Steuersparangebote boomen, denn die Abgeltungssteuer kommt. Ein Schweizer Professor rechnet nun mit den Offerten dazu ab: Oft wird es für den Kunden teuer.
Anfang nächsten Jahres geht es unwiderruflich los: Wer dann Aktien oder Aktienfonds kauft, muss anders als bisher auf die Kursgewinne Steuern bezahlen - 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer.
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Wer sein Geld in den Sparstrumpf steckt, muss zwar keine Gebühren bezahlen, aber eine Rendite gibt es auch nicht. (© Foto: dpa)
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Deshalb versucht die Finanzbranche seit Monaten, die Deutschen mit Steuersparangeboten zu überzeugen. Der Züricher Professor Thorsten Hens hat die Angebote in einer Studie für die Quirin-Bank untersucht und findet, dass die Kunden zu oft in Angebote mit hohen Kosten getrieben werden: "Die Provisionen fressen die Renditen".
Hens, Direktor des Bankeninstituts der Uni Zürich, sieht bei den Banken einen Informationsvorsprung gegenüber den Kunden. Diesen Vorsprung nutzten die Institute, um Kunden in für sie nicht erkennbaren Bereichen mit überhöhten Gebühren zu belasten.
In den vergangenen Jahren sind immer mehr Anlageprodukte wie Fonds und Zertifikate auf den Markt gekommen. Anders als in der ökonomischen Theorie sorge diese Konkurrenz erstaunlicherweise nicht für bessere Angebote: "Ganz im Gegenteil haben sich die Gebühren in den letzten zehn Jahren in der Regel erhöht, bei gleichzeitiger Abnahme der Transparenz." Damit gewinne auf Dauer nur die Bank: "Der Anleger hat kaum Aussicht auf Erfolg."
Nur die Bank gewinnt
Die immer höheren Gebühren erklärt Hens damit, dass die Banken wegen der großen Zahl der Produkte Probleme hätten, ihre Angebote an den Mann und die Frau zu bringen. Also zahlten sie immer höhere Provisionen an Vertrieb, Berater oder Vermögensverwalter.
Gerade bei der Abgeltungsteuer beobachtet Andreas Beck vom Münchner Institut für Vermögensaufbau teure Konstruktionen: "Oft betragen die Gebühren mehr als fünf Prozent im Jahr - aber versteckt im Kleingedruckten."
Beck geht einen Dachfonds einer deutschen Großbank durch, der zur Zeit viel verkauft wird. Bei Dachfonds wird in mehrere einzelne Fonds investiert. Wegen der besonderen Konstruktion können diese Fonds zwischendurch verkauft werden, der Anleger muss deren Kursgewinne auch nach dem Start der Abgeltungsteuer nicht versteuern. Das macht den Kauf zur Zeit so interessant.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum ETFs, die oft den Verlauf eines Index abbilden, häufig lukrativer sind.
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Großprojekte in Berlin
Eine seriöse und sichere Geldanlage von z.B. 5 Prozent erzeugt bei einer Abgeltungssteuer von 27 Prozent (inkl. Soli) einen Abschlag ans Finanzamt von 1,35 Prozent vom eingesetzten Kapital.
Aus Gier und Dummheit lassen sich deshalb die Anleger von den Banken über den Beratertisch ziehen und wechseln in unseriöse und unsichere Geldanlagen von vielleicht 8 Prozent und akzeptieren dann mehr als 5 Prozent Abschluss- und Verwaltungskosten.
Gut für die Banken und Fondsmanager, schlecht für die Anleger.