Von Von Helga Einecke und Martin Reim

Die Banken und Versicherer haben ihre scharfe Krise überwunden, sagt Jochen Sanio, Präsident der Allfinanz-Aufsicht Bafin.

(SZ vom 01.08.2003) — Sanio bezeichnete es im Gepräch mit der Süddeutschen Zeitung als "gut, dass die Finanzindustrie den erlittenen Blutverlust durchweg stoppen konnte".

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Die gestiegenen Börsenkurse hätten den Versicherern und Banken gleichermaßen geholfen. Aufatmen kann nach seinen Angaben vor allem die Sparte Lebensversicherung bei der Assekuranz.

Der Branche wurden stille Lasten, also unterbliebene Abschreibungen, in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro unterstellt. Die Finanzaufsicht hat inzwischen alle Bilanzen ausgewertet und festgestellt, dass diese Zahl in Wahrheit weniger als 20 Milliarden Euro ausmacht.

Unter Beobachtung

"Die Lebensversicherungsbranche kann heute selbst einen fühlbaren Rückschlag des Dax ohne weiteres verkraften", beschreibt Sanio die Lage. Nach dem Zusammenbruch der Mannheimer Leben, die ihre Ursache in einem erheblichen Abschreibungsbedarf auf Aktien hatte, stehen noch eine "Handvoll" Lebensversicherer unter der besonderen Beobachtung der Aufseher.

Verhindern können die staatlichen Kontrolleure nach Worten von Sanio Konkurse weder im Versicherungs- noch im Bankenbereich. Bei der Kreditvergabe und der Anlage-Entscheidung hätten die Unternehmer freie Hand. Auch dem Verfall der Aktienmärkte stünden die Aufseher machtlos gegenüber. "Wir sind keine Wunderknaben", fügte er hinzu.

Den Banken bescheinigt der Bafin-Präsident, ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Das heiße in erster Linie Kostensenkungen. Hinzu kommen müsse nun eine nachhaltige Ertragssteigerung, um gegen schwierige Entwicklungen gewappnet zu sein.

Glücklicherweise habe es in diesem Jahr noch keine großen Unfälle im Kreditgeschäft gegeben - bis auf den britischen Fernsehverleiher Box Clever bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB). Das Debakel bei der WestLB habe die Aufsicht im Griff. Ein weiteres Gutachten wird vor der nächsten Aufsichtsratsitzung am 6. August erwartet, zu dessen Inhalt Sanio allerdings schweigt.

Die Halbjahrszahlen des größten deutschen Kreditinstituts, der Deutschen Bank, liegen voll auf der Linie des Bafin-Präsidenten. Die deutlich gesenkte Risikovorsorge sowie geringere Abschreibungen auf notleidende Engagements haben die vor allem aus Börsengeschäften stammenden Gewinne der Mannschaft um Konzernchef Josef Ackermann im zweiten Quartal auf über eine Milliarde Euro in die Höhe getrieben.

Davon hat auch Bundesfinanzminister Hans Eichel profitiert, denn wegen des Wegfalls der Steuergutschrift aus Dividenden landete die Hälfte des Gewinns in der Steuerkasse.

HypoVereinsbank hält nicht mit

Mit der neuen Ertragsstärke einer Deutschen Bank kann die HypoVereinsbank (HVB) nicht mithalten. Die Frankfurter Nummer eins zieht als global player ihre Gewinne vor allem aus Wertpapieren, während die in München beheimateten Nummer zwei unter ihrem riesigen Kreditbuch leidet.

Erst im Gesamtjahr 2003 soll unter dem Strich "eine schwarze Null" erreicht werden. In der Halbzeit wurden nach Abschreibungen und Steuern noch rote Zahlen geschrieben, aber eine Wende zum Besseren registriert.

Die Vorsorge für den Kreditbestand von rund 450 Milliarden Euro belief sich in den ersten sechs Monaten auf 1,5 Milliarden Euro. Beide Großbanken besinnen sich verstärkt auf ihr Kerngeschäft und trennen sich Stück für Stück von Aktienpaketen, Beteiligungen oder Töchtern. Jüngstes Beispiel ist der Verkauf der Norisbank durch die HVB an die Volks- und Raiffeisenbanken.

An der Börse wurde der positive Trend bei den Großbanken am Donnerstag kaum honoriert. Der Grund: Die Aktienhändler hatten die besseren Ertragszahlen bereits im Laufe der vergangenen Wochen mit steigenden Kursen vorweggenommen. Etliche Anleger verkaufen nun und erzielen Gewinne - wenn sie zum richtigen Zeitpunkte eingestiegen waren.

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