Von Nina Bovensiepen

Kurz vor der angestrebten Wiederwahl belasten Personalquerelen und Fusionsgerüchte Jürgen Thumann und den BDI.

Als Jürgen Thumann im Januar 2005 von Michael Rogowski die Führung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) übernahm, ging es äußerst vornehm zu. 970 Gäste waren in das festlich eingedeckte und mit Rosen geschmückte Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt geladen. Der neue BDI-Präsident bekam einen Araber-Hengst namens Hamasa Mirza geschenkt, der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zitierte auf der Bühne Heinrich Heine, und Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebrecht interviewte den scheidenden Rogowski.

Jürgen Thumann

Jürgen Thumann (© Foto: AP)

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Kommenden Montag wird sich Thumann aller Voraussicht nach zur Wiederwahl für den Spitzenposten bei dem Lobbyverband stellen - bei dem es inzwischen gar nicht mehr vornehm zugeht. Wer sich in dem schicken Glasbau mit Blick auf die Spree, in dem BDI, die Arbeitgebervereinigung BDA und der Industrie- und Handelskammerverband DIHK in Berlin residieren, umhört, bekommt viel Stoff für Intrigen und Spekulationen zusammen. Die Stimmung beim BDI sei "auf dem Nullpunkt", ist zu hören, die Mitglieder des Verbandes seien stinksauer, die Mitarbeiter verunsichert.

Gegen die "Göhnerisierung"

Schuld daran ist für viele vor allem einer: Thumann. Gründe gibt es mehrere. Da ist zum Beispiel der Vorwurf, der BDI-Präsident gehe mit der großen Koalition zu nett um. Dabei hatte er bei Amtsantritt doch verkündet, er wolle "Deutschland die Sporen geben". Zudem gibt es Kritik daran, dass der Unternehmer der Verbandsarbeit zu wenig Zeit widme. Angekreidet wird ihm auch, dass er die Mitglieder nicht zusammen und bei der Stange halten kann - so verzeichnete der dem BDI angegliederte Ost-Ausschuss in jüngster Zeit bereits drei Austritte. Am meisten hängt dem vornehmen Westfalen aber die missglückte Berufung des CDU-Politikers Norbert Röttgen zum Hauptgeschäftsführer seines Verbandes nach. Die Wahl eines Politikers für das wichtige Amt stieß den Ex-BDI-Präsidenten Rogowski und Hans-Olaf Henkel derart auf, dass sie mit einer Kampagne in der Bild-Zeitung dagegen zu Felde zogen. Die zwei Ex-Präsidenten wollten verhindern, dass beim BDI beginnen sollte, was der Arbeitgeberverband BDA längst praktiziert: Dort handelt Reinhard Göhner schon seit zehn Jahren im doppelten Auftrag - als Hauptgeschäftsführer einerseits, als CDU-Abgeordneter im Bundestag andererseits. "Uns ging es darum, die Göhnerisierung des BDI zu verhindern", sagt Henkel heute. Dies war zunächst erfolgreich: Röttgen zuckte vor dem Antritt der Doppelrolle zurück; Thumann war seine wichtigste Personalentscheidung missglückt.

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