Automobilindustrie VW ließ Zulieferer Prevent beschatten

Produktion des VW-Golf: Als die Prevent-Gruppe 2016 die Lieferungen stoppte, standen bei VW die Bänder still.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)
  • Der VW-Konzern ließ den Autozulieferer Prevent ausspionieren.
  • Die Aktion, die von März 2017 unter dem Namen "Projekt Herzog" gelaufen sein soll, hatte einem Medienbericht zufolge 37 Personen zum Ziel.
  • Zwischen VW und Prevent gab es im Jahr 2016 einen heftigen Streit. Prevent lieferte zeitweise keine Teile mehr, weshalb bei VW die Bänder still standen.

Der VW-Konzern hat den Autozulieferer Prevent offenbar von Privatdetektiven beschatten lassen. Das berichtet die Bild am Sonntag und beruft sich dabei unter anderem auf Unterlagen einer Sicherheitsfirma. Ein Jurist aus der VW-Einkaufsabteilung soll die Detektei über die Kanzlei Hogan Lovells beauftragt haben, Mitarbeiter des Zulieferers zu beschatten.

Die Aktion, die von März 2017 an unter dem Namen "Projekt Herzog" gelaufen sein soll, habe insgesamt 37 Personen zum Ziel gehabt, darunter Mitglieder der Prevent-Eigentümerfamilie, Führungskräfte von Tochterfirmen und Anwälte der Unternehmensgruppe. Die Detektive sollen teilweise auch die Privatadressen der Zielpersonen ausspioniert haben.

Die Ermittlungen seien möglicherweise "über das Ziel hinausgeschossen"

VW bestätigte, die Detektei beauftragt zu haben. "Nach unseren Erkenntnissen sind die Recherchen von dem Dienstleister stets im Rahmen der rechtlichen Vorschriften durchgeführt worden", sagte ein VW-Sprecher der Bild am Sonntag. Aus Unternehmenskreisen hieß es der Zeitung zufolge aber, dass die Ermittlungen möglicherweise "über das Ziel hinausgeschossen seien". Der neue VW-Chef Herbert Diess soll bereits angeordnet haben, die Vorfälle intern aufzuklären.

Auslöser für die Aktion dürfte eine Auseinandersetzung aus dem Jahr 2016 gewesen sein. VW hatte sich damals einen erbitterten Streit mit der Prevent-Gruppe geliefert. Zwei sächsische Prevent-Tochterfirmen hatten sich tagelang geweigert, Getriebeteile und Sitzbezüge an den VW-Konzern zu liefern. Der Grund: VW soll sich geweigert haben, Schadenersatzzahlungen für einen gestrichenen Großauftrag zu leisten. Der Lieferstopp führte bei Deutschlands größtem Autohersteller zu einem Millionenschaden, in Wolfsburg und Emden standen zeitweise die Bänder still.

Die Autokonzerne sind gegenüber ihren Zulieferern häufig in einer mächtigen Verhandlungsposition und setzen diese auch durch. Dass Zulieferer aufbegehren, kommt selten vor. Die bosnisch-deutsche Prevent-Gruppe gilt jedoch als besonders kämpferisch, sie legte sich auch schon mit dem Autokonzern Daimler an.

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