Deutscher Rotwein war bei Kennern lange als süßes Gesöff verpönt, bis einige Winzer auf Klasse statt Masse setzten - jetzt sind sie zeitweise sogar ausverkauft.
Werner Näkel blickt auf seine in mehreren Reihen übereinander gestapelten Eichenholzfässer. In seinem Glas schwappt tiefdunkelroter, fast violetter Wein. Er ist Näkels ganzer Stolz, sein Spätburgunder. ,,Vor 20 Jahren wollte kein ernsthafter Weinkenner mehr deutsche Rotweine trinken'', sagt Näkel.
Klasse statt Masse: So lautet das Erfolgsrezept des deutschen Rotweins. (© Foto: dpa)
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Der 54-jährige ehemalige Gymnasiallehrer gilt als einer der besten deutschen Burgunderwinzer. Seine Weinberge liegen oberhalb des rheinischen Dernau an der Ahr, heute Deutschlands Rotwein-Vorzeige-Anbaugebiet.
Früher seien die Rebstöcke ausgezehrt gewesen, die Weine wurden immer süßer. ,,Die Rebstöcke waren genetisch verkümmert, so wie in manchen Dörfern hier jeder sein eigener Cousin ist'', sagt Näkel und lacht breit.
Gefragt wie nie
Heute ist das anders, zumindest beim Wein. Deutscher Rotwein ist gefragt wie nie, vor allem der rote Burgunder, der rau und wuchtig, zugleich aber verspielt mit süßer Frucht schmeckt. Für viele Weinkenner ist Pinot Noir, die rote Burgundertraube, schlicht die Königin des Weins. Und die kommt immer häufiger aus Deutschland.
Über 27 Prozent des hier verkauften Rotweins stammen aus Deutschland, das ist Spitze, noch vor den großen Weinbauländern Frankreich, Italien, Spanien. Vor fünf Jahren waren es nur 17 Prozent.
Rotwein steht in der Gunst der Verbraucher insgesamt viel höher als Weißwein, 54 Prozent des bei uns getrunkenen Weins ist rot, Tendenz steigend. Der Großteil davon ist allerdings ziemlich billig. Der Deutsche gibt im Schnitt nur 3,54 Euro für den Liter Rotwein aus - aber immer noch etwas mehr als für Weißwein, mit 3,21 Euro pro Liter.
Vergleichbar mit Burgund- und Piemontweinen
Es geht jedoch nicht nur um Masse, sondern auch um Klasse: Eine wachsende Zahl deutscher Winzer kann sich inzwischen mit ihren berühmten Konkurrenten aus Burgund oder Piemont messen.
Dass Rotwein aus Deutschland einmal so begehrt werden würde, konnte keiner ahnen. Am wenigsten die erfolgreichen deutschen Rotweinwinzer selbst. Den Touristen in den klassischen Anbaugebieten Baden und Ahr genügten oft die einfachen Tropfen, und noch heute bekommt man in fast jeder schlechten Weinstube süßes Gesöff.
Die deutschen Weinliebhaber hatten sich damals schon kreuz und quer durch Europa und die Neue Welt getrunken, aber immer, wenn sie zu Hause einen guten Rotwein suchten, wurden sie enttäuscht. Es gab nämlich keinen. Nur einfache Schlabberweine für jeden Tag. Große deutsche Rote: Fehlanzeige.
Pinot Noir schon lange an der Ahr bekannt
Dabei war Pinot Noir bereits im 18. Jahrhundert aus Burgund an die Ahr gebracht worden, doch es sollte sehr lange dauern, bis daraus erstmals Weine erzeugt wurden, die sich mit den berühmten Lagen in Burgund messen konnten.
Als Werner Näkel Anfang der achtziger Jahre anfing, Klone von Rebstöcken aus Burgund in die steilen Weinberge der Ahr zu pflanzen, wusste er noch nicht, dass er damit ein Fundament für das deutsche Rotweinwunder legen würde.
Zusammen mit Georg Breuer aus dem Rheingau, Bernhard Huber und Joachim Heger aus Baden sowie Bernd Philippi aus der Pfalz ist Näkel einer der Väter dieses deutschen Rotweinwunders.
Jene Winzer, die über den Rand ihrer Täler hinausblickten, fingen an, Spät- und Frühburgunder zu pflanzen, experimentierten mit großen und kleinen Eichenfässern, probierten es mit und ohne Filtrierung - und siehe da: Sie entdeckten, dass man auch in Deutschland gute Weine machen kann, solange man nur auf Qualität setzt.
Aufwand höher als bei Weißwein
Obendrein konnten sie damit auch noch richtig Geld verdienen. Für Rotwein kann ein Winzer locker das Doppelte verlangen wie für Weißwein, allerdings ist der Aufwand auch deutlich höher, gerade beim Spätburgunder.
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Altmaier besucht Atomendlager Asse
Alle guten Winzer beschränken den Ertrag, und da sind bei den besten Weinbauern etwa 30-35 hl/ha absolut üblich. Solche Flaschen kann man dann ohne weiteres für 20 verkaufen und sehr gut davon leben. Qualität statt Quantität eben
Mit nur zwei Trauben pro Stock kann man in der Tat erstaunliche Qualität erzielen, doch klingt das eher wie ein Boutique-Experiment. Die damit erzielte Menge kann nicht groß sein. Doch gilt dasselbe auch für die burgundischen Weinbauern, deren Familienbetriebe oft nur wenige Flaschen eines hervorragenden Pinot noir produzieren. Auf die Menge kommt's nicht an.
Fast war ich überzeugt. Lediglich der letzte Satz von den Japanern macht mich bedenklich. Schade, dass es nicht Franzosen waren.
und der heißt Umkehrosmose.