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Autokonzern in Finanznot Porsche auf Schleuderkurs

Dringender Kapitalbedarf: Porsche-Chef Wiedeking kann offenbar mit mehreren Milliarden Euro rechnen - von den beiden Familien Porsche und Piëch sowie von Käufern neuer Vorzugsaktien.
Michael Kuntz

In einer Mail an mehrere tausend Führungskräfte fordert VW-Konzernchef Martin Winterkorn Klarheit über die finanzielle Situation von Porsche. "Für ein Zusammengehen von Volkswagen und Porsche müssen wir die Ausgangslage systematisch analysieren und uns ein klares Bild über die tatsächlichen Verhältnisse bei Porsche machen." Winterkorn will keine Katze im Sack kaufen: "Es ist im Interesse aller Beteiligten, unserer Belegschaften, aller Aktionäre und unserer Kunden, dass wir die finanzielle Stabilität und Souveränität von Volkswagen nicht gefährden."

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking - sein Unternehmen benötigt dringend frisches Kapital.

(Foto: Foto: AP)
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Zwei Wochen nach dem Beschluss der Familien Porsche und Piëch bei ihrem Treffen in Salzburg, ein Konzept für die Integration der Unternehmen Volkswagen und Porsche ausarbeiten zu lassen, ist der akute Finanzbedarf des Sportwagenherstellers ein gut gehütetes Geheimnis.

Unbestätigten Berichten zufolge hat Porsche nach intensiven Verhandlungen eine Finanzierung von zehn Milliarden Euro bekommen. Dazu sollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nun bis zu sechs Milliarden Euro frisches Kapital kommen und zwar je zur Hälfte von den beiden Familien sowie von Käufern neuer Vorzugsaktien. Oben drauf käme nach den Vorstellungen im Porsche-Hauptquartier in Zuffenhausen noch die Einlage eines weiteren Großinvestors. Im Gespräch war schon der Emir von Katar, der sein grundsätzliches Interesse an Investitionen in die deutsche Autoindustrie signalisiert hatte.

Unter dem Strich könnte Porsche so 16 Milliarden Euro oder mehr einsammeln, bevor es zur Vereinigung mit Volkswagen kommt. Eine vernünftige Bewertung der Sportwagenfirma sei nur bei uneingeschränktem Blick in die Bücher möglich, heißt es in Wolfsburg. "Wir müssen doch wissen, was da noch schlummert."

Schlummern könnten noch einige der cashgesettelten Optionsgeschäfte, also Wetten auf Aktienkäufe zu Festpreisen, mit denen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter lange Zeit überaus erfolgreich auf die künftige Entwicklung der Volkswagen-Aktie gewettet hat. Angeblich laufen noch ein paar davon.

Was bei Porsche als Chance gilt, hält man in Norddeutschland eher für ein Risiko. "Eine gefährliche Schieflage sehe ich nicht", sagte dazu der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler der Automobilwoche. Zwar seien die riesigen Positionen von Finanzderivaten bei Porsche für Außenstehende schwer zu bewerten. "Hier könnte ein Risiko schlummern." Pieper: "Nach wie vor halte ich die Optionsmodelle für intelligent gemacht. Verschuldung und Eigenkapital liegen absolut im Rahmen."

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Allein der aktuelle Anteil von Porsche am Volkswagen-Konzern von knapp 51 Prozent ist an der Börse derzeit gut 32 Milliarden Euro wert.

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