Drastischer Schritt: Weil die Autos zu Ladenhütern verkommen, drosselt Daimler massiv die Produktion - und erwägt Kurzarbeit für alle deutschen Werke. Der Betriebsrat ist aufgescheucht, es laufen Gespräche über die Absicherung der Mitarbeiter. Auch BMW drosselt die Fertigung.
Die Absatzkrise in der Autoindustrie setzt die Führung des Autokonzerns Daimler unter Zugzwang. Weil die Verkaufszahlen massiv eingebrochen sind, führt Unternehmenschef Dieter Zetsche nun Kurzarbeit ein.
Über Weihnachten stehen die Bänder still, danach laufen sie nur auf Sparflamme. Daimler erwägt Kurzarbeit in allen deutschen Werken von Mitte Januar an. (© Foto: ddp)
Anzeige
Im größten inländischen Mercedes-Werk in Sindelfingen bei Stuttgart wird ab dem 12. Januar nur noch reduziert gearbeitet. Teilweise werde es eine Vier-Tage-Woche geben, vor allem im März auch Wochen mit nur drei Arbeitstagen.
28.000 Mitarbeiter sind dort von dieser Maßnahme betroffen, sagte Betriebsratschef Erich Klemm. Die Zeitkonten der Mitarbeiter seien ausgereizt. Kurzarbeit sei zuerst einmal bis 31. März geplant. Klemm will erreichen, dass die Beschäftigten mit dem Kurzarbeitergeld mindestens 90 Prozent ihres normalen Nettoentgelts erhalten.
Gespräche für alle Standorte
Betroffen sein wird auch das wichtige Komponentenwerk in Stuttgart-Untertürkheim. Dort sei im Januar, Februar und März Kurzarbeit geplant, teilte die Daimler-Betriebsratsgruppe "alternative" in einem Flugblatt mit.
Daimler gehe davon aus, dass die Produktion in den ersten drei Monaten kommenden Jahres um mehr als 30 Prozent heruntergefahren werde. Daher plant das Management für die Montage- und Komponenten-Standorte Sindelfingen, Berlin, Düsseldorf und Bremen bereits Kurzarbeit ein.
Wegen der gedrosselten Fahrzeugproduktion wird dem Betriebsrat zufolge auch die in Stuttgart-Untertürkheim angesiedelte Fertigung von Komponenten wie Motoren, Achsen und Getrieben voraussichtlich von Kurzarbeit betroffen sein. Ende dieser Woche gehen die meisten der rund 23.000 Beschäftigten des Werks Untertürkheim in eine vierwöchige Zwangspause bis Mitte Januar.
Der Konzern selbst bestätigte, dass derartige Maßnahmen zur Diskussion stehen. An allen Standorten bundesweit werden Gespräche über Arbeitszeitkürzungen geführt, berichtete eine Daimler-Sprecherin. Am Vormittag hatte es Betriebsversammlungen im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim und in Sindelfingen gegeben. Dort wurden die Beschäftigten über die Pläne der Unternehmensleitung informiert. Durch eine Betriebsvereinbarung sind die Beschäftigten bis Ende 2011 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.
Verfrühte Weihnachtsferien bei BMW
Der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart war im November um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Sindelfingen ist das größte inländische Mercedes-Werk. Hier rollen unter anderem die C-, E- und S-Klasse vom Band.
In diesem Jahr werden bei Daimler etwa 80.000 bis 100.000 Autos weniger gebaut als geplant, wie aus vertrauten Kreisen verlautete. An allen 14 Standorten in Deutschland werden insgesamt 150.000 Daimler-Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien von bis zu vier Wochen geschickt.
Beim Konkurrenten BMW sieht es nicht viel besser aus. Wegen der Absatzkrise schickte der bayerische Autohersteller die Beschäftigten seines Münchner Stammwerks schon zu Nikolaus in die Weihnachtsferien. "Ab Montag fangen die Weihnachtsferien im Werk München an", sagte Unternehmenssprecher Marc Hassinger. Es würden Überstunden abgebaut. Mitte November war bekanntgeworden, dass BMW wegen des Absatzeinbruches in mehreren Werken Produktionspausen einlegt.
BMW will 2008 ungeachtet der Krise etwa so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Rekordjahr 2007. "In Deutschland liegen wir aktuell noch über dem Vorjahresabsatz. Ende des Jahres werden wir wohl annähernd auf dem Niveau von 2007 landen", sagte Philipp von Sahr, Leiter des Deutschland-Vertriebs, dem Tagesspiegel.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Ärger mit Cerberus Daimler soll draufzahlen 27.11.2008
- Daimler "Exotische Konstellation" 17.11.2008
- Autohersteller in der Krise Nichts ist mehr sicher beim Daimler 14.11.2008
- Produktionsstopp bei Audi Weihnachten - einfach verlängert 10.11.2008
- Absatzkrise Daimler stoppt Produktion für fünf Wochen 26.10.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
(sueddeutsche.de/Reuters/AP/tob/mel)
Demonstrationen in Hamburg
zur Not müssen wir wieder bürgen und zahlen und ansonsten kaufen wir halt nur noch mercedes, bmw und was halt sonst noch aus der portokasse zu zahlen ist.
Da sind sie wohl nur mäßig informiert. Allein die VW-&-Produktion(!) dürfte schon ungefähr doppelt so hoch ausfallen ;-)
Ebenso wie die AZ gibt sie viele Exemplare an Krankenhäuser ab, diese gelten wohl als verkauft, nur zu welchem Preis? 1 Ct ?
Bevor man immer in die Ferne guckt, wäre es doch wesentlich einfacher Informationen aus der Nähe zu bringen. Wie schaut es denn mit der verkauften Auflage aktuell bei der SZ aus? Bringen Sie doch da mal eine Zahlenreihe seit dem Jahresanfang und erzählen Sie den Lesern, ab welcher Marke auch hier Kurzarbeit angezeigt ist.
Wenn die SZ immer noch stabile Verkaufszahlen hat, dann frage ich mich allerdings, wie diese ganzen tiefschwarzen Artikel entstanden sind. Mit denen verbreitet man doch das unumrückbare Wissen, daß GANZ Deutschland darnieder liegt - wohl bis auf eine kleine Insel der Glückseligkeit in Steinhausen.
Die westlichen Märkte sind weitgehend gesättigt - die Inder und Chinesen bauen sich ihre Autos selbst. Benzin wird langfristig wieder teurer und knapper. Weiteres Wachstum kann es in der Autobranche gar nicht geben. Die Autobauer müssen nun längst überfällige Innovationsschritte machen: Kurzfristig sparsamere Autos, mittelfristig andere Antriebskonzepte, weg vom Verbrennungsmotor.
Auch der Irrsinn, dass jeder Hersteller meint, die ganze Modellpalette von Kleinwagen über Mittelklasse, Van und SUV bis zur Luxuslimousine abdecken zu müssen, dürfte ein Ende haben. Das Resultat war auch unter Design-Kriterien nicht toll: Die meisten Autos ähneln wie ein Ei dem anderen. Ein Überangebot austauschbarer Blechbüchsen. Dieser Bedarf ist einfach nicht mehr da. Wer klug ist, verschlankt sich und sucht sich rentable Nischen.
Paging