General Motors will seiner deutschen Tochter die Rechte an ihren Fahrzeugen übertragen - trotzdem stehen der Firma harte Einschnitte bevor.
Die Tochter will sich von ihrer Mutter emanzipieren: Der Autohersteller Opel soll demnächst eigenständiger handeln können, der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) will Anteile an Investoren abgeben. Eine der Hürden bei diesem Konzept, das der Opel-Aufsichtsrat am Freitag beschlossen hat, könnte der Umgang mit den Patenten sein. Doch General Motors signalisiert hier Entgegenkommen. Opel verfügt seit einiger Zeit nicht mehr über die Rechte an den selbstentwickelten Fahrzeugen. Die Rechte und Patente an den Autos wurden von dem deutschen Produzenten vor vier Jahren an eine Gesellschaft von General Motors im US-Bundesstaat Delaware übertragen. Diese Firma trägt den Namen GM GTO. Im Gegenzug ist Opel in den Genuss eines Schuldscheins im Wert von 1,8 Milliarden Euro gekommen. GM hat diesen bisher aber nie bedient, also nie Geld an Opel überwiesen.
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Für die Opel-Rettung stecke in dem Umstand, dass die Patente nicht mehr bei dem deutschen Unternehmen liegen, "aber kein Sprengstoff drin", hieß es in Opelkreisen am Stammsitz in Rüsselsheim. Carl-Peter Forster, GM-Europachef und Aufsichtsratsvorsitzender bei Opel, wiegelt ebenfalls ab: Der Autokonzern und seine Töchter hätten ihre Patente bislang in einem Pool zur gemeinsamen Nutzung gebündelt. "Das machen alle großen Konzerne so", sagte der Manager. Da Opel künftig eigenständiger arbeiten soll, werde der Pool "wieder aufgeteilt". Sprich: Opel erhält die Patente wohl zurück. Dies sei ein Beitrag von General Motors, um den deutschen Autohersteller "sattelfest zu machen", erklärte Forster.
Antwerpen wohl akut gefährdet
Dem Rettungskonzept zufolge soll auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichtet werden. Opel-Kreise bestätigen, dass in Deutschland keines der vier Werke in Gefahr ist. Die Standorte sind Rüsselsheim in Hessen, Bochum in Nordrhein-Westfalen, Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz und Eisenach in Thüringen. Eine Fabrikschließung im Inland stünde der Gewährung von Kreditbürgschaften durch den Bund und die vier Länder entgegen, hieß es. Als akut gefährdet gilt allerdings das Werk im belgischen Antwerpen, wo Opel derzeit noch die Modelle Astra und Zafira baut. Diese Produktionen laufen in diesem Jahr aus.
Zugeständnisse
Auch wenn deutsche Werke nicht vor der Schließung stehen, müssen sich die Beschäftigten - General Motors hat 55.000 in Europa, darunter gut 25.000 bei Opel in Deutschland - auf tiefe Einschnitte gefasst machen. Der Chef des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, hatte die Belegschaft bereits auf der Demonstration am Donnerstag in Rüsselsheim auf massive Kürzungen vorbereitet. Er betonte, eine Zukunft für Opel werde es ohne Personalreduzierung und finanzielle Zugeständnisse der Belegschaft wohl kaum geben. Weiterhin zeichnet sich ab, dass Opel von einer Fünf- auf eine Vier-Tage-Woche übergeht.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat General Motors seinem Europageschäft eine Radikalkur verordnet. Demnach soll hier jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen. Das wären 11.000 Jobs. In dieser Zahl enthalten sind auch die 4000 bedrohten Stellen beim inzwischen kollabierten schwedischen Autohersteller Saab, der wie Opel zu GM gehört. Bereits in den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Arbeitsplätze bei GM in Europa um etwa 10.000 Stellen verringert worden.
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekräftigte, dass der Bund grundsätzlich dazu bereit sei, Opel zu helfen. Steinmeier sagte dem Radiosender MDR Info am Freitag: "Wir müssen tun, was wir können, damit dieses Unternehmen nicht vom Markt verschwindet." Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte eine rasche Prüfung des Rettungskonzepts für Opel zu: "Wir werden mit einer sorgfältigen Prüfung der von Opel gemachten Vorschläge unverzüglich beginnen und das Gespräch darüber mit der Bundesregierung suchen."
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(SZ vom 28.02.2009/mel)