Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Die fetten Jahre sind vorbei: Die deutschen Autohersteller müssen sich auf schlechte Zeiten einstellen, doch ein staatliches Hilfsprogramm darf es für die Branche nicht geben.

Wer immer noch glaubt, die globale Finanzkrise gehe ihn nichts an und sie sei ein Sturm, der bald vorüberziehe, dem sei in den nächsten Wochen ein Besuch bei einem Autohersteller empfohlen. Er wird auf Fabriken treffen, deren Tore verschlossen sind. Deren Mitarbeiter daheim bleiben, weil es nichts zu tun gibt. Alle Bänder stehen still: Bei Mercedes in Sindelfingen. Bei BMW in Leipzig. Bei Opel in Bochum. Weil die Kunden keine Autos mehr kaufen wollen. Nicht jetzt. Nicht inmitten einer Krise, deren Folgen viele Menschen erahnen, die aber - weil sie sich bislang vor allem in den Türmen der Banken in Frankfurt, London und New York abgespielt hat - für den normalen Bürger bislang nicht sichtbar war.

Wenn nichts mehr geht: BMW hält im Werk Leipzig (Foto) die Bänder für vier Tage an. (© Foto: ddp)

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Doch die Menschen ahnen, dass die düsteren Nachrichten, die jeden Tag auf sie niederprasseln, auch sie irgendwann erreichen werden. Und nun trifft es als Erstes ausgerechnet jene Branche, die als das Herz der deutschen Wirtschaft gilt, als wichtigste Exportindustrie: die Autoindustrie. In geradezu atemberaubender Geschwindigkeit spüren die Hersteller, wie im Gefolge der Finanzkrise weltweit die Nachfrage wegbricht - die deutschen Hersteller ebenso wie französische, japanische oder amerikanische.

Seit dem Spätsommer werden die Händler ihre Autos nur noch mit Mühe los, zunächst die großen Limousinen, weil sie zu viel Sprit schlucken und der Ölpreis immer weiter stieg. Nun fällt der Ölpreis, Benzin und Diesel sind wieder so günstig wie im Frühjahr, aber die Käufer halten sich trotzdem zurück; auch kleine Autos, die wenig verbrauchen, können die Händler nur noch mit hohen Rabatten losschlagen. Wenn überhaupt.

Die Autoindustrie erlebt immer wieder Absatzkrisen, doch diese lässt sich mit keiner vorangegangenen vergleichen. Solch einen plötzlichen Einbruch hat es noch nie gegeben: Die Krise begann, wo auch die Finanzkrise ihren Anfang nahm - in den USA. Wenn Millionen Menschen ihr Haus verlieren, wenn sich große und kleine Vermögen in Luft auflösen und selbst Sparkassen zusammenbrechen, ist es nur zu natürlich, dass die Kunden ihr Geld beisammen halten. Und wenn die Autohersteller auch noch die falschen Fahrzeuge anbieten, zu große Limousinen und zu schwere Geländewagen, die nicht mehr in die Zeit passen, dann verschärft dies die Probleme.

Fahrzeuge auf der Halde

Die Optimisten dachten noch im Sommer, die Krise träfe in erster Linie die amerikanischen Hersteller. Den Realisten war früh klar, dass auch die europäischen Hersteller ein wenig leiden würden, denn sie verkaufen sehr viele Autos in den USA. Nur einige wenige Pessimisten warnten, dass der Autoindustrie ein Crash bei den Absatzzahlen drohe. Genau dieser Crash steht nun bevor: 2008 werden in Westeuropa wohl nur 13,7 Millionen Autos abgesetzt, über eine Million weniger als 2007. Im kommenden Jahr rechnen Brancheexperten mit 12,4 Millionen Stück.

Lesen Sie weiter, warum ein allgemeines Konjunkturprogramm helfen kann.

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