Wirtschaftsminister Glos setzt sich für die Verschärfung einer entsprechenden EU-Verordnung ein - die Kunden könnten bis zu fünf Milliarden Euro sparen.
Die Bundesregierung will Handy-Telefonate weiter verbilligen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verlangt Berlin eine Verschärfung der EU-Verordnung gegen überhöhte Mobilfunk-Tarife im Ausland. Millionen Touristen und Geschäftskunden könnten dann bei ihrer Handy-Rechnung Hunderte Euro sparen.
Handy-Telefonie im Ausland könnte bald billiger werden. (© Foto: ddp)
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Die Brüsseler Kommissarin Viviane Reding wirft den Mobilfunk-Konzernen vor, Kunden im Ausland abzukassieren. Kurze Gespräche kosteten ein bis drei Euro pro Minute. Insgesamt zahlten Geschäftsleute und Touristen fünf Milliarden Euro Roaming-Gebühren im Jahr, die Reding möglichst auf null senken will. Telefonieren im Ausland würde dann in etwa genauso viel kosten wie im eigenen Land. Doch gegen Redings geplante EU-Verordnung wehren sich die Regierungen von Großbritannien, Spanien und Italien, deren Mobilfunk-Konzerne bisher Milliarden Euro an den hohen Auslandstarifen verdienen.
Jetzt springt die Bundesregierung Brüssel bei - und verschärft Redings Plan sogar. Die Bundesregierung hat in den EU-Verhandlungen über die Verordnung den britischen Wunsch abgelehnt, die Preissenkung von ein bis drei Euro auf höchstens 60 Cent pro Minute zu verschieben. Außerdem will Berlin das Telefonieren im Ausland noch billiger machen. Außer dem neuen Standard-Tarif von höchstens 60 Cent pro Minute sollen die Mobilfunk-Konzerne weitere Auslandstarife anbieten können: etwa einen Festpreis für einen Zeitraum, egal wie viel der Kunde telefoniert (Flatrate), oder für Handys mit Internet- und Fotofunktion eine Abrechnung per Datenmenge (Volumentarif). Dadurch müssten viele Kunden sogar noch weniger zahlen, als wenn sie den Standard-Tarif wählen.
Die Mobilfunk-Konzerne sollen den Kunden vorrechnen, bei welchen Telefon-Gewohnheiten die anderen Tarife für sie günstiger sind als der Standard. Außerdem schreibt Berlin klare Regeln vor: "Bedingung ist, dass die Kunden stets die Möglichkeit haben, binnen kurzer Frist zum Standard zurückzukehren, etwa wenn sie eine Flatrate nicht ausschöpfen können", heißt es in dem Papier, das der SZ vorliegt.
Ziel: Urlaubssaison
Wirtschaftsminister Michael Glos und Staatssekretär Joachim Wuermeling (beide CSU) wollen aufs Tempo drücken: Trotz des Widerstands der Südländer und Briten soll die Preissenkung bereits zur Urlaubssaison im nächsten Jahr gelten. Sobald sich die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament geeinigt haben, kann die Verordnung in Kraft treten. Weil die Bundesregierung am 1. Januar nächsten Jahres die EU-Präsidentschaft übernimmt, kann sie die Verhandlungen jetzt steuern.
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