Ein Kommentar von Detlef Esslinger

Bei der Besetzung des Bahn-Chefpostens haben die Gewerkschaften das letzte Wort. Am Ende der Ära Mehdorn sind sie damit mächtiger denn je - eigentlich müssten sie sich bei ihm bedanken.

Das hat es auch schon lange nicht mehr gegeben: Dass der Kandidat für den Vorstandsvorsitz eines Unternehmens zum Bewerbungsgespräch bei den Gewerkschaften antritt.

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Den Segen erhalten: Der designierte Bahn-Chef Rüdiger Grube (Mitte) mit den Bahn-Gewerkschaftern Alexander Kirchner (links) und Klaus-Dieter Hommel. (© Foto: dpa)

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Genau so nannten die beiden Organisationen Transnet und GDBA den Termin, zu dem sie den designierten Bahn-Chef Rüdiger Grube am Montag baten. Nach dem Gesetz haben Gewerkschaften in großen Unternehmen das Recht zur Mitbestimmung, mit der Betonung allerdings auf der ersten Silbe.

Wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Aufsichtsrat zum Beispiel über eine Personalie nicht einigen können, entscheidet jeweils die Stimme des Vorsitzenden, und damit die Arbeitgeberseite. So ist das, normalerweise.

Verheerungen

Bei der Bahn ist das in diesen Tagen anders: Grube ist zwar wie in jedem Unternehmen der Kandidat der Eigner, in diesem Fall also des Bundes. Gegen das Misstrauensvotum der Gewerkschaften aber hätte der Eigner ihn kaum durchgedrückt.

Auch bei der Bahn ist das Unternehmen eine Leistungsgemeinschaft aller Beschäftigten. Und bei denen hat Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn zum Schluss solche Verheerungen angerichtet, dass zunächst der Friede im Betrieb wiederhergestellt werden muss, bevor das Unternehmen wieder in die Spur kommen kann.

Grube hat zu diesem Zweck am Montag gezeigt, dass er Umgangsformen hat. Das war sozusagen das Elementare. Darüber hinaus jedoch musste er den Gewerkschaften eine schriftliche Erklärung zusichern, was er als Bahn-Chef tun und was er lassen will. Am Ende der Ära Mehdorn steht also, dass die Gewerkschaften mehr Macht haben denn je. Eigentlich müssten sie sich bei ihm bedanken.

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(SZ vom 07.04.2009/pak)