Die Synergien einer feindlichen Übernahme durch Sanofi könnten nur zu Lasten der Beschäftigten erzielt werden, sagte der deutsche Gesamtbetriebsrats-Chef von Aventis. Die französischen Gewerkschaften sprachen von einem schätzungsweisen Verlust von bis zu 12.000 Arbeitsplätzen.

Der Betriebsrat am deutschen Standort des Pharmakonzerns Aventis befürchtet für den Fall einer Fusion mit dem Konkurrenten Sanofi-Syntélabo eine "Katastrophe".

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Synergien könnten nur zu Lasten der Beschäftigten erzielt werden, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Aventis Pharma Deutschland GmbH, Friedhelm Conradi, am Dienstag in Frankfurt.

"Für uns ist das völlig inakzeptabel." In der Medikamenten-Herstellung beschäftigt Aventis in Hessen rund 9000 Mitarbeiter.

Keine Erklärung

Die Übernahme von Aventis durch Sanofi-Synthélabo würde nach Einschätzung der französischen Gewerkschaften 10.000 bis 12.000 der insgesamt mehr als 100.000 Arbeitsplätze kosten. Diese Zahl errechne sich aus den angestrebten Synergien von 1,6 Milliarden Euro im Jahr, erklärten Gewerkschaftsvertreter in Paris. Aventis gab keine Erklärung zu dem Thema ab.

Auch ein ranghoher Aventis-Mitarbeiter geht für den Fall der Fusion von einem Verlust von bis zu 12.000 Arbeitsplätzen in beiden Unternehmen aus. Das von Sanofi-Synthélabo genannte Einsparpotenzial von 1,6 Milliarden Euro entspreche ungefähr einem Zehntel der gesamten Belegschaften, sagte der Aventis-Mitarbeiter am Dienstag.

Eine Konzernsprecherin wollte diese Rechnung offiziell nicht kommentieren. Gewerkschaftsvertreter des aus der Frankfurter Hoechst AG und der französischen Rhône-Poulenc entstandenen Unternehmens warnten davor, mit Zahlen zu spielen.

Aventis hat gut 70.000 Mitarbeiter, Sanofi-Synthélabo mehr als 30.000. Der gemeinsame Konzern hätte 25.000 Mitarbeiter in Frankreich und 12.000 in Deutschland. In diesen beiden Ländern ist auch die Forschung wesentlich konzentriert. Die Umstrukturierungen würden laut Sanofi zwei Milliarden Euro kosten.

Fusion als Rettungsversuch

Die Fusion sei "im Prinzip ein Rettungsversuch" für Sanofi, das erwartete Umsatzeinbußen mittels eines Zusammenschlusses abfangen wolle, meinte Conradi. Aventis sei in Deutschland hingegen auf einem guten Weg: "Es geht hier aufwärts." Seit der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc 1999 zu Aventis seien mehr als eine Milliarde Euro in den Standort investiert und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden.

Der neue Konzern habe zwar in einigen Ländern, in denen sowohl Hoechst als auch Rhône-Poulenc vertreten war, Personal abgebaut oder Standorte verkauft. Die Aventis Pharma Deutschland im Frankfurter Stadtteil Höchst und im benachbarten Bad Soden habe jedoch "eindeutig profitiert". Die Arbeitnehmer befürchteten nun, dass diese Fortschritte durch eine erneute Fusion zunichte gemacht werden könnten.

Protest möglich

Der Betriebsrat berate über mögliche Protestaktionen. Auch die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sieht die deutschen Arbeitsplätze im Fall eines Zusammenschlusses gefährdet.

"Ich kann nur allen Mitarbeitern empfehlen, die Aventis-Aktien zu behalten", sagte der geschäftsführende Vorstand der IG BCE, Werner Bischof, am Dienstag im Hessischen Rundfunk.

Großer Unterschied

Eine Fusion mit einem anderen Partner als Sanofi-Synthélabo wollte Bischof nicht ausschließen. "Niemand kann davon ausgehen, dass alles so bleibt, wie es heute ist." Es sei aber ein Unterschied, ob ein solcher Schritt gemeinsam vorbereitet oder einseitig vollzogen werde.

Sanofi-Chef Jean-François Dehecq hatte am Montag erklärt, die Synergien seien nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau. Angestrebt werde ein Wachstum, das auch Arbeitsplätze schaffe. Auch der französische Sozialminister François Fillon hatte Befürchtungen über Stellenverluste zu zerstreuen versucht und von möglichen positiven Folgen gesprochen.

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP)