Schlechte Absatzzahlen, Jobabbau und Flop-Modelle: Frankreichs Autohersteller haben derzeit wenig Freude. Nun greift Staatschef Sarkozy helfend ein.
Der Pariser Autosalon, der am Wochenende eröffnet, ist normalerweise ein Ereignis, wo sich die französischen Hersteller selbst feiern. Diesmal aber kommt die Messe für Renault und PSA Peugeot Citroën zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zwar müssen die Hersteller weltweit wegen der Finanzkrise und der schlechten Konjunkturaussicht bangen. Der Absatz in den USA, in Spanien und Großbritannien bricht ein. In Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien erwarten Analysten ein Abflauen der Nachfrage.
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Renault-Chef Ghosn mit der Studie Koleos: Schlechte Stimmung bei Frankreichs Autoindustrie. (© Foto: dpa)
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Den beiden Franzosen geht es aber ohnehin schon schlecht, so schlecht, dass sich Frankreichs Staatspräsident am Dienstagabend dazu gezwungen sah, sich in die Misere von Renault einzuklinken - der Staat hält 15 Prozent an dem Unternehmen.
Nicolas Sarkozy konnte Renault-Chef Carlos Ghosn das Versprechen abringen, das Werk Sandouville nicht zu schließen. Dort im hohen Norden bei Le Havre läuft es alles andere als rund. Der neue Laguna, den Renault produziert, erwies sich als Flop. Dabei war der Mittelklassewagen einer der Hoffnungsträger Ghosns. Nun streicht er 1000 Stellen in Sandouville. 2012 wollte Ghosn sogar das Werk ganz dichtmachen, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Doch Sarkozy schwatzte ihm zudem die Zusage ab, dort von 2012 an ein Nutzfahrzeug zu bauen.
Ghosn baut allein in Frankreich knapp 5000 Stellen ab. Seine für 2009 anvisierten Ziele kann er aller Voraussicht nach trotzdem nicht halten - weder bei der Umsatzrendite noch bei den erhofften Absatzzahlen. Vermutlich versprach Sarkozy deshalb dem Renault-Chef im Gegenzug, die "taxe professionelle", eine der vielen Steuern in Frankreich, so zu kürzen, dass die Werke wettbewerbsfähiger werden, und zwar schon von kommendem Jahr an. Bis die Maßnahme wirkt, kann Ghosn nur hoffen, dass wenigstens der neue Mégane sofort einschlägt, der auf dem Salon vorgestellt wird.
Zeitarbeiter gekündigt
Von seinen Zielen muss sich wohl auch PSA Peugeot Citroën verabschieden. Analysten rechnen mit einer Gewinnwarnung. Konzernchef Christian Streiff gibt sich zwar optimistisch. Doch ausgerechnet kurz vor dem Messestart musste er bekanntgeben, dass die Produktion in den wichtigsten französischen PSA-Werken, in Sochaux und Mühlhausen, demnächst für zwei Wochen eingestellt wird. 32.000 Wagen werden dann weniger vom Band laufen. Als Grund gab Streiff an, dass der Absatz in Westeuropa um 17 Prozent gesunken sei, um 40 Prozent allein in Spanien.
Das kann auch der gestiegene Verkauf des in Sochaux gebauten Peugeot 308 in Deutschland nicht ausgleichen. Streiff hat bereits sämtliche Neueinstellungen eingefroren. Die Gewerkschaften erwarten spätestens im kommenden Jahr einen weiteren Stellenabbau. Die Kündigung von Zeitarbeitern in der Autoindustrie schlug sich bereits negativ in der jüngst veröffentlichten Arbeitslosenstatistik nieder.
Nur der Autoverband macht kurz vor der Messe auf Optimismus: Im September hätten die französischen Hersteller wieder mehr verkauft, allerdings nur in Frankreich, und zwar dank der Staatszuschüsse für abgasarme Wagen.
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(SZ vom 02.10.2008/tob)
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