Aus für Solargeschäft Siemens hat keine Hoffnung auf eine Wende

Die internationale Politik hat sich längst eingeschaltet, um Jobs in Europa und den USA zu retten. Die Regierung in Washington verhängte unter US-Präsident Barack Obama in diesem Jahr Strafzölle. Die Europäische Kommission hat auf Druck europäischer Solarkonzerne das größte Anti-Dumping-Verfahren ihrer Geschichte gegen Chinas Solarwirtschaft eingeleitet. Der Verdacht an die Adresse Pekings: Chinas Firmen könnten versuchen Konkurrenten mit unfairen Preisen zu bekämpfen.

Doch bei Siemens hat das Management offenbar wenig Hoffnung auf eine rasche Wende. Im Bereich Fotovoltaik beschäftigt Löschers Konzern 160 Mitarbeiter weltweit. Siemens fertigt keine Solarzellen oder Solarpanele, sondern kauft die Technik ein und errichtet als Generalunternehmer für Investoren kleine Solarkraftwerke. Doch nachdem Regierungen Subventionen für Solarstrom gekürzt hatten, werden immer weniger Sonnenkraftwerke gebaut.

Auch bei Solarthermie-Projekten wie Desertec kommen die Geschäfte wohl erst im größeren Stil in mehreren Jahren in Gang. Derzeit machen den Planern die Umwälzungen in Nordafrika zu schaffen. Siemens trennt sich wohl auch deshalb von dem 2009 für 284 Millionen Euro gekauften israelischen Solarthermie-Spezialisten Solel mit heute 520 Beschäftigten. Siemens hat in dem Bereich nie Gewinn erwirtschaftet.

Solar nein, grüne Energie ja

Ein Rückzug aus der grünen Energie sei dies allerdings nicht, heißt es aus dem Konzern. Siemens sieht erneuerbare Energien nach eigenen Angaben weiterhin als Wachstumsmarkt an, setzt aber nun ausschließlich auf Wind- und Wasserkraft. Insgesamt machte Siemens mit erneuerbaren Energien zuletzt 3,9 Milliarden Euro Umsatz.

Anders als im Solar-Markt läuft das Windgeschäft für Siemens profitabel. Der Konzern hat hier 9000 Mitarbeiter und einem Auftragsbestand von mehr als zehn Milliarden Euro. Bei Windparks auf See ist der Konzern Weltmarktführer. Auch das Joint-Venture Voith Hydro für konventionelle Wasserkraftwerke schreibt schwarze Zahlen und soll weiterlaufen. In der Solarbranche hofft Siemens zudem weiter auf Abnehmer. Der Konzern werde nach wie vor Generatoren und Netztechnik für Solarparks anbieten. Derartige Technik will das Unternehmen auch für die Wüstenstrominitiative Desertec liefern - wenn Unternehmen erst einmal damit angefangen haben, die Vision von Solar- und Windparks in Nordafrika zu realisieren.

Für die Desertec-Planungsgesellschaft DII gilt der Ausstieg dennoch als Rückschlag. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung prüft neben Siemens auch der deutsche Konzern Bosch seinen Ausstieg aus dem Wüstenstromprojekt. Damit würden zwei prestigeträchtige Gesellschafter zum Jahresende ihre Mitgliedschaft kündigen. Eine Sprecherin äußerte sich zunächst nicht zu den Informationen. "Für uns ändert sich nichts", sagte DII-Chef Paul van Son der SZ. "Unser Ziel bleibt es, den Menschen in Nordafrika und dem Nahen Osten mit Strom zu versorgen und ihre Zukunft zu gestalten."

Der Gründer der israelischen Solarfirma Solel kann den Ausstieg von Siemens nicht verstehen - und sieht offenbar für den Geschäftsbereich eine Zukunft. Der frühere Chef des Solartechnikspezialisten erwägt nun sogar die Firma von Siemens zurückzukaufen. "Heute ist kein guter Tag für die Solarindustrie", erklärt Avi Brenmiller. Er war vor der Übernahme Vorstandschef des israelischen Unternehmens und gehört zu den Gründern. Seine Analyse: "Die Zukunft der Solarenergie liegt in ihrer Kombination mit der Förderung von fossilen Brennstoffen."