Von Marco Völklein

Nicht mehr als 29 Euro soll eine Deutschland-Reise mit den Billigtickets der Bahn kosten. Das Angebot wird heftig beworben, hat aber seine Tücken: Manchmal wird das Günstig-Ticket zum Geldgrab.

Für nur 29 Euro von München nach Kassel - Kathrin Bauer freute sich über ein Superangebot. Statt mit dem Auto über Ostern zu ihrer Familie nach Kassel zu fahren, wollte sie die Bahn nutzen. "Bislang war ich kaum mit der Bahn unterwegs", erzählt die 27-Jährige. "Bei den hohen Spritpreisen fand ich das Angebot aber sehr interessant."

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Anschluß verpasst: Auf ein "Dauer-Spezial"-Ticket warten viele Bahnkunden umsonst. (© Foto: AP)

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Problem nur: Das "Dauer-Spezial" genannte Sparangebot der Bahn war für Kathrin Bauer nicht erhältlich. Jedenfalls nicht für 29 Euro, so wie in der Bahn-Werbung angepriesen. "Ich habe alles versucht, zu verschiedenen Tageszeiten, an verschiedenen Tagen - es war nichts zu machen", sagt sie.

Kathrin Bauer ist nicht die einzige. Bei Bahnkunden-Verbänden häufen sich die Beschwerden der Bahnfahrer. "Die Dauer-Spezial-Angebote sind extrem selten zu bekommen", sagt Hartmut Buyken vom Fahrgastverband Pro Bahn. Auch bei der Schlichtungsstelle Mobilität, einer Einrichtung des Bundesverbraucherministeriums und des Verkehrsclubs Deutschland, gehen regelmäßig Beschwerden von verärgerten Kunden ein.

"Ein bisschen schauen"

Das Dauer-Spezial-Angebot der Bahn funktioniert so: Jeden Monat stellt der Konzern rund eine Million Fahrten in sein Buchungssystem ein. Diese sind zu einem Festpreis ab 29 Euro erhältlich - derzeit allerdings nur, wenn der Kunde bis zum 31. März bucht und seine Fahrt bis zum 30. Juni antritt. Und: Das Angebot gilt nur, "solange der Vorrat reicht".

Offenbar ist der Vorrat manchmal recht schnell aufgebraucht. Hinzu kommt, dass die Bahn die Kontingente auch immer wieder verschiebt - je nach dem, ob eine Städteverbindung gut oder weniger gut gebucht wird. "Wer heute keine Fahrkarte bekommen hat und 14 Tage später nochmal reinschaut, kann plötzlich Glück haben", sagt Experte Buyken. "Das ist wie eine Black Box."

Wie ein schwarzer Kasten, bei dem nur das Unternehmen genau versteht, wie er eigentlich funktioniert und wie viele Tickets vergeben werden. "Die Bahn legt hier ein Geheimhaltungsgebahren an den Tag wie bei ein Rüstungskonzern", sagt Buyken. Auch Birgit Zandke-Schaffhäuser von der Schlichtungsstelle Mobilität findet "die Kontingente nicht nachvollziehbar".

Die Bahn kennt die Beschwerden, will am System aber nichts ändern. "Es ist klar, dass am Freitagabend oder Sonntagnachmittag, wenn die Auslastung der Züge gut ist, nur wenige Dauer-Spezial-Tickets im Angebot sind", erklärt ein Bahnsprecher. Es gebe aber auch zufriedene Kunden, die Tickets zu 29 Euro erhalten hätten. Klar sei, dass die Tickets "ein dynamisches Angebot sind", so der Sprecher. "Da muss der Kunde natürlich schon ein bisschen schauen."

Wer daran Freude hat und im Bahnsystem nach Schnäppchen fahnden möchte, kann dort fündig werden. Das sagen auch Verbraucherschützer. Laut Pro Bahn-Sprecher Buyken ist es aber fast aussichtlos, die Spartickets für große und gut ausgelastete Hauptstrecken wie beispielsweise Hamburg-München oder Frankfurt-Köln zu ergattern. Besser sehe es auf weniger frequentierten Strecken wie etwa von Bremen ins Emsland aus. Außerdem sei die Chance größer, wenn der Kunde mit einem IC statt mit einem ICE fährt.

Auch wichtig zu wissen: Umtausch oder Rückgabe sind bei den Dauer-Spezial-Tickets ausgeschlossen. Daher warnt Zandke-Schaffhäuser von der Schlichtungsstelle Mobilität: "Das Dauer-Spezial ist nicht immer das günstigste Angebot." Denn wer sich nicht absolut sicher ist, dass er am gebuchten Tag zur gebuchten Uhrzeit fahren wird, muss das Ticket unter Umständen wegschmeißen. Geld zurück erhält er jedenfalls nicht.

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(SZ vom 25.03.2008/grc)