Autoindustrie Chinese wird größter Aktionär bei Daimler

  • Der Milliardär Li Shufu hat sich für über sieben Milliarden Euro 9,69 Prozent der Anteile gesichert.
  • Er ist bereits Eigentümer der Volvo-Mutter Geely.
  • Der Stuttgarter Konzern begrüßt den Investor hoffnungsvoll.
Von Stefan Mayr, Stuttgart

Daimler wird chinesisch, zumindest ein bisschen. Der chinesische Milliardär Li Shufu hat sich 9,69 Prozent der Anteile gesichert. Er ist damit der größte Gesellschafter, wie der Stuttgarter Autohersteller am Freitag Abend bestätigte. Der Wert seines Aktienpakets beträgt etwa 7,2 Milliarden Euro. Bislang war Daimlers größter Einzelaktionär der Staatsfonds von Kuwait, mit 6,8 Prozent der Anteile. Renault Nissan hält 3,1 Prozent, weitere 20 Prozent liegen bei institutionellen Anlegern wie Blackrock aus den USA oder dem Norwegischem Staatsfonds. Der große Rest ist in Streubesitz. Jetzt sind die Chinesen mit Abstand und auf einen Schlag größter Aktionär.

Daimler begrüßte den Einstieg des Eigentümers der Volvo-Mutter Geely mit warmen Worten: Man freue sich, mit Li Shufu einen "langfristig orientierten Investor" gewonnen zu haben, man "kennt und schätzt" seine "Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit der man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann." Soll wohl heißen: Gemeinsam kann man die anstehenden Herausforderungen wie Elektro-Mobilität und autonomes Fahren besser bewältigen.

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Im Gegensatz zu den Konkurrenten BMW und Volkswagen hat Daimler keine bestimmende Familie als Ankeraktionär. Damit sind die Stuttgarter anfälliger für den Einstieg etwa eines aktionistischen Investors, der bei entsprechendem Aktienanteil auch eine Zerschlagung des Konzerns fordern könnte. Zwar arbeitet Daimler-Chef Dieter Zetsche ebenfalls an einer Holding und einer Trennung der drei Sparten Pkw, Lkw und Finanzdienstleistungen. Durch den Einstieg Li Shufus ist nun aber die Wahrscheinlichkeit größer, dass Zetsche beim Umbau das Heft nicht aus der Hand gerissen wird.

China ist für Daimler längst der wichtigste Markt, dort verkaufen die Stuttgarter etwa 600 000 Pkw pro Jahr. Nachdem das Unternehmen der Konkurrenz von BMW und Audi im größten Automarkt der Welt zunächst hinterherfuhr, baute es unter anderem das Vertriebsnetz kräftig um und profitiert seitdem von sehr guten Wachstumsraten bei den Verkäufen. Inzwischen befindet sich dort auch der größte Standort des Konzerns: In einem Joint Venture mit BAIC-Motor in Peking werden 430 000 Fahrzeuge pro Jahr hergestellt - das sind 10 000 mehr als in Bremen und jeweils 100 000 mehr als in Rastatt und Sindelfingen, die größten Standorte in Deutschland.

Was Shufu langfristig plant, ist ungewiss

Schon vor einigen Wochen war durchgesickert, dass Geely mit Daimler über einen Einstieg verhandelt hatte. Damals forderte Li Shufu dem Vernehmen nach noch Sonderkonditionen, doch Daimler winkte dankend ab - mit Verweis auf die Börse, wo jedermann Aktien kaufe könne. Das tat Li Shufu nun offenbar, und zwar in großem Stil. Ob er seinen Anteil langfristig noch vergrößern will, ist unklar.

Geely gehört unter anderem die schwedische Traditionsmarke Volvo Cars. Zuletzt segneten die Chinesen eine Abkehr vom reinen Verbrennungsmotor bei Volvo ab. Der schwedische Autobauer will neue Modellreihen von 2019 an nur noch mit elektrifizierten Antrieben fertigen, wozu Elektroautos, Hybridmotoren und Verbrenner mit einem unterstützenden Elektromotor gehören. Der Schwenk ist bei Volvo vor allem eine Reaktion auf die neuen Marktgegebenheiten in China. Dort hat die Regierung eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Verkauf von Autos mit alternativen Antrieben anzukurbeln. Ende 2017 war bekanntgeworden, dass Geely auch beim Nutzfahrzeug-Hersteller Volvo Trucks zum größten Aktionär geworden ist.

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