Von Uwe Ritzer

Der Autozulieferer Plastal war in der Branche etabliert, ging aber trotzdem pleite. Nun will Faurecia die Franken übernehmen.

Der französische Autozulieferer Faurecia steht offenbar kurz vor einem Kauf des insolventen bayerischen Kunststoffteileherstellers Plastal. Nach Informationen aus mit dem Vorgang befassten Kreisen haben sich Verantwortliche des weltweit achtgrößten Autozulieferers und der Plastal-Insolvenzverwalter Siegfried Beck bei einem Treffen am Sonntag in Nürnberg auf Eckpunkte des Geschäfts verständigt. Es seien nur noch wenige Fragen zu klären, hieß es. Dies könne bereits in den kommenden Tagen geschehen.

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Faurecia will angeblich fünf der sechs deutschen Plastal-Standorte übernehmen. Ebenso die bislang von der Insolvenz nicht betroffenen Plastal-Auslandsgesellschaften in Spanien und Frankreich sowie die Heidelberger Tochterfirma MCI. Insgesamt zählt das Unternehmen gut 3000 Arbeitsplätze, davon etwa zwei Drittel in Deutschland. Weder Insolvenzverwalter Beck noch ein Faurecia-Sprecher wollten zum Stand der Verhandlungen eine Stellungnahme abgeben. Dass der französische Konzern (60.000 Beschäftigte, zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz), der zu mehr als zwei Dritteln dem Automobilkonzern PSA Peugeot Citroën gehört, am Kauf von Plastal interessiert ist, weiß man seit längerem. Faurecia möchte erklärtermaßen die Autokrise für Zukäufe nutzen.

Insolvenz im März

Die Firma Plastal Deutschland, die früher als Dynamit Nobel Kunststoff (DNK) firmierte, könnte in die Kunststoffsparte von Faurecia integriert werden. Bereits jetzt sind die Franzosen der drittgrößte Hersteller von Stoßfängern weltweit. Plastal Deutschland entwickelt, fertigt und lackiert Stoßfänger, Kühlergrills und andere große Kunststoffteile in hohen Stückzahlen für viele große Automobilmarken. Das Unternehmen mit Sitz in Weißenburg bei Nürnberg meldete im März Insolvenz an, nachdem zuvor der schwedische Mutterkonzern finanziell in die Knie gegangen war.

Dieser war bis dahin im Besitz des Finanzinvestors Nordic Capital. Durch die Insolvenz konnte die deutsche Tochterfirma von den Schweden abgekoppelt werden. Zu ihr gehören neben dem Stammsitz in Weißenburg auch Werke im benachbarten Pappenheim sowie in Essen, Büddenstedt (Niedersachsen), Renningen bei Stuttgart und im hessischen Sterbfritz. An Letzterem hat Faurecia dem Vernehmen nach kein Interesse. Bereits nach einer Gläubigerversammlung im Juli erklärte Plastal-Insolvenzverwalter Beck, dass der Standort Sterbfritz "technisch in der Automobilindustrie nicht mehr konkurrenzfähig ist". Er kündigte die Schließung zum Jahresende an, falls sich nicht doch noch ein Investor für die Fabrik findet. In Sterbfritz (Main-Kinzig-Kreis) sind 300 Mitarbeiter beschäftigt, die hauptsächlich Stoßstangen für Mercedes produzieren.

100 Jobs gekappt

In den anderen fünf deutschen Werken wurden während der Insolvenz bereits gut 100 Stellen gestrichen. Womöglich würden im Zuge einer Übernahme durch Faurecia weitere Arbeitsplätze wegfallen, aber ein größerer Kahlschlag stünde nicht an, heißt es jetzt. Aus Branchenkreisen verlautete, dass vor allem die großen deutschen Automobilhersteller auf einen zügigen Verkauf von Plastal drängen. Denn dieser würde dem Zulieferer langfristige Stabilität sichern.

Der bayerische Stoßfänger-Spezialist gilt im Markt als fest etabliert. Als "deutliches Signal dafür, dass man unter den Herstellern an Plastal glaubt", wertet man im Firmenumfeld einen unlängst erteilten Großauftrag von Volkswagen für eine neue Serienfertigung. Normalerweise vergeben die Automobilfirmen an einen insolventen Zulieferer keine Aufträge, zumindest nicht in dieser Größenordnung. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, soll Faurecia bereits in direkte Gespräche mit den Plastal-Kunden getreten sein, um Vertragsbedingungen neu zu verhandeln.

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(SZ vom 17.11.2009/mel)