Bafin-Bericht Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre

Händler zockten mit einem Zinssatz, der Billionen bewegt: Die Deutsche Bank hat in der Libor-Affäre Fehler gemacht, urteilt die Finanzaufsicht. Die hauseigene Kontrolle war zu lasch.

Die Deutsche Bank hat die Ermittlung des Referenzzinses Libor zu wenig kontrolliert, organisierte Kriminalität auf Vorstandsebene gab es aber nicht: Zu diesem Schluss komme die Finanzaufsicht Bafin in ihrem Abschlussbericht über die Verwicklung der Bank in die Manipulation von Interbanken-Zinssätzen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Bericht werde voraussichtlich in dieser Woche an den deutschen Branchenprimus geschickt, sagte eine mit den Plänen vertraute Person zu Reuters.

Die Untersuchungen seien damit aber noch nicht abgeschlossen. "Die Verantwortlichkeiten einzelner Personen sollen nun noch genauer beleuchtet werden", sagte der Insider. Der Vorstand habe aber nichts zu befürchten. "Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte."

Der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain hatte bis zum Frühjahr 2012 das Investmentbanking der Deutschen Bank geführt, in dem die Manipulationen geschahen. Bafin-Chefin Elke König hatte schon im Frühjahr erklärt, die deutschen Banken hätten offenbar das Potenzial unterschätzt, das in den Meldungen von Libor- und Euribor-Zinssätzen stecke.

Die Branchen-Zinssätze beruhen auf Meldungen der einzelnen Banken über ihre Konditionen, zu denen sie sich bei Konkurrenten Geld leihen. Händler weltweit hatten mit teilweise falschen Angaben das Branchenbarometer manipuliert, von dem Finanztransaktionen und -produkte in einem mehrstelligen Billionen-Volumen abhängen.

Geldhaus verweist auf getroffene Maßnahmen

Die Deutsche Bank bekräftigte am Montag, nach ihren eigenen Untersuchungen sei "nach aktuellem Stand (...) kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands in irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt". Eine "begrenzte Zahl von Mitarbeitern" habe auf Eigeninitiative entgegen der Standards der Bank gehandelt. Die Deutsche Bank hatte sieben Händler deswegen entlassen. Es seien schon Maßnahmen getroffen worden, um solches Fehlverhalten zu verhindern, weitere würden noch getroffen.

Die Bafin wollte sich zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung nicht äußern. Eigentlich hätte der Bericht schon im Frühjahr fertig sein sollen, doch verzögerte er sich um Monate, weil sich immer neue Fragen für die Aufseher ergaben. Veröffentlicht wird er zwar nicht, doch werden die Erkenntnisse daraus von der deutschen und europäischen Politik sowie von Bankenaufsehern und Gerichten auch außerhalb Deutschlands sehnlichst erwartet.

Die britischen und die US-Behörden haben sich schon mit mehreren Banken auf Strafzahlungen geeinigt. UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland zahlten zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Andere verhandeln noch über Vergleiche.

Die Deutsche Bank hat bei der Ermittlung des Libor laut den Bafin-Ergebnissen offenbar einfache Regeln missachtet. Bei den Meldungen sei teilweise gegen das Vier-Augen-Prinzip verstoßen worden, das Alleingänge von Mitarbeitern verhindern könnte. Die gemeldeten Zinssätze seien unzureichend dokumentiert worden.

An einer Reform der Interbanken-Zinssätze wird derzeit auf mehreren Ebenen gearbeitet, unter anderem hat die EU-Kommission einen Vorschlag angekündigt. Künftig sollen Libor, Euribor und andere Interbanken-Zinssätze auf tatsächlichen Transaktionen basieren. Kritiker warnen allerdings, das schließe Manipulationen nicht aus.

Auch ein viel beachteter Marktindex für Swap-Geschäfte ist zuletzt wegen Manipulationsverdachts ins Visier der Aufseher geraten. Die US-Regulierer sind Tricksereien bei dem sogenannten Isdafix schon seit dem Frühjahr auf der Spur. Auch die Bafin geht den Vorwürfen nach. Bislang gebe es aber keine Anzeichen dafür, dass deutsche Banken an der Manipulation beteiligt gewesen seien, hieß es in der vergangenen Woche.