Autoindustrie BMW und Toyota schmieden deutsch-japanisches Bündnis

Hybridmotoren gegen Leichtbauteile: BMW und Toyota wollen künftig kooperieren. Die Münchner haben gar keine andere Wahl, als sich auf dieses Experiment einzulassen. Doch ähnliche Bündnisse endeten in hässlichen Rosenkriegen.

Von Thomas Fromm

Es ist kurz vor zwölf Uhr mittags, als zwei Automanager in dunklen Anzügen über den Platz am Rande der BMW-Zentrale am Münchner Olympiapark laufen. Hochgewachsen der eine, einen Kopf kleiner der andere. Der kleinere muss zwei Schritte machen, während der andere in derselben Zeit nur einen Schritt braucht. Aber immerhin, Akio Toyoda hält mit. Er ist auf gleicher Höhe.

Das ist wichtig, denn der Chef des japanischen Autokonzerns Toyota will gleich vor der Presse erklären, wie er seine Zusammenarbeit mit BMW-Chef Norbert Reithofer ausbauen will. Der Massenhersteller Toyota, lange der größte Autokonzern der Welt, nunmehr zusammen mit BMW, dem größten Fabrikanten von Oberklasseautos: So etwas kann nur funktionieren, wenn man nebeneinander hergeht. Begegnung auf Augenhöhe.

Und doch haben die Beschlüsse der beiden Autobauer viel damit zu tun, dass Toyoda in seinem Metier ebenfalls schnell ist. Die Japaner gelten seit Jahren als Pioniere bei zukunftsweisenden Hybridmotoren - also einer Mischung aus klassischem Verbrennungsmotor und Elektromotor. Ein Vorsprung, den BMW allein kaum aufholen kann. Also will man bei Elektroantrieben und der Entwicklung von Brennstoffzellen künftig eng kooperieren. Im Gegenzug wollen die Japaner vom Know-how des Partners bei Leichtbaumaterialien und bei der Entwicklung von Bauteilen für einen umweltfreundlichen Sportwagen profitieren. Hier wiederum sind die Bayern vorne.

Obligatorische Treueschwüre

Er sei "voller Vorfreude bei dem Gedanken an die Sportwagen", die man in Zukunft zusammen entwickeln werde, sagt Toyoda. Er lächelt selig. Man muss wissen: Der Enkel des Konzerngründers ist passionierter Rennsport-Fan. Einer, der von Japan in die Eifel reiste, um bei Rennen am Nürburgring dabei zu sein. Nach dem gemeinsamen Auftritt mit dem BMW-Kollegen Reithofer testeten beide am Freitagnachmittag ein paar schnelle Autos aus München - auf besonderen Wunsch des Gastes aus Japan.

Doch zuerst muss das Duo in die Kameras lächeln und sich öffentlich die Treue schwören. Es ist sehr viel von Zukunft die Rede - und von Vertrauen. Das wird es brauchen, denn es geht um viel: Toyota und BMW wollen auf jenen Feldern kooperieren, auf denen sich die Frage nach Erfolg und Misserfolg eines Autoherstellers maßgeblich entscheiden wird. Gelingt es, gemeinsam leichte und umweltfreundliche Autos zu bauen? Koppeln sich die beiden allmählich vom klassischen Benzinmotor ab?

Schon im März hatten die zwei beschlossen, bei der nächsten Generation von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass BMW seine Dieselmotoren an die Japaner liefert. Drei Monate später geht es ans Eingemachte: Jetzt müssen beide über ihren Schatten springen und den anderen in ihre Forschungslabors schauen lassen.