. "Der geplante Börsengang ist nicht zu machen", erklärte Gewerkschaftschef Norbert Hansen.

Keine Alternative

Die Wirtschaft sieht zu einer Privatisierung der Deutschen Bahn dagegen keine Alternative. Auch der von Bahn-Chef Mehdorn angestrebte Zeitplan für einen Börsengang noch 2006 sei zu halten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben.

Die öffentliche Diskussion über die Art und Weise der Privatisierung müsse jedoch "sachorientiert" geführt werden. Eine von den Wirtschaftsverbänden in Auftrag gegebene Studie eines Beraterkonsortiums belege, dass Trennung von Netz und Betrieb "möglich ist".

Mehdorn hatte entsprechende Vorstöße bereits in der Vergangenheit entschieden zurückgewiesen. Die Industrie habe ein "ausgeprägtes Interesse" an einem zuverlässigen, leistungsstarken und effizienten Schienennetz, betonte BDI-Geschäftsführer Kreklau. Mit mehr Wettbewerb über eine eigenständige Netz AG sei dies zu erreichen.

In den zehn Jahren seit der Bahnreform sei die Konkurrenz auf der Schiene dagegen noch nicht hinreichend in Bewegung gekommen. Die künftige Eigenständigkeit des Netzes sei "wichtig und notwendig".

Filetstückchen auf dem Parkett braten

Dagegen warnte die Gewerkschaft Transnet vor einer "Zerschlagung des Konzerns". Es gehe "bestimmten Kräften" nicht darum, Netz und Betrieb zu trennen, um Wettbewerb zu forcieren, erklärte der Transnet-Vorsitzende Hansen vor einer Betriebsrätetagung in Berlin.

Es gehe "schlichtweg darum, den Konzern insgesamt zu zerschlagen und dann Filetstückchen auf dem Parkett zu braten". Eine Zerschlagung des Konzerns gefährde aber tausende Jobs in Deutschland.

Der Streit um die Zukunft der Bahn dürfe "nicht weiter in der Öffentlichkeit ausgetragen werden", forderte Hansen. Das "Hick-Hack" um Zeitpunkt, Volumen und Form des Börsengangs habe bei den Beschäftigten "massive Unruhe und Sorgen um den Arbeitsplatz" hervorgerufen.

Keine Mehrheit für einen Börsengang

Dabei seien auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Privatisierung nicht erfüllt. Die Vorlage eines vom Parlament geforderten zweiten Gutachtens zum Börsengang lasse die Einhaltung des vorgesehenen Zeitplans nicht zu. Zudem gebe es in Bundestag und Bundesrat ohnehin keine Mehrheiten dafür.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt, räumte ein, dass die Voraussetzungen für einen Börsengang 2006 sich nicht verbessert hätten.

"Wir wollen den Börsengang, aber es ist nicht einfacher geworden in letzter Zeit", sagte Schmidt mit Blick auf Gutachten zur Kapitalmarktfähigkeit der Bahn. Die SPD halte aber weiter am Ziel eines Börsengangs fest.

Unter Plan

Mehrere Kennziffern im Personenverkehr blieben im ersten Halbjahr offenbar unter den Planungen. Dies mache nach Einschätzung der mit den entsprechenden Gutachten betrauten Investmentbank Morgan Stanley den Börsengang "sehr, sehr schwierig", berichtete die WirtschaftsWoche.

Die Einnahmen der Sparte Fernverkehr von Januar bis Juni hätten um 92 Millionen Euro oder rund sechs Prozent unter Plan gelegen, berichtete das Blatt unter Berufung auf den unveröffentlichten Quartalsbericht Juni.

Statt wie erhofft nur noch 114 Millionen Euro Verlust fuhren ICE und Intercity demnach 214 Millionen Euro Defizit ein.

In der Sparte Regionalverkehr lagen Umsatz und Verkehrsleistung demnach nur unwesentlich unter Vorjahr und teilweise unter Plan.

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(sueddeutsche.de/AFP)