Der Fall Opel beschäftigt jetzt auch die Kanzlerin: Angela Merkel lädt die Spitzen des angeschlagenen Konzerns zum Gespräch nach Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Spitzen des Autokonzerns Opel für Montag zu einem Krisengipfel eingeladen. An dem Treffen sollen der Europa-Chef von General Motors, Carl-Peter Forster, Deutschland-Chef Hans Demant und der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz teilnehmen. Man werde sich "Schritt für Schritt mit der Situation vertraut machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen", sagte Merkel am Rande des G20-Gipfels in Washington.

Opel, Reuters

Die Bundesregierung will mit Opel über die geforderte staatliche Bürgschaft sprechen - bedingungslose Hilfe verspricht sie indes nicht. (© Foto: Reuters)

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Zuvor hatte bereits Finanzminister Peer Steinbrück bestätigt, dass die Bundesregierung die Forderungen des deutschen Automobilbauers auf staatliche Hilfen prüfe. Opel war am Freitag als erster deutscher Autohersteller an Bund und Länder mit dem Wunsch herangetreten, staatliche Bürgschaften zu erhalten.

Die Bundesregierung will Hilfen für angeschlagene Autokonzerne allerdings an Bedingungen knüpfen. Es gehe dabei zum Beispiel um Standortsicherung und Arbeitsplätze, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der Bild am Sonntag. "Wenn wir Steuergeld zur Rettung internationaler Automobilkonzerne riskieren, dann werden wir Bedingungen stellen. Bei Rettungsaktionen wollen wir mitreden", betonte Glos.

Überlegungen für Daimler-Sparprogramm

Auch der Betriebsrat des Autoherstellers Opel fordert als Bedingung für staatliche Hilfen konkrete Zusagen für Werke, Stellen und Investitionen. "Die Politik muss sicherstellen, dass die Gelder nicht aus dem Opel-Verbund abfließen können", sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz Nachrichtenagentur dpa.

SPD-Kanzlerkandidat und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Betriebsräte der deutschen Autoindustrie für Montagabend zu einem Krisengipfel nach Berlin eingeladen. Das Treffen werde im Auswärtigen Amt stattfinden, bestätigte ein Sprecher des SPD-Politikers am Samstag auf Anfrage Meldungen der Nachrichtenmagazine Focus und Spiegel.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stürzt die Krise des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM) den Rüsselsheimer Hersteller in akute Finanznot. Danach hat Opel derzeit offene Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro an GM. Hinzu komme ein absehbarer Bedarf an Liquidität von etwa einer Milliarde Euro im kommenden Jahr.

GM soll seiner deutschen Tochter laut einem Zeitungsbericht inzwischen allerdings einen Beitrag von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt haben. Die US-Konzernmutter, deren drohende Insolvenz Opel erst unter Druck gebracht hatte, wolle der Tochter Vermögenswerte in Europa als Sicherheiten für Kredite überlassen. Geld solle nicht fließen, schreibt die Bild am Sonntag unter Berufung auf Berliner Regierungskreise.

Doch Opel ist nicht der einzige deutsche Autohersteller, der durch die Finanzkrise in Bedrängnis geraten ist. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche soll derzeit ein neues Sparprogramm prüfen. Die Maßnahmen könnten noch vor Weihnachten beschlossen werden, berichtet die WirtschaftsWoche in ihrer neuen Ausgabe.

Im Fokus stehe dabei die Kernsparte Mercedes Car Group mit ihren Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach. Mehrere Unternehmensberatungen seien beauftragt worden, umfassende Konzepte zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung vorzustellen. Daimler wollte sich am Samstag nicht zu dem Bericht äußern.

Massiver Jobabbau droht

Zwischen Frühjahr 2005 und Herbst 2007 war durch das Vorgängerprogramm "Core" das Konzernergebnis um insgesamt 7,1 Milliarden Euro verbessert worden. Den Einsparungen bei Daimler fielen allerdings auch insgesamt fast 10.000 Arbeitsplätze zum Opfer.

Auch jetzt droht der deutschen Autoindustrie nach Einschätzung von Experten ein massiver Stellenabbau. Ende 2009 werde es 100.000 Jobs weniger geben als heute, wenn die Politik nicht schneller und effektiver gegensteuere, sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der Nordwest-Zeitung.

"Im Laufe des Jahres 2009 werden 20.000 Arbeitsplätze bei deutschen Autokonzernen und Zulieferern wegfallen. Außerdem dürfte die Zahl der Zeitarbeiter um 80.000 reduziert werden", wurde der Professor zitiert. Die Krise könnte nach Dudenhöffers Einschätzung noch zwei Jahre dauern.

Auch die Zulieferindustrie wird die Auswirkungen der Krise einem Experten zufolge zu spüren bekommen. "Bis Mitte nächsten Jahres wird die Branche voraussichtlich mehr als 20.000 Arbeitsplätze verlieren", schreibt Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Willi Diez, im Tagesspiegel am Sonntag.

Ein Ende der Krise wird laut Dudenhöffer noch auf sich warten lassen: "Erst gegen Ende 2010 werden wir die Märkte wieder in den Griff bekommen", sagte er. "Dann haben die Hersteller die Nase vorn, die sich zu diesem Zeitpunkt mit neuen Modellen und fortschrittlicher Spritspartechnologie präsentieren. Sie dürfen jetzt in der Krise nicht sparen, sondern müssen in ihre Flotte investieren." Eine solche Krise könne für die deutsche Industrie auch die Chance sein, Marktanteile zu gewinnen.

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(sueddeutsche.de/AP/dpa/gal/tob)