Die Fehler der Konzernmutter General Motors holen die deutsche Tochter Opel jetzt ein. Dabei hatte das Unternehmen mit Stammsitz Rüsselsheim in den letzten Jahren vieles richtig gemacht.
Opel ist in Deutschland nicht unbedingt führend. Die Marke hat bei vielen Menschen keinen besonders guten Ruf. So war es, so ist es und so wird es wohl vorerst auch bleiben. Denn die deutsche Tochter des US-Konzerns General Motors ging nun in Führung, allerdings nicht bei den Verkaufszahlen, sondern im Wettlauf um staatliche Hilfen.
Opel in der Krise: Geht es mit General Motors in den USA weiter bergab, dann könnte auch die deutsche Tochter in Mitleidenschaft gezogen werden. (© Foto: ddp)
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Opel-Chef Hans Demant schlüpfte in die undankbare Rolle des ersten, der sich traute, was bislang undenkbar schien. Er bat die Bundesregierung und die vier Landesregierungen, in denen es Werke gibt, um Bürgschaften. Ford Deutschland als die Tochter eines weiteren amerikanischen Autokonzerns dürfte bald folgen.
Die Dämme brechen. Denn unter Hinweis auf die vom designierten amerikanischen Präsidenten Barack Obama geplanten Milliarden-Hilfen für die "Big Three" aus Detroit GM, Ford und Chrysler haben auch schon Topmanager von Audi und BMW von gravierenden Wettbewerbsnachteilen gesprochen, die gerade den Herstellern luxuriöser Automobilen drohen. Sie befinden sich nicht nur in Nordamerika im unmittelbaren Wettbewerb in der global aufgestellten Autoindustrie.
Nun dürfte es also nur noch eine Frage der Zeit sein, wann auch die anderen von der Finanzkrise erwischten Autohersteller in Berlin, Brüssel und überall sonst vorsprechen werden, wo sich Staatsgelder oder -garantien abgreifen lassen. Eher als Tarnmanöver ist es da wohl werten, wenn nicht Autohersteller Hilfe für sich selbst beantragen, sondern verschämt ihre Banktöchter unter den staatlichen Schirm schieben. Der Unterschied zwischen Liquiditätshilfen, also Bargeld, und Bürgschaften als Rettungsschirm für den Notfall, erscheint dabei dem Publikum eher marginal. Entscheidend für Wähler und Steuerzahler ist die unangenehme Botschaft, dass offenbar ohne den Staat in der wichtigsten Schlüsselindustrie nichts mehr läuft.
Zurück zu Opel: GM-Europachef Carl-Peter Forster, Opel-Boss Demant und ihr Team haben in den vergangenen Jahren einen guten Job gemacht. Die europäischen Werke arbeiten heute stromlinienförmig, sie wurden bereits vor Jahren verschlankt, wenigstens die Russen kauften viele Opel. Nun wird die europäische GM-Division von den Problemen der zu lange auf Amerika fixierten Zentrale eingeholt. Das ist bitter für die 25.700 Mitarbeiter in Deutschland. Die waren auf einem guten Weg. Denn selbst in den Augen von Wettbewerbern sind die Autos von heute deutlich besser als der Ruf der Marke Opel.
- Automobilindustrie Opel braucht Hilfe vom Staat 14.11.2008
- Opel: Leiden an General Motors Das Opel-Dilemma 11.11.2008
- Degler denkt Bettler in Brioni 12.11.2008
(SZ vom 15.11.2008/mel)
Großprojekte in Berlin
Solange der Absatz lief, gab es in der deutschen Automobil-Industrie nur einen Bestimmer, den Eigentümer. In die Verwaltung der Gewinne ließ er sich nie reinreden. Auf der Gewinnseite tritt nun offensichtlich eine längere Pause ein und schon wird Druck auf den Staat gemacht. Nichts bringt diesen eher zur Hektik als die Drohung mit den gefährdeten Arbeitsplätzen, was auch mit den bevorstehenden Wahlen zu tun hat. Was lehrt uns dieser Sachverhalt: Aktionäre und Manager sind deutsche Elite solange Gewinne sprudeln, sie werden hilflose Personen mit Bankrottperspektiven, wenn die Plusmacherei versiegt.
Dann sind sie sogar bereit zur Staatswirtschaft überzugehen. Als Eigentümer melden sie sich am Ende der Krise wieder. Das wird aber ein Weilchen dauern.
ich würde diese Überschrift mit einem Fragezeichen versehen.
Wer wie die gesamte deutsche Autoindustrie, weiterhin die "Zukunft" verpennt und an den wünschen der Kunden vorbei produziert, darf einfach nicht auf staatliche Unterstützung hoffen. Zu deutlich sind da entsprechende Aussagen der Industrie, der Markt wird alles regeln, um jetzt heuchlerisch staatliche Unterstützung zu fordern.
GM ist schon seit Jahren ein marodes Unternehmen und vom Pleitegeier bedroht. So bitter es auch für die Mitarbeiter von Opel sein mag, aber wie will man es dem deutschen Steuerzahler vermitteln, hier Geldmittel, bzw Staatsbürgschaften zu gewähren.
Das Beispiel "Philipp Holzmann AG" sollte den Politikern Warnung genug sein.