Alle Autokonzerne setzen auf Russland und hoffen auf glänzende Geschäfte. Renault ist sogar beim Lada-Hersteller Avtovaz eingestiegen - und hat nun viele Probleme.
Der Weg zu Boris Aleshin ist weit. Der Flug geht nach Samara. Das liegt tausend Kilometer südöstlich von Moskau. Der Airbus braucht dafür von Frankfurt aus fünf Stunden. Von der Stadt Togliatti sieht man als erstes die aufgestaute Wolga und moderne Häuser. Das alte Togliatti steht nicht mehr. Es wurde anlässlich des Baus eines Kraftwerkes in der Wolga versenkt. Trotzdem lohnt sich der weite Weg. Hier befindet sich die größte Autofabrik Russlands: Avtovaz, besser bekannt unter ihrer Marke Lada. Es ist fast wie in Wolfsburg - das Werk ist die Stadt, und die Stadt ist das Werk. Von 700.000 Einwohnern arbeiten 107.000 bei Avtovaz.
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Boris Aleshin, 53, ist der Chef und er hat allen Grund, darauf stolz zu sein. Noch kurz vor Ausbruch der Finanzkrise nahm er dem Superhirn Carlos Ghosn eine Milliarde Euro ab. Der Chef von Renault-Nissan kaufte dafür 25 Prozent plus eine Aktie von Avtovaz, dem 1966 gegründeten Konzern, der unter anderem immer noch das vier Jahrzehnte alte Fiat-Modell 124 in Lizenz nachbaut.
Notarzt der Automobilindustrie
Der nach seiner spektakulären Sanierung von Nissan in Japan als Volksheld verehrte gebürtige Libanese Ghosn wird seit dem immer wieder als weltweit einsetzbarer Notarzt der Autoindustrie gehandelt. Keine Aufgabe scheint ihm zu schwer. Chrysler retten, GM sanieren, Ford-Chef werden - für alles war er schon im Gespräch.
Dabei ist er derzeit weit davon entfernt, die selbst gesetzten Ziele für die von ihm als Doppelchef geleitete Allianz Renault und Nissan zu erreichen. Nissan verdient nicht so viel wie geplant, und Renault legt längere Pausen ein in seinen Werken in Nordfrankreich. Der neue Mittelklassewagen Megane muss es bringen, denn richtig gut läuft - so wie bei anderen großen Herstellern auch - wenig im französisch-japanischen Autokonzern, der weltweiten Nummer vier nach Toyota, General Motors (GM) und Volkswagen. Super verkaufen sich nur die Sparautos Logan der rumänischen Renault-Tochter Dacia. Der Börsenkurs von Renault kennt nur eine Richtung: abwärts.
Nun darf sich der Auto-Napoleon Carlos Ghosn auch noch mit dem 600 Hektar großen Werk an der Wolga abplagen. Über das scherzte ein Fachjournalist, man sollte es am besten abreißen, wenn bloß die Kosten dafür nicht so verdammt hoch wären. Aus dem postkommunistischen Wolfsburg an der Wolga eine profitable Autofabrik mit international wettbewerbsfähigen Produkten zu machen, diese an sich schon schwierige Mission ist nun durch die Finanzkrise fast unerfüllbar geworden. Für Ghosn könnte das mit der Verbannung enden. Trotzdem setzt er in Russland weiter auf eine ungewöhnliche Strategie: Während die großen Konkurrenten moderne Fabriken auf der grünen Wiese bauen, versucht der Renault-Chef aus alt neu zu machen.
Neben den Hallen mit fünf insgesamt 1,5 Kilometer langen Fertigungsbändern steht ein quadratisches Hochhaus, mittelblau angestrichen, mit dem Firmenlogo "Lada" auf dem Dach. Es zeigt ein Schiff auf der Wolga, steht aber auch für einen Frauennamen, der die Herzen der russischen Autofahrer wärmt. Von weitem wirkt die Szene fast wie das VW-Stammwerk Wolfsburg, wo der Vorstand ebenfalls im Hochhaus über dem Werk thront - am Mittellandkanal statt an der Wolga.
Wenig Lob, wenig Ehr'
Wer in Togliatti die Sicherheitsschleusen wie am Flughafen erfolgreich passiert hat, darf in der Eingangshalle die Devotionalien betrachten. Rechts Lada-Rennwagen und ein BA3-2101 von 1970, das ist der erwähnte Fiat 124. Links das erste Exemplar des modernen Modells Kalina vom 18. November 2004 in weinrotmetallic und jener goldene Lada Kalina, der am 11. Juni 2008 beim russischen Marktführer als fünfundzwanzigmillionstes Auto vom Band fuhr.
Zwischen den Autos stehen Vitrinen voller Pokale für Siege im Motorsport. Autohersteller stellen in ihren Eingangshallen gern Plaketten und Pokale aus, die sie für effizientes Wirtschaften bekommen haben. Solche Trophäen kann Avtovaz nicht vorzeigen - die haben die russischen Autowerker bislang nicht bekommen.
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Mubarak-Prozess in Ägypten