Von M. Bauchmüller u. K. Ott

Prüfer haben bei der Bahn in Sachen Korruption merkwürdige Vorgänge beobachtet. Doch der Konzern hat nicht reagiert. Jetzt regiert das Misstrauen.

Seit fast zehn Jahren ist Hartmut Mehdorn nun schon Vorstandschef der Deutschen Bahn (DB), aber so sehr in Nöten wie in diesen Wochen war der streiterprobte Manager noch nie. Der Skandal um die wiederholt ausgespähte Belegschaft hat ihm mächtig zugesetzt, von allen Seiten hagelte es Kritik: aus Bundestag und Bundesregierung, von den Bahngewerkschaften und im eigenen Unternehmen.

Misstrauen bei der Bahn: Der Aufsichtsrat will die Spitzel-Vorgänge am Vorstand vorbei aufklären. (© Foto: AP)

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Dort steht am Mittwoch ein einmaliger Vorgang an. Der Aufsichtsrat will die Aufklärung der mutmaßlichen Datenschutzverstöße selbst in die Hand nehmen. "Wir glauben Mehdorn gar nichts mehr", sagt ein Mitglied des Kontrollgremiums. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und zwei prominente Anwälte, der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) und Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), sollen den Staatskonzern durchleuchten. Das wirkt wie ein Misstrauensvotum gegen den Bahnvorstand, dessen Prüfbericht bislang mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert hat.

Widerstände aus dem Vorstand

Die KPMG und die Ex-Minister werden vermutlich auch die Akte DB Systems auf den Tisch bekommen. Interne Berichte der Konzernrevision und Briefwechsel aus dem Unternehmen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, lassen einen neuen Verdacht entstehen. War der Kampf gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität bei der Bahn gar nicht so konsequent, wie der Konzernchef immer tat? Oder ist die Revision systematisch übers Ziel hinaus geschossen?

Die Akte DB Systems beginnt im September 2002. Damals kündigten die konzerninternen Ermittler der Bahn ihr Kommen bei der IT-Tochter des Konzerns an, zwei Wochen später fanden sie sich in der Frankfurter Kleyerstraße ein. Gut vier Monate lang stöberten sie in internen Unterlagen, Verträgen, im Computersystem. Am Ende hatten die Revisoren einiges in der Hand, nur trafen sie auf Widerstände in den eigenen Reihen: im Konzernvorstand der Bahn.

Interne Ermittlungen gestoppt

Die Berichte zur Untersuchung haben es in sich. Die Prüfer seien demnach auf Aufträge gestoßen, die an der eigentlich zuständigen Einkaufsabteilung vorbei vergeben worden seien, sie hätten einstige Beschäftigte wiederentdeckt, nun aber als Subunternehmer mit gut dotierten Beraterverträgen. Rechnungen seien bezahlt worden, noch ehe Bestellungen rausgegangen seien. Rückvergütungen von Firmen, so legten sie dar, seien einbehalten oder falsch verbucht worden.

Im Juli 2003 legten sie diese und andere Erkenntnisse erstmals den Verantwortlichen bei der Bahn dar. Dem Protokoll zufolge nahm auch Finanzvorstand Diethelm Sack an der Besprechung am 25. Juli in Frankfurt teil. Er sollte sich später für jenen Kollegen einsetzen, den die Revisoren am heftigsten attackierten, einen Manager der DB-Tochter.

War die Bahn bei kleinen Fällen besonders genau und hat bei großen Fällen lieber weggeschaut? Das jedenfalls suggerieren die anonymen Briefeschreiber, die sich zuletzt an Parlamentarier, Aufsichtsräte und Medien gewandt hatten. In mehreren Fällen seien interne Ermittlungen gestoppt worden, als hochrangige Mitarbeiter ins Visier der Revision gekommen seien. Die Autoren, die sich als Mitarbeiter der Revision ausgeben, sind erkennbar Insider, auch die Untersuchungen bei DB Systems waren ihnen bekannt.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum ein von den Prüfern erhobener Verdacht gegen einen Bahn-Manager keine Folgen hatte.

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