Wendelin Wiedeking und Ferdinand Piëch basteln sich den Volksporsche, und es ist ziemlich klar, wer am Steuer sitzen will.
Wendelin Wiedeking ist dafür bekannt, dass er gerne dick aufträgt. So geht der Vorstandsvorsitzende des Sportwagenbauers Porsche auch mal zu den Versammlungen des Bauernverbandes in seinem Wohnort Bietigheim-Bissingen in der Nähe von Stuttgart.
Wendelin Wiedeking mag nicht nur schnelle Autos, er liebt auch ungewöhnliche Entscheidungen. (© Foto: AP)
Anzeige
Dort preist der Hobbylandwirt, der zwei 40 Jahre alte Porsche Diesel-Traktoren mit 16 und 24 PS besitzt, mit denen er am Wochenende über seinen Acker pflügt oder eggt, die dicken Kartoffeln, die er auf seinem eigenen Acker erntet.
"Alles Öko", hält der Autochef dann dröhnend den Landmännern entgegen.
Die bodenständigen schwäbischen Bauern lassen sich jedoch von dem hochgewachsenen Automanager und seinen Erfolgen nur wenig beeindrucken. "Herr Wiedeking", hielt ihm neulich ein Nachbar entgegen, "wir wissen, Sie haben nicht viel Zeit. Da haben wir Ihre Kartoffeln mal eben mitgespritzt."
Auch in seinem Hauptberuf ist der 53-jährige Westfale, der zu auffälligen Nadelstreifen neigt und einen Hang zu besonders dicken Zigarren hat, nicht schüchtern. Beim Bier oder Rotwein lässt er zu später Stunde schon mal erkenne, wie er über seine Kollegen in anderen Autokonzernen denkt. Solche Bemerkungen sind oft nicht zitierfähig.
Der Querkopf eckt an
Kein Wunder, dass Wiedeking, der seit 13 Jahren an der Spitze des Zuffenenhauser Sportwagenherstellers steht, vielen seiner Kollegen auf die Nerven geht. Der Mann mit dem großen westfälischen Schädel, dem Schnauzbart und dem kernigen Tonfall seiner Heimat, gilt manchen als Besserwisser und Querkopf.
Seit er am Sonntag mitteilte, dass Porsche sich mit 20 Prozent an der Volkswagen AG beteiligen wird, steht Wiedeking wieder einmal im Mittelpunkt der Debatten: Er gilt bereits als erfolgreichster Vorstandschef der Branche, seitdem er Porsche Anfang der neunziger Jahre von der sicheren Pleite wegführte und inzwischen zum profitabelsten Autounternehmen der Welt gemacht hat. Doch der neue Coup stellt die Autoindustrie auf den Kopf. Auch bei Porsche in Zuffenhausen ist die Überraschung groß. "Da laufen alle wie aufgescheucht durch die Gänge", berichtet ein Manager.
Wie soll das auch gehen, dass ein winziger Sportwagenbauer, der pro Jahr mit nur 11.000 Mitarbeitern etwa 80.000 Autos baut, praktisch die Führung in einem Riesenkonzern übernimmt, der 400.000 Beschäftigte hat und fünf Millionen Fahrzeuge pro Jahr baut, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Die erste Antwort hat die Börse gegeben. Sie ist ernüchternd. Am Montag ist der Aktienkurs von Porsche um zehn Prozent gefallen. Klarer lässt sich Skepsis kaum ausdrücken. Kann es sein, dass Wiedeking abhebt?
Mit Lob überschüttet
Seit Jahren wird dieser Mann mit Titeln und lobenden Schlagzeilen überschüttet: Manager des Jahres, bester Automobilmanager Europas. "Ein Unternehmer aus dem Lehrbuch", schrieb die Financial Times Deutschland über den Firmenchef, der den Aktienkurs seines Unternehmens fast vervierzigfachte, der von einem Verkaufs- und Gewinnrekord zum nächsten eilt, der die Fahrzeugpalette um den erfolgreichen Geländewagen "Cayenne" ergänzt hat und der als nächstes die Schallmauer von 100.000 Porsches im Jahr durchbrechen will.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
Mubarak-Prozess in Ägypten