Gleiches Geld für alle: Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA treten mit einer zu starren Lohnforderung auf. Sie müssen sich bewegen - und zwar deutlich.
Bahnfahrer haben es nicht leicht. Entweder ist es der Winter oder der Sommer, oder es sind die Achsen. In den vergangenen Monaten gab es immer irgendetwas, das den Fahrbetrieb beeinträchtigt hat. Und ausgerechnet jetzt, da ein bisschen Ruhe eingekehrt ist, droht neues Ungemach: Warnstreiks.
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Von Dienstag an soll im Regionalverkehr gestreikt werden - zum Ärger der Reisenden. (© dapd)
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Von diesem Dienstag an rufen die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA im Regionalverkehr zu Arbeitsniederlegungen auf, es könnte alle Bundesländer treffen. Der genervte Kunde fragt sich, ob es wirklich so weit kommen musste. Hätte die Bahn das nicht verhindern können? Hätte sie sich nicht angesichts der mittlerweile wieder gut laufenden Geschäfte großzügig zeigen können, wie sie es bei den Fahrpreisen zuletzt doch auch getan hat? Dort hat sie erstmals seit Jahren auf die übliche Erhöhung verzichtet. Denn sie wusste, dass sie bei den Fahrgästen etwas gutzumachen hat. Das Problem ist: Darum geht es momentan überhaupt nicht.
Gleicher Lohn für alle
Dass die Verhandlungen ins Stocken geraten sind, liegt nicht an der fehlenden Bereitschaft der Deutschen Bahn zu Lohnerhöhungen. Über das Entgelt spricht man noch gar nicht. Denn erst wollen die Gewerkschaften ihre Kernforderung durchsetzen: einen Branchentarifvertrag. Alle Bahnangestellten im Nahverkehr, egal ob sie bei einem privaten Unternehmen oder beim Marktführer Deutsche Bahn arbeiten, und egal ob sie in Brandenburg oder in München im Einsatz sind, sollen gleiche Löhne erhalten. Momentan zahlen die privaten Konkurrenten ihren Angestellten bis zu 20 Prozent weniger als die Deutsche Bahn.
Ein Branchentarifvertrag ist in der Tat sinnvoll. Nur er kann den Trend beenden, dass sich die diversen Unternehmen bei Ausschreibungen im Regionalverkehr gegenseitig mit niedrigen Gehältern unterbieten. Auch die Deutsche Bahn macht bei diesem Unterbietungswettbewerb mit. Zwar ist der Konzern tarifgebunden, doch um bei Ausschreibungen mithalten zu können, hat er 14 Gesellschaften gegründet, die nicht an den Tarif gebunden sind. Nur so könne er verhindern, dass sein Marktanteil im Regionalverkehr unter 80 Prozent rutscht.
Diese Praxis muss ein Ende haben, und glücklicherweise leuchtet das auch den Bahnunternehmen ein. Im Grunde befürworten sie die Forderung der Gewerkschaften. Genau das aber ist das Absurde an der Situation. Eigentlich liegen die Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern recht nahe beieinander. Alle wollen einen Branchentarifvertrag. Und doch soll jetzt gestreikt werden.
Starre Forderungen
Die entscheidende Frage ist, auf welchem Niveau der Tarifvertrag abgeschlossen werden soll. Die Gewerkschaften verlangen, alle sollten das zahlen, was die Deutsche Bahn ihren Mitarbeitern zugesteht. Diese Forderung aber ist viel zu starr. Sie würde die Privatbahnen eines wichtigen Wettbewerbsvorteils berauben. Zudem ist das Gehaltssystem bei der Deutschen Bahn unflexibel und ignoriert regionale Unterschiede. Wenn die Löhne bei allen gleich wären, wäre der Staatskonzern schon allein wegen seiner Größe immer im Vorteil, denn er würde bessere Konditionen bei Einkauf und Finanzierung erhalten. Es kann auch keine Rede davon sein, dass die Privatbahnen Dumpinglöhne zahlen. Kein einziger Mitarbeiter verdient weniger als acht Euro die Stunde, die allermeisten bekommen deutlich mehr, vereinzelt sogar mehr als bei der Deutschen Bahn.
Ziel der Tarifgespräche sollte also sein, per Branchentarifvertrag ein Mindestlohnniveau zu vereinbaren. Arbeitgeber, die darüber hinausgehen wollen, können das gerne tun - freiwillig. Die Unternehmen haben bereits signalisiert, dass sie in eine ähnliche Richtung denken. Die Gewerkschaften aber sind von dieser Erkenntnis noch weit entfernt. Das macht die Streiks so ärgerlich. Normalerweise sorgen Arbeitsniederlegungen dafür, dass Arbeitgeber sich bewegen. Zum jetzigen Zeitpunkt aber sind es die Gewerkschaften, die sich am meisten bewegen müssen.
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(SZ vom 25.10.2010/mel)
Liebe Frau Kuhr-Beise, der Wettbewerbsvorteil fuer die Privaten ist in jedem Fall weg bei einem BranchenTV - will mir scheinen.
Ansonsten ist doch das Kalkuel der Unternehmer voll aufgegangen : erst konkurrierende Unternehmen und Gewerkschaften gruenden mit niedrigeren Loehnen und dann einen einhaeitlichen Vertrag auf diesem niedrigen Niveau fordern. Gut fuer sie, dass es solche "Journalisten" gibt, die das auch noch unterstuetzen !
Eine Tochter von Marc Beise? Die Lohnkosten als Wettbewerbsvorteil?
Merke: In Zeiten der Globalisierung würden die privaten Bahnbetreiber sonst nach Bangladesch ausweichen. Dort gäb es viele Menschen zu transportieren.
Also: Niedere Löhne für deutsche Zugführer und Schaffner retten Arbeitsplätze.
"Diese Forderung aber ist viel zu starr. Sie würde die Privatbahnen eines wichtigen Wettbewerbsvorteils berauben." - das ist das Mantra das von der SZ in jedem Artikel gepredigt wird. Das hohe Lied auf Lohnsklaverei. Und bei Schulbusse Sonnenschein fährt der günstige Mitarbeiter für 2.45 Euro Stundenlohn.
Und dann noch zynisch ein "Ziel der Tarifgespräche sollte also sein, per Branchentarifvertrag ein Mindestlohnniveau zu vereinbaren. Arbeitgeber, die darüber hinausgehen wollen, können das gerne tun - freiwillig." nachschieben.
Der "Wille zum Mindestlohn" der Arbeitgeber hat nichts damit zu tun, dass eventuell ausserdeutsche europäische, Unternehmen auf den deutschen Markt kommen könnten? Und dass dann die Firmen von Herrn Reichmann und Frau Perlenflittchen der Konkurrenz nicht standhalten könnten?
Dieselben Herr Reichmann und Frau Perlenflittchen die so gerne mit "marktliberal aufgeschlossenen" und "mitfühlend konservativen" Schreiberlingen einen Mokka mit abgespreizten Finger nehmen?
auch mit der SZ, die sich ja offensichtlichimmer mehr zu einem Kampfblatt neoreaktionärer Neoliberalität entwickelt und offensichtlich unfähig ist, über die
miserablen Arbeitsbedingungen der U-und S-Bahnfahrer zu berichten. Die, nebenbei bemerkt, mindestens so gehegt und gepflegte werden sollten wie Flugzeug-Piloten, denn schließlich vertraue ich ihnen in der U-Bahn mindestens 2 mal täglich gewissermaßen mein Leben an. Völlig unverständlich, wieso die Münchner Verkehrsbetriebe und die Stadt ihre eigenen Leute im Regen stehen läßt - aber das hat in der SPD-Politik ja mittlerweile Tradition.
Erst schreibt man, dass die Privaten die DB nicht mit Lohndumping unterbieten dürfen, dann im selben Artikel, dass die Privaten nicht die gleichen Löhne zahlen sollen müssen, um nicht einen Wettbewerbsvorteil zu verlieren.
Diese Argumentation könnte man ja noch ein bisschen verfeinern, damit beim Leser nicht folgender Eindruck bleibt:
Hä?????
Übrigens, liebe SZ: berichtet doch gefälligst einmal, was die GDL beim MVG-Streik überhaupt fordert. Da wärt Ihr m.W. die Ersten. Und das bei einem Streik, der schon so lange läuft.