Automobilindustrie Darum haben US-Autos in Europa keine Chance

Die Begeisterung der Amerikaner für große Autos ist ungebrochen. Auf dem europäischen Markt fehlt dafür die Nachfrage. Für US-Präsident Donald Trump ist das ein Ärgernis.

(Foto: Getty Images News/Getty Images)
  • Wiederholt hat US-Präsident Donald Trump den deutschen Autoherstellern mit Strafzöllen gedroht.
  • Er will damit die eigenen Hersteller stärken, die bislang nur sehr wenige Autos nach Europa exportieren.
  • Fraglich ist, ob dieser Plan aufgehen wird. Dass US-Autos in Europa nicht gut ankommen, hat weniger mit dem Preis zu tun als mit den unterschiedlichen Geschmäckern der Kunden.
Von Thomas Fromm und Max Hägler

In diesem Punkt hat der US-Präsident tatsächlich recht: Es gibt hier wirklich so gut wie keine Chevrolets. "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland?", fragte Donald Trump schon vor über einem Jahr. "Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße." Der weltweite Automarkt als Einbahnstraße - so stellt sich das für Trump dar.

Anders als in den USA, wo - so behauptet zumindest der Präsident - in manchen Straßen "vor jedem Haus ein Mercedes" stehen soll. Die Fifth Avenue in New York? Voller deutscher Limousinen. Und deswegen droht er den deutschen Autobauern nun mit höheren Zöllen. Fakt ist: Die EU veranschlagt auf US-Autos aus den USA derzeit einen zehnprozentigen Zoll; die USA dagegen legen für EU-Autos nur 2,5 Prozent drauf - ein Ergebnis der sogenannten Uruguay-Welthandelsrunde von 1994. Bei anderen Waren läuft es übrigens oft andersherum.

Ginge es nur um Zölle, wie Trump behauptet, wäre die Sache also klar. Es geht aber um mehr: um die Autos selbst. Premium-Autos Made in Germany haben in den USA seit jeher einen guten Ruf. Sie gelten als chic, modern, leistungsstark, sportlich. Amerikanische Autos dagegen in Deutschland? Nun ja.

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Die Auto-Republik ist alles andere als lukrativ für die amerikanischen Hersteller. Ganze 1026 Chevrolets wurden laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. Das könnte auch daran liegen, dass die Amerikaner zuerst versucht hatten, den Markt mit einer Billigstrategie abzugrasen. Als selbst das nicht richtig funktionierte, beschloss die Chevrolet-Mutter General Motors 2013, Chevrolets gar nicht erst anzubieten, um der damaligen Konzerntochter Opel (2017 vom französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën übernommen) keine Konkurrenz zu machen. Geändert hat das wenig: Chevrolet wurde so noch kleiner gemacht, Opel wurde dadurch aber auch nicht viel größer.

Doch auch von Fahrzeugen der US-Marke Cadillac wurden 2017 nur 496 in Deutschland zugelassen, und das wiederum zeigt: Der Verkauf amerikanischer Autos ist hierzulande nicht mehr als eine homöopathische Übung. Nun ist es zwar nicht so, dass auf der anderen Seite jeder Amerikaner ein Auto aus Stuttgart, München oder Ingolstadt fährt. Aber immerhin waren es an die 1,35 Millionen Amerikaner, die sich im vergangenen Jahr ein Auto von Mercedes, BMW oder aus dem VW-Konzern (VW, Audi, Porsche) zulegten. Autos allerdings, die nicht unbedingt aus Germany stammten: 800 000 dieser Fahrzeuge kamen nämlich aus Werken in Alabama (Daimler), South Carolina (BMW) und Tennessee (VW).

Deutsche Autos, in den USA von Amerikanern gebaut, sind einer der großen Exporthits des Landes - und das zeigt, dass es mit den von Trump ins Spiel gebrachten Strafzöllen gegen deutsche Autobauer gar nicht so einfach ist. Wer soll hier mit Strafzöllen belegt werden? Und wer für was bestraft werden? Kritiker sagen: Wenn die US-Regierung jetzt gegen deutsche Autobauer vorgeht, schadet sie vor allem auch amerikanischen Arbeitern, die für diese Unternehmen arbeiten.