Weltmarktführer Toyota plagt sich mit klemmenden Gaspedalen und defekten Bremsen herum - und was macht Herausforderer VW? Der setzt einfach zum Überholmanöver an.
Natürlich war alles irgendwie ein großer Zufall. Dass der Volkswagen-Vorstand seine großen Zukunftspläne ausgerechnet an dem Tag den Investoren im Londoner Covent-Garden präsentierte, an dem Toyota mal wieder neue Probleme melden musste. VW-Chef Martin Winterkorn schwärmte in einem feinen Nebenraum des Königlichen Opernhauses von ehrgeizigen Renditezielen und zeigte eisernen Willen, Nummer eins in der Welt zu werden - "ökonomisch und ökologisch", wie er sagte. Und das, während die Chefs des Weltmarktführers Toyota im fernen Tokio saßen und sich die Haare rauften. Warum bloß Toyota, warum alles auf einmal?
Toyota ist in Verruf geraten. Erst gab es Ärger mit dem Gaspedal, jetz zickt beim Prius auch noch die Bremse. (© Foto: Reuters)
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Ein Bremspedal war es diesmal, ausgerechnet. Im vergangenen Jahr verhakten sich Fußmatten im Gaspedal. In den letzten Tagen mussten an die acht Millionen Toyota-Modelle weltweit zurück in die Werkstätten gerufen werden, weil Gaspedale klemmten und die Fahrzeuge auf Vollgas beschleunigten. Jetzt noch Bremsen, die beim Fahren über unebene oder vereiste Straßen nicht mehr richtig arbeiten. Ausgerechnet beim prestigeträchtigen Verkaufsschlager Toyotas schlechthin, dem Hybridmodell Prius - einem Vorzeigefahrzeug. In Japan ist der Prius das meistverkaufte Auto. An der Ostküste der USA ist er der Renner. In Europa haben sich Autokäufer seit der Markteinführung im vergangenen Sommer fast 30.000 Mal dafür entschieden. Und jetzt klemmen die Bremsen.
Für VW war es also ein guter Tag, um seine Geschäftsplanung für die nächsten Jahre zu erklären und dabei eine Botschaft loszuwerden, die auch an Toyota adressiert war - ohne dass die Japner namentlich genannt wurden. Bis 2018 will Volkswagen über zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen - und damit Toyota vom Thron des Weltmarktführers stoßen. Das Wachstum soll profitabel sein: Die Vorsteuerrendite des Konzerns soll dann bei über acht Prozent liegen. Es sind mittelfristige Ziele, wie sie der Konzern so noch nie verkündet hatte. "Es ist positiv, dass VW jetzt offensiv vorgeht, sich hohe Ziele setzt und nach der Nummer-Eins-Position strebt", sagt der Autoexperte und Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.
Erst der Rückruf, dann der Einbruch
Das Krisenjahr 2009 brachte beide schon näher zusammen: Da lieferten die Niedersachsen 6,29 Millionen Autos aus und fuhren damit den besten Absatz ihrer Geschichte ein. Toyota lag bei 7,8 Millionen Fahrzeugen. Jetzt sieht es so aus, als ob der Abstand weiter schrumpft, weil die einen weiter wachsen. Allein im Januar legte VW in Deutschland um knapp elf Prozent auf rund 42300 Neuzulassungen zu. Den anderen - Toyota - rutscht wegen ihrer vielen Probleme der Markt weg. Nach dem Millionen-Rückruf ist der Absatz in den USA im Januar um ein Sechstel auf ein Zehnjahres-Tief eingebrochen.
Die Politik hat sich längst in Position gebracht: Die US-Regierung drohte dem Konzern Strafen an, weil er zu langsam auf die klemmenden Gaspedale reagiert habe. "Wir sind noch nicht fertig mit Toyota", drohte Verkehrsminister Ray LaHood. Jahrelang hatte man den Kunden in der Welt die Geschichte von Qualität und Sicherheit erzählt. Jahrelang war man gewachsen. Jetzt sieht es so aus, als ob vieles davon umsonst war. In den USA werben Toyota-Händler damit, dass 80 Prozent aller Autos, die in den vergangenen 20 Jahren verkauft wurden, heute noch unterwegs sind. Dass ein Großteil davon inzwischen in die Werkstatt muss, hatten die Verkaufstrategen nicht einkalkuliert. Zufall, dass ausgerechnet bei Toyota zuletzt so viel klemmte? Professor Horst Wildemann von der Technischen Universität München sagt: Nein. "In der Häufung" sei dies "ein Indiz dafür, dass man aus Kostengesichtspunkten bis an die technologischen Grenzen gegangen" sei. Qualität, Expansion und Sparen - irgendwann sei Toyota über sich hinausgewachsen, sagen Brancheninsider. Auf Kosten der Qualität und der Sicherheit.
So kommt es, dass der eine Konzern am Mittwoch in die Offensive gehen kann, während der andere schweigt und seine vom Rückruf betroffenen Autos zählt. VW setzt beim Weg an die Weltspitze auf China und plant, die Zahl seiner Auslieferungen mittelfristig von 1,4 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr auf dann zwei Millionen Stück auszubauen. Toyota muss zur selben Zeit erklären, dass man wegen der Gaspedale große Absatzeinbrüche befürchtet. Viel mehr kommt nicht, seit Tagen nicht. Der Konzern, der sich selbst mit dem Werbespruch anpreist, dass "nichts unmöglich" sei, hat sich eingeigelt und wartet ab. Worauf? Man werde die jüngsten Beschwerden überprüfen, sagte eine Toyota-Sprecherin am Mittwoch. "Die Außendarstellung von Toyota ist zurzeit katastrophal", kritisiert Professor Wildemann. Insofern sei dies auch ein Managementproblem, da "die Dinge bei Toyota in der Regel sehr zentral und oben entschieden werden".
Das große Rennen
Das große Wettrennen von Toyota und VW - es könnte in den USA stattfinden. Da, wo die Japaner wegen eines Gaspedals der US-Zulieferfirma CTS derzeit ihre größten technischen Probleme haben und wo die heimischen Autobauer längst dabei sind, mit hohen Prämien Toyota-Kunden abzuwerben. Hier will VW erst noch durchstarten und seinen Absatz von zuletzt 298.000 Fahrzeugen auf eine Million Stück bis zum Jahr 2018 steigern. VW setzt auf Übersee: Um seinen Marktanteil hier von heute knapp drei auf sechs Prozent auszubauen, wird demnächst erstmals seit Jahrzehnten wieder vor Ort produziert. Das neue Werk in Chattanooga soll schon im nächsten Jahr an den Start gehen und den Markt beliefern. VW will nicht nur wachsen, sondern dabei auch sparen - vor allem durch eine Ausweitung des Baukastenprinzips, bei dem viele Teile und ganze Baugruppen quer über den Konzern hinweg vereinheitlicht werden - so werden Kosten gespart.
"Strategie 2018" werden die VW-Ziele in Wolfsburg genannt. 2018, weil es das Jahr sein soll, in dem man Toyota überholt. Die Chancen der Wolfsburger, an den Japaner vorbeizuziehen, stünden gut, sagt Analyst Pieper. Denn: "Wenn bei Toyota der Qualitätsnimbus wegbricht, bleibt nicht mehr viel."
(SZ vom 04.02.2010/mel)
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Ich habe den Begriff "anständig" hier sehr lose benutzt und meinte da auch gar nicht die Qualität, eher den technischen Stand im Vergleich zu den VWs davor. Eine Freundin von mir fährt einen Golf IV und hat auch schon die "tollsten" Dinge damit erlebt - und das ist sogar erst der kleine Benziner in Grundausstattung! Was will da eigentlich kaputtgehen?
zitat:" Marke VW ein anständiges Auto, den Golf IV"
Der Golf IV war der schlimmste Haufen an Fehlern den ich je gefahren bin:
Neu gekauft:
1. Woche Klimaautomatik defekt: Fußraum unter Wasser
4. Woche Fensterheber links defekt
5. Woche Fensterheber rechts defekt
5 Woche bis 2 Jahre:
- Jeden Airbaig mindestens einmal ausgetauscht
- Motorsteuerung wollte nicht mehr
- Scheinwerfer geplatzt (ja ein Steinschlag von wegen)
- Bremsen fest
Nachdem die Garantie und Kulanzzeit abgelaufen war habe ich die Kiste verkauft, war inzwischen mit jedem Mechaniker per du.
In der Familie und Freundeskreis gibt es inzwischen 11 Toyotas: von Problemen hört man nix, auch nicht beim 15 Jahre alten Corolla....
Ich für meinen Teil bin nach mehreren VWs, Opels und BMWs mit deutschen Autos durch.
Soll Piech doch träumen, er soll nur aufpassen das es kein Alptraum wird.
Grüße
Zu Ruthard sei nur gesagt, dass man die Presse kaufen kann, Umfragen weniger (leicht).
Ansonsten stieß ich eben noch auf eine interessante Meldung, die meinen Beitrag von eben kräftig unterstreicht:
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/925742
Auf dem Weltmarkt spielen deutsche Hersteller nur deshalb überhaupt eine Rolle, weil sie auf "Premium" setzen - eine auf Dauer extrem schwache Position und etwas, worauf sich kein japanischer Hersteller je alleinig verlassen hat.
So wie Toyota in den letzten Jahren mit seinen Kunden umgesprungen ist gehört denen noch viel mehr auf den Deckel.
Manchmal würde mich interessieren wie die ihre Powerstudien hingebogen haben um Erster geworden zu sein. Zum Glück gelingt das in den letzten Jahren nicht mehr so richtig.
Wirklich ekelhaft, wie die deutsche Presse gerade jeden Tag die Rückrufaktion von Toyota wiederkäut. Dadurch werden es auch nicht mehr Autos, die in die Werkstatt müssen, egal wie sehr sie es sich auch wünschen mögen, die jounalistischen Erfüllungsgehilfen der deutschen Automobilindustrie. Und zu den Plänen von Piech und seinen Schoßhunden kann ich mich nur selber zitieren:
Überheblich - so muss man das Geschäftsgebahren von Piech und seinem Erfüllungsgehilfen Winterkorn bezeichnen. Denn es sind erst knappe 12 Jahre her, dass die Marke VW ein anständiges Auto, den Golf IV, auf die Beine stellen konnte und dann aber von Weltmarktführerschaft träumen... Fakt ist: Seit mehreren Jahren wird in Zwei-Jahres-Schritten die Überholung Toyotas anvisiert - und damit meine ich, dass die Erfüllungsprognose sich immer um 2 Jahre nach hinten verschiebt. Wie sagt da der Engländer? - "Chop-chop!" Es wird langsam mal Zeit, wenn es noch was werden soll. Um Toyota zu überholen sollte man vorher einmal einen Volkswagen in den Top 3 jedweder Pannenstatistik zu Gesicht bekommen. Und damit meine ich nicht Audi. Toyota hat sich aus eigener Kraft auf die Märkte dieser Welt gebracht, VW hingegen kauft sich immer hinein, was bei der langfristig geplanten Übernahme Suzukis wieder zeigt. Wann hat VW zuletzt etwas wirklich bahnbrechendes auf die Beine gestellt? Sparsame Dieselmotoren, schön und gut, aber kann das der Weisheit letzter Schluss sein? Variable Ventilsteuerung macht uns Alfa gerade vor, Bremsrekuperation haben andere schon früher auf den Markt gebracht - die Liste ist endlos, welchen Trends dieser Konzern bis dato hinterhergelaufen ist. Wirtschaftlich ist VW auch nicht. Letztens las ich erst wieder, dass die Produktion eines Golf (kann auch Polo gewesen sein, ich erinnere mich gerade nicht zu 100 %) noch immer gut 30 % länger dauert als vergleichbare Konkurrenzfahrzeuge. Also, so hoch der technische Standard VWs auch sein mag, die Manufakturs und Belegschaftsstruktur ist von vorgestern, anders ist diese Ineffizienz doch nicht mehr erklärbar. Ich bin gespannt, was in den nächsten 8-9 Jahren denn alles passieren soll, dass Toyota überholt wird.
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