Autonomes Fahren Wenn Computer Autofahrer ablösen

Hände weg vom Steuer, das ist sicherer: "Automatisierte Fahrzeuge koordinieren ihre Fahrmanöver und optimieren den Fluss", sagt die Mobilitätsstudie.

(Foto: dpa/Britta Pedersen)
  • Die TU Dresden hat eine Studie zur Mobilität 2025 vorgestellt, in der sie prognostiziert, dass vernetztes Fahren das Unfallrisiko erheblich senken wird.
  • Das birgt allerdings auch neue Gefahren: Denkbar seien nicht nur Angriffe auf die gesamte IT-Infrastruktur, sondern auch auf die Sicherheit einzelner Fahrzeuge.
Von Markus Balser, Berlin

Autos lenken, bremsen und beschleunigen von alleine. Der Mensch muss nur eingreifen, um grobe Fehler der Computer notfalls zu verhindern. Auf kalifornischen Straßen wird bereits deutlich, wie die Mobilität der Zukunft aussieht. Allein der IT-Konzern Google kommt hier auf 50 Testfahrzeuge. Die Google-Flotte hat längst mehr als zwei Millionen Testkilometer auf dem Tacho. Und auch in Deutschland gibt es erste Projekte mit Autos, die mindestens so viel können wie ihr Fahrer. In einem ersten Schritt soll die A9 zwischen München und Nürnberg zu einer digitalen Teststrecke ausgebaut werden. Der Mobilitätssektor, der sich seit der Zeit des Wirtschaftswunders kaum verändert habe, werde in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren mit dem Zusammenwachsen von Auto und IT einen drastischen Umbau erleben, sagt Verkehrsexperte Andreas Festag von der TU Dresden voraus.

Dass Autos nicht mehr nur auf Teststrecken, sondern auch im Alltag miteinander vernetzt sind, untereinander kommunizieren können und selber über Manöver und Fahrstrecken entscheiden, sei nur noch eine Frage weniger Jahre, ist sich Festag sicher. Der Forscher ist Hauptautor einer vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Studie zur Mobilität 2025, die von der TU Dresden, dem Institut für Vernetzte Mobilität und dem Institut für Automation und Kommunikation Magdeburg erstellt wurde. Sie wird am Dienstag in Berlin veröffentlicht.

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"Vernetzte automatisierte Fahrzeuge koordinieren ihre Fahrmanöver und optimieren den Verkehrsfluss", heißt es in dem Papier. So könnten etwa Verkehrsabläufe an Kreuzungen "durch Eingriffe in die Fahrzeugsteuerungen" oder durch Warnungen vor querenden Fahrzeugen sicherer gemacht werden. "Das Unfallrisiko wird durch intelligente Steuerungssysteme sinken", sagt Patrick Ester, Projektleiter Elektromobilität beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik.

"Das Unfallrisiko wird weitgehend durch das Datenrisiko ausgetauscht"

Doch die Studie macht auch klar: Es kommt auf deutschen Straßen wohl vor allem zu einer Verschiebung der Risiken. "Das Unfallrisiko wird weitgehend durch das Datenrisiko ausgetauscht", räumen die Forscher in dem Papier ein. Zum einen geht es um Datenschutz, denn Konzerne wie Google könnten künftig auch Bewegungsprofile der Fahrer erstellen und Tempoverstöße erkennen. Zum anderen aber geht es auch um die Sicherheit der IT-Technik und damit des Verkehrs. Angriffe auf intelligente Verkehrssysteme seien brisant, weil sie die "Gesundheit und das Leben von Verkehrsteilnehmern" gefährden, warnt die Studie. Denkbar seien nicht nur Angriffe auf die gesamte IT-Infrastruktur, sondern auch auf die Sicherheit einzelner Fahrzeuge. Möglich wäre auch die Provokation von Unfällen durch das Ausblenden anderer Autos. Es ergäben sich deshalb "sehr hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit der Kommunikationsverbindungen", heißt es weiter.

Schon jetzt machen Hackerangriffe klar, mit welchen Szenarien die Entwickler in der Auto- und der IT-Branche rechnen müssen. In den USA gelang es Angreifern etwa, einen Jeep aus der Ferne unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie schalteten sich per Laptop in zentrale Funktionen wie die Lenkradstellung, Bremsen und das Schaltgetriebe ein. Bei der Bekämpfung solcher Risiken sehen die Autoren derzeit noch "Technologielücken". So könne man Angriffsszenarien mithilfe der derzeit verwendeten Technologien nicht "vollumfänglich" begegnen.

Das intelligente Auto, das von einer Steuerungselektronik aus winzigen Chips, assistiert von Kameras, Radar- und Lasersensoren, gefahren werden soll, löst bei den Deutschen auch aus einem anderen Grund Sorgen aus. Die Angst vor dem gläsernen Fahrer sei keine Randerscheinung, urteilen die Forscher. "Das Auto wird von vielen Konsumenten und Datenschützern als eine letzte Bastion der Privatsphäre angesehen und verteidigt." Viele Menschen lehnten generell autonome Fahrzeuge ab, weil sie der Technik nicht vertrauen und weil sie das Risiko der Manipulation von außen als zu hoch ansähen.

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