Bahamas-Leaks Diese Politiker tauchen in den Bahamas-Leaks auf

Einer sagt erstaunlich offen: Er wollte so Steuern vermeiden.

Von Emilia Diaz-Struck, Will Fitzgibbon, Frederik Obermaier, Mauritius Much und Vanessa Wormer

Neelie Kroes

Die frühere EU-Kommissarin war den Bahamas-Leaks zufolge von 2000 bis 2009 Direktorin einer Briefkastenfirma namens Mint Holdings Limited. Als sie 2004 ihr Amt als EU-Wettbewerbskommissarin antrat, hätte sie diese Tätigkeit niederlegen und bekannt machen müssen. So fordert es der Verhaltenskodex der Kommission. Kroes hätte ihre Funktion als Direktorin auch nach ihrer Beendigung im Jahr 2009 offenlegen müssen. Auch dies unterblieb. Kroes ließ über ihren Anwalt mitteilen, es handle sich um ein "Versehen", seine Mandantin habe "in gutem Glauben" gehandelt.

Neelie Kroes

(Foto: picture alliance / dpa)

Kroes sei in der Tat Direktorin der Firma gewesen. Das Unternehmen sei gegründet worden, um Geld einzusammeln für den Kauf von Teilen des US-Energiekonzerns Enron. So weit sei es jedoch nicht gekommen, die Verhandlungen seien 2000 abgebrochen worden und die Firma nicht operativ tätig geworden. Wegen eines "administrativen Fehlers" sei sie danach allerdings noch bis 2009 als Direktorin im bahamaischen Register eingetragen geblieben. Die Ex-EU-Kommissarin übernehme die "volle Verantwortung" und werde den amtierenden Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker informieren. Eine Sprecherin Junckers bestätigte, dass dies am Mittwoch geschehen ist.

Der Fall Kroes zeigt beispielhaft die Schwächen des bahamaischen Firmenregisters: Bei einer Suche nach der Mint Holdings Limited im Online-Register der Bahamas taucht der Name von Neelie Kroes nicht auf.

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Amber Rudd

In den Bahamas-Leaks taucht auch eine Frau namens Amber Rudd auf: Zwischen 1998 und 2000 war sie den Unterlagen zufolge Direktorin von zwei Briefkastenfirmen - der Advanced Asset Allocation Fund Limited und der Advanced Asset Allocation Management Ltd. Nach übereinstimmenden Berichten der BBC und des Guardian handelt es sich dabei um die amtierende britische Innenministerin. Ein Sprecher Rudds sagte dem Guardian: "Es ist öffentlich bekannt, dass Amber in der Wirtschaft tätig war, bevor sie in die Politik ging." Auf die konkrete Nachfrage nach den beiden Bahamas-Firmen ließ der Sprecher am Mittwochnachmittag verlauten, dass man "nicht plant, dem Statement etwas hinzuzufügen".

Amber Rudd

(Foto: picture alliance / dpa)

William Francis Morneau

Kanadas Finanzminister William Francis "Bill" Morneau kündigte nach den Enthüllungen der Panama Papers an, Kanada werde im Kampf gegen internationale Steueroasen eine führende Rolle spielen. Morneau gilt als Star in Kanadas Regierung - ein Millionär, der sich in den Staatsdienst gestellt hat. Bevor Morneau im vergangenen Jahr Politiker wurde, war er ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er besaß ein eigenes Unternehmen, Morneau Shepell, das von seinem Vater 1966 gegründet worden war. Die Firma spezialisiert sich auf die Beratung im Bereich Pensionskassen - und ist auch in einer Steueroase tätig. So taucht Finanzminister Morneau in den Bahamas-Leaks-Dokumenten als zeitweiliger Direktor der Forma Morneau Shepell (Bahamas) Ltd. auf - es handelt sich um eine karibische Filiale von Morneau Shepell. Morneaus Name erscheint auch im öffentlichen Firmenregister der Bahamas. Der Politiker ließ auf Anfrage erklären, die Firma in den Bahamas erbringe tatsächliche Beratungsleistungen; das Geschäft dort sei "komplett legitim". Morneau hat seinen Direktorenposten aufgegeben, bevor er Minister wurde.

William Francis Morneau

(Foto: picture alliance / AP Images)

Carlos Caballero Argáez

In den geleakten Unterlagen findet sich auch der Name von Carlos Caballero Argáez, der von 1999 bis 2001 Minister für Minen und Energie in Kolumbien war. Er war demnach zeitweise Direktor beziehungsweise Präsident der Briefkastenfirmen Pavc Properties Inc und Norway Inc - auch, als er zwischen 2001 und 2003 Co-Direktor der kolumbianischen Zentralbank war. Der Zweck seines Offshore-Engagements sei Steuervermeidung gewesen, erklärt Argáez erstaunlich offen. Den kolumbianischen Behörden habe er dies bislang nicht offenbart.

Carlos Caballero Argáez

(Foto: Caracol Radio)

2008 trat er von seinem Amt als Präsident und Sekretär der Pavc Properties Inc zurück. Nach eigenen Angaben besaß die Firma ein Apartment in Miami. Argáez taucht in Verbindung mit der Offshore-Firma auch im öffentlichen Firmenregister auf. Wer im öffentlichen Bahamas-Register nach der anderen Bahamas-Firma - der Norway Inc. - sucht, findet hingegen keinen Hinweis auf Argáez. Die Norway Inc. habe mit einem Bankkonto in Miami in Verbindung gestanden, so der Exminister. Das Konto sei auf seinen Vater gelaufen und das Vermögen nach seinem Tod auf dessen Söhne verteilt worden.