In Nischnij Nowgorod, der Heimat von Gaz, glauben nicht viele, dass es zur Zusammenarbeit mit Opel kommt. Nur offen sagt das keiner. Ein Besuch in einer Stadt zwischen Hoffnung und Resignation.
Im Grunde wird das Auto ja überschätzt. Es stinkt und macht Dreck, und die Städte ersticken in Staus. "Die Menschen sollten Fahrrad fahren und die Regierung könnte von mir aus den Hubschrauber nehmen", sagt Alexander Jurkow. Er, 75 Jahre und Künstler, hat nie ein Auto besessen. Auf einem Bild zeigt er einen Kleinwagen. Er weiß nicht mal, welche Marke. Als er noch Bühnenbildner war, hat er für den Kulturpalast des Gorki Automobilwerks - kurz Gaz - Szenen entworfen. Nachdem die Werktätigen den Wolga zusammengeschraubt hatten, die dampfergroße Tschaika (Möwe) oder den triumphalen buckeligen Pobeda (Sieg) erholten sie sich bei Gorki und Ostrowskij.
Autoproduktion bei Gaz im russischen Nischnij Nowgorod. (© Foto: Reuters)
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Dass Gaz heute pleite ist, dass der Betrieb umgerechnet eine Milliarde Euro Schulden hat und die angepeilte Zusammenarbeit mit Opel als letzte Rettung gilt, Jurkow hat es gehört: "Schade um die Arbeitsplätze, ansonsten: verzichtbar." Er macht Bilder aus Blättern, die er in Fitzel schneidet und zusammensetzt: "Die Technik hab ich entwickelt. Das Material kostet nichts, und die eingeschränkte Farbpalette ist eine Inspiration."
Mit seiner Auto-Feindschaft steht Alexander Jurkow allerdings ziemlich allein da. Für die Arbeiter, die zum Schichtwechsel aus dem Gaz-Werk strömen durch das granitene Tor mit dem Gazellen-Logo obendrauf und den Lenin-Medaillen darunter, für diese Arbeiter sind Autos das Leben.
Erbärmliche Auftragslage
Olga Serebnikowa (Name geändert, d.Red.) zum Beispiel, arbeitet in der Gießerei, einem der wenigen profitablen Zweige von Gaz, und trotzdem seit Januar nur drei Tage in der Woche, so wie alle. Olga verdient nur noch halb so viel wie früher, hat den Urlaub gestrichen, Reparaturen verschoben, beschränkt sich aufs Essen und Arbeiten: "Anders als in den Neunzigern kriegen wir wenigstens unser Geld", sagt sie ergeben.
40.000 Menschen arbeiteten bei Gaz in Nischnij Nowgorod. Allein von September bis Mai wurden 10.700 entlassen. Bis Juli hat der Betrieb 8000 weitere Kündigungen angemeldet. Zur gesamten Gaz-Gruppe gehören 116.000 Mitarbeiter, die das Management auf die Hälfte verringern will. Die Zeitschrift Trud zählte den Konzern zu den fünf größten Rausschmeißern weltweit. Es gibt Umschulungsprogramme. Durch Arbeiten für die Kommune können sich die Kurzarbeiter ein paar Rubel dazuzuverdienen. Trotzdem sagt Olga: "Wie soll die Stimmung schon sein? Erbärmlich."
Die Auftragslage ist es auch. Im ersten Quartal ist die Nachfrage nach Gaz-Modellen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Mit großer Geste hatte der Betrieb im vergangenen Jahr die neuen Produktionsstraßen für den Wolga Siber in Betrieb genommen, einen russifizierten Chrysler Sebring, der den über Jahrzehnte nur minimal modifizierten Wolga ablösen sollte.
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Zitat: "Der Autojournalist Sergej Aslanjan bemerkte, andere Länder mit exzellenter technischer Reputation hätten ja auch keine eigene Automarke. Zum Beispiel die Schweiz".
Vielleicht noch nicht Global-Player, aber einige feine Automobiladressen gibts schon in der Schweiz, z.B. Franco Sbarro und Rinspeed. Auch MARTINI of SwitzerLand wird wieder genannt und zwar als neuer Volumenproduzent. Da ist man an einem neuen Elektroauto dran und plant ab Herbst 2010 rund 100'000 Stück zu produzieren!
Hier noch die technischen Daten:
Integriertes elektrisches Antriebssystem (Elektronik und Motor) bis zu den allerhöchsten Drehzahlen (bis zu 1 Million Umdrehungen pro Minute).
Es wird kein Motorraum benötigt, da die Elektromotoren entweder auf den Achsen sitzen oder es kommen Radnabenmotoren zum Zug. Dadurch eine optimale Gewichtsverteilung von 50/50.
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Solarstrom durch die Karosserie. Die Technologie lässt sich am besten als künstliche Photosynthese beschreiben, bei der ein Elektrolyt, eine Schicht Titandioxid (ein in weißer Farbe und Zahnpasta verwendetes Pigment) und ein Ruthenium-Farbstoff benutzt werden. Durch Lichteinfall in den Farbstoff werden Elektronen angeregt, die vom Titandioxid absorbiert werden. Dabei entsteht ein elektrischer Stromkreislauf, der um ein Vielfaches stärker ist als der, der sich bei der natürlichen Photosynthese in Pflanzen ergibt. Im Vergleich zu herkömmlicher photovoltaischer Technik auf Siliziumbasis sind bei dieser Technologie die durch die Herstellung entstehenden Kosten und die graue Energie niedriger, und selbst bei schwachen Lichtverhältnissen wird Elektrizität effektiver produziert. Es wird somit keine direkte Sonneneinstrahlung benötigt.
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