Autoindustrie 2012 Chinesen kaufen mehr Autos als die Europäer

Stau in Shanghai - in der Volksrepublik wurden im vorigen Jahr 13,2 Millionen Personenwagen zugelassen.

(Foto: Reuters)

China boomt, der Westen fällt zurück. Erstmals war der chinesische Automarkt im vergangenen Jahr größer als der europäische. Und Experten schätzen, dass China beim Pkw-Absatz nach 2030 sogar Europa, Japan und die USA zusammen überholen wird. Auch bei der Autoproduktion holt das Land rasant auf.

Von Karl-Heinz Büschemann

Das Jahr 2012 hat in der Autoindustrie die Maßstäbe verändert. Erstmals war der chinesische Automarkt im vergangenen Jahr größer als der von Europa. Das ergibt sich aus Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie VDA, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Demnach wurden in der Volksrepublik im vorigen Jahr 13,2 Millionen Personenwagen zugelassen. Gleichzeitig war in Europa der Verkauf von Personenwagen von 13,6 Millionen 2011 auf 12,5 Millionen Stück zurückgefallen.

"Es ist eine reine Zeitfrage, bis China bei den Pkw-Verkäufen auch die USA überholt", sagt dazu Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Instituts Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. Spätestens 2016 würden in China mehr Pkws verkauft als in den USA. Nach 2030 werde der Pkw-Markt in China so groß sein wie der von Europa, USA und Japan zusammen.

Europa ist für die Autoindustrie schon lange ein schwieriges Feld. Dass die Zulassungszahlen nun um eine Million Autos zurückgingen, wird im Wesentlichen mit der Euro-Krise begründet, die vor allem in Südeuropa die Kunden verunsichert. Die französischen Autohersteller Peugeot-Citroën und Renault stecken in Schwierigkeiten, Opel, die deutsche Tochter von General Motors, plant die Schließung ihres Werks in Bochum. Die europäische Tochter von Ford schreibt rote Zahlen. Die Zahl der in Europa produzierten Personenwagen war in fünf der vergangenen zehn Jahre rückläufig. Sie betrug im gerade abgelaufenen Jahr noch 15 Millionen Einheiten.

In China wird die Pkw-Produktion in diesem Jahr nach Schätzungen von Fachleuten auf 13,8 Millionen Einheiten steigen und den Abstand zu Europa weiter verringern, wo die Produktion auf dem Niveau des Vorjahres stagnieren wird.

Deutsche Pkw-Hersteller "in China mit Rückenwind unterwegs"

Die stürmische Entwicklung der Autoindustrie in China geht allerdings nicht an den klassischen Automobilproduzenten vorbei. Alle großen Autokonzerne der Welt haben in der Volksrepublik eigene Fertigungen aufgezogen, die in der Regel mit chinesischen Firmen gemeinsam geführt werden. Aus Deutschland sind Volkswagen, BMW und Daimler mit eigenen Werken vertreten. Nur etwa ein Drittel der Pkw-Fertigung des Landes geht auf rein chinesische Hersteller zurück, die ihre Bedeutung jedoch ausbauen. So gehört die schwedische Automarke Volvo inzwischen einem chinesischen Konzern.

Die deutschen Pkw-Hersteller seien "in China mit Rückenwind unterwegs", sagt Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie VDA. Die hätten ihren Marktanteil in China 2012 um gut zwei Prozentpunkte auf 22 Prozent ausgebaut. Die deutschen Autohersteller verkauften in China im abgelaufenen Jahr zusammen bereits 700.000 Neuwagen mehr als auf dem deutschen Markt.

Für Volkswagen ist die Volksrepublik China bereits der größte Einzelmarkt. Der Wolfsburger Konzern war früh dran und hat schon 1991 die Produktion in China aufgenommen und dort inzwischen mehr als sechs Millionen Autos gebaut. Die deutschen Autohersteller, die vor allem Autos der Oberklasse anbieten, schätzen den Hang der reichen Chinesen, deren Zahl rasant wächst, zum Kauf teurer Premiumautos. Der Daimler-Konzern hat wegen der Bedeutung Chinas gerade ein eigenes Vorstandsressort für diesen Schlüsselmarkt eingerichtet.