Es gibt nur wenige Fernbuslinien in Deutschland - auch, um die Bahn zu schützen. Das könnte sich bald ändern. Die Bahn bekäme massive Konkurrenz.
Die Bahn bekommt derzeit jede Menge unliebsame Konkurrenz. Nicht nur die Pläne der französischen SNCF und der dänischen Staatsbahn machen dem deutschen Platzhirsch zu schaffen, jetzt erweitert sich der Kampf um die lukrativen Fernstrecken von der Schiene auf die Straße.
Die Linie Berlin Linien Bus fährt bereits zwischen München und Berlin. Bald könnten weitere Anbieter folgen. (© Foto: dpa)
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Denn neben der Bahn werden künftig wohl auch viele Busunternehmen Fahrten zwischen Großstädten und in mittelgroße Städte anbieten. "Es stehen schon einige Unternehmen in den Startlöchern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Internationalen Bustouristikverbandes, Dieter Gauf, der Berliner Zeitung. Sie warten nach seinen Angaben nur darauf, dass das Verbot von Fernbuslinien fällt, wie im Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP vereinbart. Dem Bericht zufolge könnte dies im Jahr 2011 soweit sein.
"Preislich attraktive Angebote"
Die Branche könne den Verbrauchern "preislich attraktive Angebote" machen, sagte der Sprecher des Verbandes Deutscher Omnibusunternehmen, Martin Kaßler, der Zeitung. Diese würden "30 bis 40 Prozent" unter denen der Deutschen Bahn liegen. Der Bedarf an Fernbussen sei riesig, sagte Kaßler. Das zeige allein die Buslinie zwischen Hamburg und Berlin mit 400.000 Fahrgästen jährlich.
Nur von und nach Berlin sind seit der deutschen Teilung nationale Fernbuslinien erlaubt. Für andere Strecken gilt weiterhin das Verbot von 1931, es sei denn, ein Busunternehmer erhält eine Sondergenehmigung.
Mit einer solchen Genehmigung bietet der Busunternehmer Constantin Pitzen seit Montag mehrmals täglich Fahrten von Potsdam zum Flughafen Halle/Leipzig an, wie die Berliner Zeitung berichtete. Eine Sondergenehmigung ist demnach möglich, wenn ein Unternehmen nachweisen kann, dass sein Angebot die Verkehrsverhältnisse verbessert. Pitzen ist nach eigenen Angaben bis zu eine Stunde schneller als der Zug und zudem "deutlich preiswerter".
(sueddeutsche.de/AFP/tob/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
....sollte man aber nicht vergessen zu erwähnen, das der Flugverkehr aus vollkommen unverständlichen Gründen weiterhin sehr stark subventioniert wird (Kerosin ist steuerfrei).
Ich fahre gerne und viel Bahn und habe selten Probleme. Und ich stehe Abends lieber gemütlich im Bistrowagen und zische ein gezapftes Bierchen, als mich in so eine Sardinenbüchse zu quetschen.
Und was die Fahrtzeiten angeht: Bitte keine Milchmädchenrechnungen! Für Fahrten zum/vom Flughafen und die Rumhängerei vor dem Abflug geht auch ganz schön Zeit drauf.
Ach, und nein, ich bin kein Mitarbeiter bei der Bahn, sondern arbeite für eine Bank.
Da haben Sie absolut recht. Und nicht nur das schlechte Ökogewissen sondern auch ein gewisses unangenehmes Gefühl von Dekadenz fliegt mit, wenn ich mal eben nach Berlin flieg.
Als Student in München mit Eltern aus der unteren Mittelschicht ohne finanzielle Rücklagen bleibt einem nur leider keine andere Wahl. Ich bin früher recht gern ICE gefahren, als ich vom Alter her noch die Bahncard 50 zum halben Preis bekommen hab, aber jetzt lohnt sich das für die ein, zwei Mal die ich im Jahr auf Verwandtenbesuch in Berlin bin nicht wirklich.
An dem Unterschied von Flugpreis zu Bahnpreis zeigt sich nunmal die volle Ironie der ganzen Geschichte. Die Bahn stellt einen vor die Wahl den doppelten Preis bei mindestens 4facher Reisezeit, mit unfreundlichem Personal anzunehmen.
Bei Lufthansa oder Airberlin zahl ich die Hälfte (und 100 euro weniger sind für mich schonmal fast die Lebenshaltungskosten des Monats), bin schneller da, werd freundlich bedient und krieg noch Gratisgetränk und Snack.
Die Absurdität des ganzen schreit zum Himmel.
Von meinen letzten 3 teuren Bahnfahrten blieb der Zug 2 mal liegen, der Service ist unterirdisch. Ich hatte dann die Gelegenheit, im "Cockpit" dieses Nahverkehrszuges mich nach dem Problem zu erkunden. Der Lokführer startete den Zug, es kam eine Fehlerliste ohne Ende. Der Kommentar des Lokführers war dann: "Es ist zu heiß für den Zug."
Später gab es dann noch eine Durchsage: "Wir haben einen technischen Defekt, wann es weitergeht, wissen wir nicht."
Seither meide ich das Unternehmen und freue mich nun mit einer gewissen Schadenfreude, dass jetzt endlich Konkurrenz kommt. Monopole (Bahn) führen immer in eine Sackgasse.
Ich erinnere mich vor allem noch an diverse Urlaubsreisen in der Türkei. Dort konnte man mitunter im Stundentakt mit schönen modernen Fernbussen jede beliebige Stadt in der Türkei ansteuern und das sehr günstig. Wenn das nur in Ansätzen in Deutschland realisiert wird - gute Nacht Bahn!
... das könnte weitreichende Konsequenzen haben:
1. Durch die Busse werden unsere Autobahnen noch voller, als sie eh schon sind. Denn Fernbusse werden wahrscheinlich immer indirekt subventioniert, da ihre Kosten für Autobahnmaut, Sprit, Steuer und Versicherung immer niedriger sein werden, als die Kosten, die die Bahn für Erhalt und Ausbau ihres Fernverkehrsnetzes hat.
2. Die Bahn wird wahrscheinlich viele nicht so gut ausgelastete Fernstrecken dichtmachen.
3. Die Bahn wird trotzdem nicht beim Normalpreis billiger, allerdings wird es wohl mehr Sonderaktionen bei Aldi, Tchibo usw. geben.
4. Im Fernverkehr wird die Bahn auf den Strecken punkten, auf denen sie
- schnell ist (Neu- und Ausbaustrecken)
- die nicht viel länger als 500 km sind (dort ist das Flugzeug überlegen)
- und auf denen eine hohe Verkehrsdichte herrscht
In den Ländern in denen der Fernverkehrsmarkt liberalisiert wurde, hat das fast immer zu einer deutlichen Verringerung des Zugverkehrs geführt, z.T. bis zum fast völligen Erliegen
Ich stimme Ihnen zu. Allerdings halte ich es auch für äußerst bedenklich: Fliegen ist von allen Fortbewegungsarten die mit großem Abstand umweltschädlichste. Das Fliegen so extrem billig ist im Vergleich ist aber leicht verständlich: Wenn ich meine Erfahrungen mit der französischen SNCF und den englischen Bahngesellschaften zugrunde lege, dann ist die Deutsche Bahn im internationalen Vergleich nicht teuer, sondern extrem überteuert. Ich will nicht wissen, wieviel Reingewinn die DB bei jedem verkauften Ticket macht. Klar, offiziell kratzen die Preise natürlich knapp am Existenzminimum - wer's glaubt. Ich würde mal raten, die DB könnte sich 30-40% Preissenkung locker leisten. Mit Börsengang wär's dann natürlich nix mehr.
Paging