Von Thomas Hammer

Studie: Bisher zahlen Kunden 23,49 Euro je Zahlschein in der EU. Kommission ermahnt Banken.

(SZ vom 10.11.) - Eigentlich müsste die Bankenbranche der Vorreiter sein, wenn es darum geht, die Vorteile und Rationalisierungsmöglichkeiten des Euros zu nutzen und den grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr einfacher und billiger zu gestalten.

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Ein Trugschluss: Wer heute eine Überweisung nach Frankreich oder Italien veranlassen will, kommt meist nicht günstiger weg als vor zehn Jahren. Viele Bankkunden erleben eine böse Überraschung, wenn nach einer Überweisung ins Euro-Nachbarland die Gebührenabrechnung ins Haus flattert.

Eine Studie der EU-Kommission zeigte vom März ein ernüchterndes Ergebnis: Für Auslandsüberweisungen innerhalb der Eurozone werden von den Banken im Schnitt 23,49 Euro an Gebühren kassiert. "Damit hat sich seit 1993 die Gebührensituation für den Bankkunden praktisch nicht verbessert", schreiben die Verfasser der Untersuchung.

Es könnte auch billiger gehen

Noch heute hält die Bankenbranche in den Euro-Teilnehmerländern an den althergebrachten nationalen Abrechnungssystemen im Zahlungsverkehr fest. Die Zahlungen werden in den meisten Fällen über Korrespondenzbanken abgewickelt, und die Systeme der einzelnen Bankengruppen sind dabei nicht kompatibel.

Die Folge: Unübersichtliche und uneinheitliche Formulare, teure Einzelerfassung der Belege und hohe Fixkosten bei kleinem Transaktionsvolumina.

Aber es könnte auch billiger gehen. Die europäischen Zentralbanken verlangen im innereuropäischen Zahlungsverkehr pro Überweisung maximal 1,75 Euro von der auftraggebenden Bank, wenn die Zahlung über deren "Target"-System weitergeleitet wird. Dennoch muss der Kunde im Schnitt mehr als 20 Euro an Gebühren berappen.

EU-Kommission mahnt seit Jahren

Schützenhilfe erhalten verärgerte Bankkunden von der EU-Kommission. "Seit elf Jahren mahnt die Kommission das Bankgewerbe vergeblich, Zahlungsverkehrssysteme einzurichten, die einem Binnenmarkt angemessen sind", schimpft EU-Binnenmarkt-Kommissar Frits Bolkestein.

Und Kommissionspräsident Romano Prodi sekundiert: "Wir können nicht hinnehmen, dass die Vorteile der einheitlichen Währung nicht an die Bürger weitergegeben werden."

Per Verordnung wollen die Kommissare nun den Banken-Technokraten Beine machen. Von 2003 an sollen die Institute verpflichtet werden, für Überweisungen innerhalb der Euro-Länder keine höheren Gebühren als für Inlandsüberweisungen zu verlangen. "Dieser Zeitraum muss den Banken reichen, um ihre Zahlungsnetze zu automatisieren", so das Ultimatum aus Brüssel am 25. Juli.

Kartenfirmen machen Druck

Vor dem Hintergrund des drohenden Gebührendiktats per Gesetz haben die Banken nun eingelenkt. "Die Studie der EU zeigt schon, dass die Verhältnisse nicht so bleiben können", gibt Nikolaus Bömke, Generalsekretär der Europäischen Bankenvereinigung (FBE), kleinlaut zu.

Der Verband schlägt nun einen Stufenplan vor, nach dem die Gebühren für Auslandsüberweisungen innerhalb der EU-Länder von Mitte 2002 bis 2006 schrittweise auf das Niveau inländischer Transaktionen gesenkt werden soll.

Ab Juli 2002 sollen Überweisungen in EU-Länder maximal zwölf Euro teurer sein als inländische Überweisungen. Anfang 2004 soll der Aufschlag nur noch acht Euro und ab 2005 maximal vier Euro betragen. Eine ähnliche Regelung soll bei Abhebungen an Geldautomaten innerhalb der EU gelten.

Mit ein Grund für die rasche Kompromissbereitschaft der Banken dürfte die Ankündigung einiger Kreditkarten-Organisationen sein, in das Geschäft mit Auslandsüberweisungen einzusteigen. Die Kartenanbieter wollen ihre Erfahrung im internationalen Zahlungsverkehr künftig nutzen, um den Banken bei grenzüberschreitenden Überweisungen Marktanteile abzujagen.

Post bei Kleinbeträgen eine Alternative

Sowohl bei Visa als auch beim Konkurrenten Europay/Mastercard gibt es Pläne, Auslandsüberweisungen für Privatkunden anzubieten. Vorteil für den Kunden: Die Kartengesellschaften haben hoch entwickelte und effiziente Abwicklungssysteme, bei denen pro Überweisung lediglich Gebühren im Pfennigbereich anfallen würden.

Bis zur Umsetzung der Pläne zur Gebührensenkung oder den ersten Billigangeboten von Kreditkartengesellschaften bleibt dem Verbraucher nichts anderes übrig, als entweder die hohen Gebühren zu berappen oder sich nach günstigeren Angeboten umzuschauen. Vor allem bei häufigeren Auslandsüberweisungen sollten die Kostensätze verschiedener Institute verglichen werden - denn je nach Bank klaffen die Gebühren oft weit auseinander.

Wenn es um Kleinbeträge geht, bietet die Deutsche Post eine interessante Alternative: Wer Bargeld per Wertbrief ins europäische Ausland schickt, bezahlt bei einem Betrag von 400 DM nur 8,10 DM Porto - das ist in aller Regel billiger als eine Auslandsüberweisung.

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